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„Les Racines“ von Vieux Farka Touré: Mit den Waffen der Musik

Portraitfoto Vieux Farka Touré
Foto: Kiss Diouara

Auch Vieux Farka Touré trägt mit „Les Racines“ die traditionelle Musik Malis in die Welt. Dabei hätte ihn sein berühmter Musikervater viel lieber in der Armee gesehen.

Vieux Farka Touré, was sind das für Geschichten, die Sie auf „Les Racines“ erzählen?

Vieux Farka Touré: Es sind in der Hauptsache soziale Themen, die mich beschäftigen. Ich will, dass die Menschen zusammenkommen, und zwar nicht nur meine Landsleute in Mali, sondern Menschen auf der ganzen Welt. Ich singe auf ,Les Racines’ davon, wie eine bessere Welt aussehen könnte. Und klar: Das eine oder andere Liebeslied ist auch dabei.

Das Album „Les Racines“ ist durchgängig traditionell und für Menschen außerhalb des malinesischen Kulturkreises nicht einfach zugänglich. An wen richten sich die Botschaften der Songs?

Touré: An alle innerhalb und außerhalb Afrikas. Ich möchte, dass jeder, der gern Musik hört, mich und die Botschaften meiner Songs versteht. So kann ich vielleicht einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Menschen die richtigen Dinge tun. Deshalb toure ich so viel und reise durch die ganze Welt.

Sehen Sie sich als Hüter des Vermächtnisses Ihres Vaters Ali Farka Touré, oder setzen Sie sich in irgendeiner Form bewusst von seiner Arbeit ab?

Touré: Natürlich habe ich diesen einzigartigen Stil meines Vaters gelernt. Er hat die Technik erfunden, die Gitarre wie ein einsaitiges traditionelles Instrument zu spielen, und so spiele ich eben auch. Aber ich habe in der Vergangenheit ja auch in alle Richtungen experimentiert und kehre jetzt zu den Traditionen zurück – als eigenständiger Künstler.

Was ist wirklich dran an der Geschichte, dass Ihr Vater Sie lieber als Soldat und nicht als Musiker gesehen hätte?

Touré: Das stimmt, aber nicht, weil er partout nicht wollte, dass ich Musiker wurde. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, im Musikgeschäft ausgenutzt und ausgebeutet zu werden. Das wollte er mir ersparen, und deshalb hat er gesagt: Schau dir Großvater an, der ist in der Nationalgarde und weiß an jedem Monatsende, wieviel Geld er bekommt. Meinem Vater war wichtig, dass ich eine gute Erziehung bekomme, damit ich weiß, was in den Verträgen steht, die mir als Musiker angeboten werden.

Wissen Sie schon, wohin die musikalische Reise nach diesem Werk geht? Sind irgendwelche Kooperationen mit Künstlern außerhalb Afrikas geplant?

Touré: Momentan toure ich mit meinem Trio in den USA, dann ist Europa dran. Ich denke, ich werde danach erst mal mit afrikanischen Kolleg:innen zusammenarbeiten. Klar, mich reizt auch immer wieder das Unbekannte, aber ich wüsste gerade nicht, in welche Richtung das gehen sollte. Neben der Musik arbeite ich viel für meine Organisation Amahrec Sahel, die sich um Kinder und Waisen kümmert. Das nehme ich sehr ernst, und das werde ich wahrscheinlich auch noch tun, wenn ich nicht mehr als Berufsmusiker unterwegs bin.

Haben Sie selbst Kinder?

Touré: Ja, vier. Die fragen jeden Tag: Wann kommst du nach Hause, Papa? Morgen? Übermorgen? Ich vermisse sie sehr.

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