„Allegro Pastell“: Gen-Z-Lebensgefühl aus einer ganz anderen Welt
Anna Roller hat Leif Randts Roman von 2020 verfilmt. Jetzt kommt „Allegro Pastell“ mit Tanja Arnheim und Jannis Niewöhner in den Hauptrollen in die Kinos.
Zur Einstimmung dieser postkoitale Dialog aus dem Liebesfilm „Allegro Pastell“, der jetzt in den Kinos startet:
Tanja: Wie geht’s dir?
Jerome: Jetzt gerade? Ich glaub’, mir geht’s sehr gut. Sehr, sehr gut. Und dir?
Tanja: Ich frag’ mich, ob es mir schon mal besser ging.
Jerome: So im Leben insgesamt, meinst du?
Tanja: Ging es dir schon mal besser als jetzt?
Jerome: Am ersten Tag der Sommersemesterferien 2008. Ja, da habe ich die Studienstiftung zugesagt bekommen und bin am nächsten Morgen mit Bruno zum Melt-Festival gefahren. Hammer Line-up: Crookers, Teenagers, Alter Ego …
Das Berlinale-Publikum mag ratlos auf Anna Rollers Verfilmung reagiert haben – doch dann war es vielleicht auch ein großes Missverständnis, dass Leif Randts Roman im Jahr 2020 zum Bestseller avanciert ist. Roller gelingt eine nahezu perfekte Adaption, was nicht nur an den grandiosen Hauptdarsteller:innen Sylvaine Faligant als Tanja Arnheim und Jannis Niewöhner („Die Nibelungen – Kampf der Königreiche“) als Jerome Daimler oder der Tatsache liegt, dass Leif Randt selbst beteiligt gewesen ist und das Drehbuch vorgelegt hat. Das Schlingern zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem Älterwerden und der Angst vor Festlegungen, dieses Gen-Z-Lebensgefühl, das sich im Roman vor allem durch Textnachrichten und Chatverläufe abbildet, transformiert Roller sehr stimmig mit Voice-Over und atmosphärischen, überraschend frischen Bildern. Dass die Welt seit 2020 eine komplett andere ist, dafür können weder Randt noch Roller etwas.