Spezial

Uraufführung auf Kampnagel: Performance „Embrace Your Crown“

Embrace your Crown auf Kampnagel
Florian Thoss und David Czinczoll

Zur Spielzeiteröffnung auf Kampnagel begibt sich die Hamburger Erfolgsregisseurin Mable Preach mit ihrem Bipoc-Darsteller:innenteam auf eine Zeitreise ins präkoloniale Ashanti-Reich, das heutige Ghana. Die bio-fiktionale Spurensuche nach weiblichen Akteurinnen im antikolonialen Widerstand dient der Entwicklung antirassistischer Strategien aus junger, weiblicher Perspektive.

Mittels Videoprojektionen und Livegesang wird eine Tafelszenerie (re-)konstruiert, die eine spekulative, mit zeitgenössischen Popzitaten durchwobene Szenerie imaginiert, in der historische Frauenfiguren miteinander in einen fiktionalen Dialog treten: Beispielsweise Queen Mother Nana Yaa Asantewaa, Anführerin des letzten großen Widerstandes gegen die britischen Kolonisatoren, und Maria Mendessi Bell aus dem Königreich der Douala im heutigen Kamerun, die als eine der wenigen Frauen zu Ausbildungszwecken ins koloniale Deutschland gebracht wurde und sich mitunter auch in Hamburg aufhielt.

Historische Recherche trifft auf künstlerische Spekulation in einem bildgewaltigen Setting. Und wer es bis jetzt noch nicht geblickt hat: „Don’t touch my Hair“ ist nicht erst seit Solange Knowles Hit von 2016 ein politisches Statement. Die Geschichte von Empowerment und Widerstand ist ebenso alt wie die Geschichte des Kolonialismus. Nur wurde sie bisher zu wenig erzählt.

„Other Europe“

Migration und Diversität innerhalb Europas werden in der politischen und medialen Debatte häufig als relativ neue Phänomene betrachtet, die europäische Gesellschaften vermeintlich vor enorme Herausforderungen des Zusammenhalts stellen.

Plakat zur Performance „Embrace your Crown“ auf Kampnagel
Foto: Florian Thoss und David Czinczoll

Auch die Europäische Union bezieht sich mit ihrem Motto der Vielfalt allein auf ihre unterschiedlichen Nationalstaaten und ihre jeweiligen Kulturen und geht damit implizit von einer weißen und christlichen Identität aus. Dabei ist der Kontinent seit der Antike ein Raum des Austausches und der Migration. Und wird von diasporischen Minderheiten auf prägende Weise mitgestaltet. Von Rechtspopulisten werden diese homogenen Identitätskonstruktionen verstärkt genutzt, um gegen Minderheiten zu mobilisieren. Damit stürzen sie die EU weiter in die Krise.

In Deutschland delegitimieren Debatten um Identitätspolitik aktuell emanzipatorische Bewegungen von Minderheiten und deren Forderung nach Gleichberechtigung. Die hybride Veranstaltungsreihe „Other Europe: Perspektiven auf Identität und Vielfalt Europas“ beleuchtet in diesem Kontext die Vergangenheit und Gegenwart der Vielfalt in Europa und zeigt ihr Potenzial für eine plurale und solidarische Gemeinschaft auf. Gemeinsam mit dem Netzwerk Diplomats of Color und gefördert vom Auswärtigen Amt lädt Kampnagel Künstler:innen, Autor:innen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen dazu ein, homogene Identitätskonstruktionen auseinanderzunehmen.

In fünf Schwerpunktthemen erkundet die Reihe durch Keynotes, Panels und künstlerische Formate Diaspora- und Minderheitenidentitäten. Zudem macht sie intersektionale Diskurse, Praktiken und Erfahrungen in Europas Vergangenheit und Gegenwart sichtbar. Von September bis Dezember 2021 darf sich das Publikum auf renommierte Expert:innen, auf Lecture Performances, Filmscreenings, Videoarbeiten und Lesungen freuen. Den Auftakt macht Prof. Nikita Dhawan mit einer Keynote zur Tragödie der Dekolonisierung und anschließendem Panel.

Im Fokus „Black Europe“ zeigt Kampnagel unter dem Titel „Emb*race Your Crown**“ Arbeiten über weibliche Akteur:innen im antikolonialen Widerstand (Mable Preach) und Schwarze Tech(no) Poetiken (Fallon Mayanja). Dr. SA Smythe spricht in einer Keynote über „The Black Mediterranean“ als epistemologisches Konzept eines Schwarzen Bewusstseins im transnationalen europäischen Kontext.

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