MUSIK

Nach Lob für rechtsextremen Autor: Winston Marshall verlässt Mumford & Sons

Winston Marshall Mumford & Sons
Winston Marshall (2. v. r.) mit Mumford & Sons.Foto: Gavin Batty

Winston Marshall, Gitarrist und Banjospieler der britischen Band Mumford & Sons, wird die Gruppe verlassen. Das hat das Gründungsmitglied selbst bekannt gegeben. Die Entscheidung folgt auf eine Kontroverse, die sich entwickelt hat, nachdem Marshall den US-amerikanischen Autor und Influencer Andy Ngo für sein neues Buch „Unmasked“ gelobt hat. Das Buch wird, ebenso wie Ngo selbst, von Kritiker*innen als populistisch und rechtsextrem eingestuft. Nachdem sich Marshall zunächst öffentlich entschuldigt und angekündigt hat, eine Auszeit nehmen zu wollen, hat er nun in einem neuen Statement seinen Austritt aus der Band verkündet. Zugleich hat er jedoch seine Entschuldigung zurückgezogen.

Andy Ngos Buch „Unmasked: Inside Antifa’s Radical Plans to destroy Democracy“ stellt die These auf, die Antifa in den USA wolle das demokratische System zerstören. Ngo ist vor allem für seine Berichterstattung über Antifa-Demonstrationen bekannt, bei denen er schon selbst attackiert worden ist. Allerdings gerät der Autor auch immer wieder in die Kritik. So soll er sich nicht genügend von rechtsextremen Gruppen distanzieren, darunter den Proud Boys, mit denen er marschiert ist. Auch seine Videos soll Ngo oft mit manipulativen Intentionen geschnitten haben. Im Allgemeinen gilt er daher als populistischer Agitator, der selbst rechtsextreme Ansichten hat. Obwohl „Unmasked“ zu einem Amazon-Bestseller geworden ist, hat die Kritik das Buch verrissen. So hat die Los Angeles Times es etwa als „äußerst unehrlich“ bezeichnet.

Marshall hat Ngo Anfang März auf Twitter als „mutigen Mann“ tituliert und daraufhin viel Kritik eingefahren. Zunächst hat sich der Musiker entschuldigt. In seinem neuen Statement auf medium.com hat er diese Entschuldigung nun rückgängig gemacht und zugleich seinen Austritt aus Mumford & Songs erklärt. Das Statement beginnt mit einer Rückschau über die gemeinsame Karriere, bevor sich Marshall der Kritik an seinem Tweet zuwendet. Er streitet ab, rechtsextrem zu sein: „Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Dreizehn Mitglieder meiner Familie wurden in den Konzentrationslagern des Holocaust ermordet“, so Marshall. „Mich als einen ,Faschisten‘ zu bezeichnen ist unglaublich lächerlich.“

Weiterhin schreibt Marshall, er habe sich vor allem für seine Bandkollegen entschuldigt, da er nicht wollte, dass sie seinetwegen unter Beschuss geraten. Doch nach genauerem Nachdenken stehe er hinter seinen Worten. Dabei zeigt sich der Musiker als Anhänger der Hufeisentheorie: „Die Wahrheit ist, dass mein Kommentar zu einem Buch, dass die extreme Linke und ihre Aktivitäten dokumentiert, keinesfalls ein Lob für die gleichermaßen abstoßende extreme Rechte ist. Die Wahrheit ist, dass es ohne Frage mutig ist, unter großer Gefahr über Extremismus zu berichten. Ich glaube außerdem, dass meine vorherige Entschuldigung einen kleinen Teil an der Lüge hat, dass solcher Extremismus nicht existiert oder, noch schlimmer, eine Kraft für das Gute ist.“

Aus Gewissensgründen könne er also seine Position nicht ändern, so Marshall. Zugleich wolle er seine Bandkollegen weiterhin vor Kritik schützen. Seine einzige Möglichkeit sei daher, die Band zu verlassen.

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