„Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“: Lach mit den Brustwarzen!
Simon Verhoeven hat Joachim Meyerhoffs Roman „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ mit Bruno Alexander in der Hauptrolle verfilmt. Auch Senta Berger und Michael Wittenborn sind in dieser Tragikomödie mit von der Partie.
In seinem autobiografischen Roman „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ erzählt Joachim Meyerhoff irre komisch und mit Sinn fürs Tragische von seiner Zeit auf der Schauspielschule. Simon Verhoeven hat den Stoff nun verfilmt – und neben Bruno Alexander und Michael Wittenborn auch seine Mutter Senta Berger für eine der Hauptrollen besetzt.
Eines muss man Joachim Meyerhoff lassen: Er versteht es nicht nur, selbst tragischste Lebensereignisse anrührend, aber auch mit entwaffnender Selbstironie und galantem Humor zu erzählen. Er hat auch ein Händchen für sehr besondere Buchtitel. In „Hamster im hinteren Stromgebiet“ schildert er die Folgen seines Schlaganfalls, in „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ seine ersten Beziehungs- und Theaterbühnenerfahrungen; und zuletzt mit „Man kann auch in die Höhe fallen“ – Band sechs seines autobiografischen Erzählprojekts „Alle Toten fliegen hoch“ –, wie er als Mitfünfziger eine Lebenskrise durch einen Landaufenthalt bei seiner Mutter zu überwinden versucht.
Längst ist Joachim Meyerhoff nicht nur ein gefeierter Theaterstar, sondern mindestens genauso berühmt für seine Romane (Gesamtauflage rund drei Millionen!), in denen er mit herzerwärmendem Charme und feinem Gespür für die Balance zwischen grotesker Selbstironie und tiefer Tragik sich auch als Meister des literarischen Slapsticks erweist. Ein Stoff wie geschaffen fürs Kino. Sonja Heiss hat gemeinsam mit Drehbuchautor Lars Hubrich den Auftakt geliefert und vor drei Jahren „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ für die Leinwand adaptiert. Darin schildert Meyerhoff die eher ungewöhnlichen (Familien)verhältnisse, unter denen er in einer von seinem Vater geleiteten psychiatrischen Klinik aufgewachsen ist. Für die Verfilmung des dritten Bandes der Romanreihe hat sich Hubrich mit Simon Verhoeven zusammengetan und das Buch zu einer Coming-of-Age-Komödie verarbeitet, die gleichermaßen auch Künstler- und Gesellschaftssatire ist.

Aus dem Teenager Joachim ist ein junger Mann geworden, der noch Schwierigkeiten hat, seinen Platz in der Welt zu finden. Zudem hat er den plötzlichen Tod seines jüngeren Bruders noch nicht überwunden. Nach einem wenig glücklich verlaufenen Vorsprechen wird für ihn tatsächlich ein Traum wahr, als er bei der renommierten Otto Falckenberg Schauspielschule in München angenommen wird. Wohnen kann Joachim – dargestellt von Shooting-Star Bruno Alexander („Die Discounter“, „Player of Ibzia“) – in feudalsten Verhältnissen: in der Villa seiner großbürgerlichen Großeltern. Tagsüber muss er sich an der Schauspielschule mit einem permanenten Leistungsdruck, seinen Selbstzweifeln, den Demütigungen durch die Dozent:innen – u.a. gespielt von Tom Schilling („Achtsam morden“) und Karoline Herfurth („Wunderschöner“) –, mit sonderlichen, foltergleichen Lehrmethoden („Fick den Baum“) und dem Konkurrenzkampf unter den Mitschüler:innen auseinandersetzen. Nach Unterrichtsschluss erlebt er bei seinen Großeltern – sie eine divenhafte Ex-Schauspielerin, er ein nicht weniger exzentrischer emeritierter Philosophieprofessor – den größtmöglichen Kontrast: ein in selbst geschaffenen Ritualen erstarrtes und durch disziplinierte Einnahme alkoholischer Getränke durchgetaktetes Leben. Simon Verhoeven hat für dieses unvergleichliche, hochtheatralische wie skurrile Paar eine ideale Besetzung gefunden: den für kauzig-komische Rollen prädestinierten Michael Wittenborn („Merz gegen Merz“, übrigens auch Absolvent der Otto Falckenberg Schule), und als seine Gattin Senta Berger. Während Simon Verhoeven sie in „Willkommen bei den Hartmanns“ als grundsympathische, herzenswarme Ex-Lehrerin besetzte, darf sie hier als schillernde Diva nun ihr komödiantisches Talent so richtig ausspielen und zugleich die tragischen Zwischentöne herausarbeiten. Und man bedauert es zutiefst, dass dies, wie sie selbst ankündigte, ihr letzter Auftritt vor einer Filmkamera gewesen sein soll. Ihr Sohn aber und der des Regisseurs Michael Verhoeven hat sich längst als einer der erfolgreichsten Filmemacher Deutschlands selbst einen Namen gemacht. Nach einer Schauspielausbildung und einem Filmmusik-Studium in New York konnte sich Simon Verhoeven vor allem als Regisseur und Drehbuchautor erfolgreicher Filmkomödien wie „Männerherzen“, „Willkommen bei den Hartmanns“ und „Alter weißer Mann“ etablieren.