UCHE YARA – Willkommen im „Bodyscanner“
Zwischen Rollerderby und Grace-Jones-Vibes: Uche Yaras Debüt „Bodyscanner“ ist ein experimentelles Clubalbum voller queerer Selbstermächtigung.

Man drückt Play, hört die ersten Sekunden von „Bodyscanner“ und ist verwirrt. Im besten Sinne. Was war das denn gerade? Elektronische Klänge, fast außerirdisch, darüber eine Stimme, die einen direkt in einen fremden Kosmos zieht. Und man will sofort noch einmal von vorn beginnen. Denn bei jedem weiteren Durchlauf entdeckt man neue Sounds, neue Instrumente, neue Effekte. Uche Yaras Musik lässt sich nicht in eine Schublade stecken; ihre Welt ist offen, ständig im Wandel, ein gekonnter, wilder Mix aus allem und nichts Bestimmtem zugleich.
Mit ihrem Debütalbum „Bodyscanner“ präsentiert die in Berlin lebende, aus Österreich stammende Multiinstrumentalistin mit nigerianischen Wurzeln ein Werk, das im Körper begann, lange bevor es den Verstand erreichte. Ein pulsierendes Clubalbum – Black, queer, inklusiv – das sich mit Körperlichkeit, Selbstwahrnehmung, Verbundenheit und Zugehörigkeit auseinandersetzt.
Zwischen Flughafenterminal und Nachtclub
Der Titelsong „Bodyscanner“ eröffnet das Album und macht sofort klar: Hier wird es abwechslungsreich, hier wird experimentiert. Getragen von Wiederholung, elektronischen Texturen und einer Vocal Performance, die an die kühle Autorität einer Grace Jones erinnert, bewegt sich der Song zwischen Hingabe und Kontrolle – irgendwo zwischen Flughafenterminal und Nachtclub angesiedelt. Der Albumtitel selbst spiegelt genau diese Spannung: zwischen dem, wie wir uns selbst sehen, und dem, wie wir von anderen gesehen werden. Statt nur Überwachung oder Beurteilung zu kommentieren, richtet Uche den Blick konsequent nach innen und fragt, was möglich wird, wenn wir aufhören, uns an äußeren Erwartungen zu messen.
Eine Künstlerin, die nie fertig überrascht
In den folgenden Tracks zeigt Uche Yara, dass sie auch rappen kann – und man fragt sich unweigerlich: Was kann diese Künstlerin eigentlich nicht? Immer wieder wird man mit neuen Skills und beeindruckenden Facetten überrascht. Das messerscharfe „be something“ etwa nimmt eine Kultur ins Visier, die von Status und Selbstoptimierung besessen ist, und fragt, was passiert, wenn das endlose Streben danach, etwas zu werden, uns vergessen lässt, was es bedeutet, einfach jemand zu sein.
Bei „What Is Left of Me“ wird es ruhiger. Fast eine entschleunigende Albummitte, wie ein Palette-Cleanser nach dem intensiven Einstieg. Ein kurzer Moment zum Runterkommen, zum Innehalten, zum Body-Scan mit sich selbst: Hey, wie geht’s mir eigentlich gerade? Gleichzeitig bereitet der Song auf die zweite Albumhälfte vor.
Diva Club: Rollerderby-Energie und queere Selbstermächtigung
Die Single „Diva Club“ lädt in queere Tanzsäle ein und zeichnet, ganz im Stil von Grace Jones, einen inklusiven Dancefloor. Uche Yara schafft eine stolze Hymne an Queerness und Individualität zu kreieren, getragen von Partykultur und Community. Im Song schlüpft Uche in die Rolle der Kapitänin eines FLINTA-Rollerderby-Teams, die ihr chaotisches Team zum Sieg treibt. „Es begann als verspielte, augenzwinkernde Charakterstudie voller Übertreibung und Camp-Energie“, erklärt sie dazu, „aber nachdem ich den Song live performt hatte, wurde mir klar, dass sich seine leichtfüßige Albernheit in etwas wirklich Empowerndes verwandelt.“ Es geht weniger darum, ein Spiel zu gewinnen, sondern um kollektives Selbstvertrauen, Widerstandsfähigkeit und das Einnehmen von Raum. Im Video zum Song wird im Stroboskoplicht gefeiert, E-Gitarre und edgy Outfits inklusive.
Der Club als roter Faden
Der Club ist ein wiederkehrendes Motiv auf „Bodyscanner“. Entgeistert von Erfahrungen in der Berliner Clublandschaft, fragt Uche, wie zwischenmenschliche Beziehungen von Verbindung statt Status und von Präsenz statt Performance geprägt sein können. Jahrelang fühlte sie sich von großen Teilen der Clubkultur um sie herum abgekoppelt, denn der Druck zu performen, zu konsumieren, sich anzupassen oder zu flüchten, stand oft im Widerspruch zu dem, wonach sie eigentlich suchte. Gespräche mit Freund:innen und Erfahrungen in diverseren, queeren Räumen ließen sie schließlich etwas anderes denken.
Ein Universum, das man nicht mehr verlassen will
Uche Yaras Album ist ein offener Raum für alle Träumer:innen, die sich dem experimentellen Genremix hingeben wollen und im besten Fall ihr Universum gar nicht mehr verlassen möchten. „Bodyscanner“ zeigt eindrucksvoll die verschiedensten Facetten der Künstlerin, begeistert mit Kreativität und wird nie langweilig oder wiederholend. Mit „Bodyscanner“ liefert Uche Yara nun den Beweis, dass ihre bisherigen Veröffentlichungen erst die Bandbreite ihrer Vorstellungskraft andeuteten, während das Debütalbum zeigt, wie sich diese Instinkte zu einer eigenständigen, unverkennbaren Vision verdichtet haben.
Musik


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