„Zwei Staatsanwälte“: Der tödliche Glaube ans Recht
Russland in den 1930ern: Stalins Säuberungswelle ist auf dem Höhepunkt. Da beginnt ein junger Staatsanwalt einen Fall aufzurollen – Mit Folgen. Im Dezember startete der Film bei uns in russischem Original, jetzt kommt der düstere Politthriller „Zwei Staatsanwälte“ auch mit deutscher Synchronisation in die Kinos.
Der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa hat mit „Zwei Staatsanwälte“ den gleichnamigen Roman des russischen Schriftstellers Geogi Demidow verfilmt und zusammen mit dem rumänischen Kameramann Oleg Mutu ein klaustrophobisches Kammerspiel der Extraklasse geschaffen. Im Dezember startete er auf Russisch mit Untertiteln, jetzt kommt der Politthriller „Zwei Staatsanwälte“ auch in deutscher Synchronisation ins Kino.
1937 zur Zeit der „Großen Säuberungen“ in der Sowjetunion: Die Beschwerdebriefe der Gefangenen eines Provinzgefängnisses werden regelmäßig in einem Ofen verbrannt. Nur ein einziger Brief eines Insassen erreicht den jungen und eifrigen Staatsanwalt Kornjew (Alexander Kuznetsov, „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“). Als Kornjew im Gefängnis den Vorwürfen des Gefangenen nachgehen will, wird er mit der Furcht evozierenden passiven Aggressivität des Personals konfrontiert. Der Gefängnisdirektor lässt ihn lange warten, die Wärter sprechen sich mit ihren Vorgesetzten ab und stellen sich Kornjew bedrohlich entgegen, der Gefangene aber zeigt ihm in dieser von Mutu wie ein dunkles Verlies gefilmten Zelle seine Folterverletzungen. Wieder draußen, fährt Kornjew umgehend nach Moskau, um die Generalstaatsanwaltschaft von den unhaltbaren Zuständen im Gefängnis zu informieren. Das hätte er aber besser bleiben lassen. Der Generalstaatsanwalt, der die Beschwerde regungslos zur Kenntnis nahm, war nämlich Andrei Wyschinski, der 1937 wirklich in dieser Position arbeitete und der als der Erfinder der berüchtigten stalinistischen Schauprozesse gilt. Auf der Heimfahrt sitzen im Zug schon zwei NKWD-Mitarbeiter. Regisseur Loznitsa („Die Sanfte“) lässt seinen Film jetzt in verzweifelten Zynismus kippen: Die beiden singen mit „Durch Täler und über Hügel“ ein Bürgerkriegslied der Roten Armee und zeigen mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit als Schlusspunkt des Films die lachende Brutalität der Staatsmacht. „Zwei Staatsanwälte“ ist filmästhetisch brillant und in seiner Kritik des Stalinismus niederschmetternd.