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„Almost Fly“ – Warner TV Serie zeigt Coming-of-Age des Deutschraps

„Almost Fly“ begleitet Deutschrap aus den Kinderschuhen
v. l. Walter (Samuel Benito), Nik (Simon Fabian), Ben (Andrew Porfitz)Foto: Copyright KeyArt: © 2022 Turner Broadcasting System Europe Limited - a Warner Bros. Discovery Company / W&B Television GmbH / Gordon Timpen

Blick zurück in die 90er: Die Serie „Almost Fly“ auf Warner TV Serie rückt die Anfänge des HipHop in Deutschland in den Mittelpunkt.

Deutsche Coming-Of-Age-Serien sind selten und noch seltener sehenswert. Häufig ertrinken Gags und Charaktere in Klischees. Außerdem untergräbt ein selbstauferlegter Bildungsanspruch hinsichtlich der deutschen Geschichte oftmals das eigentliche Sujet. Auch die neue Warner-TV-Serie Almost Fly krankt daran. 

Die 16-jährigen Nerds und Außenseiter Walter (Samuel Benito), Ben (Andrew Porfitz) und Nik (Simon Fabian) sind in der westdeutschen Provinz im Jahre 1990 gefangen. Sie sind sich sicher: „Bei uns gehts nichts.“ Allerdings befindet sich ganz in der Nähe eine US-Base, die die Gegend sehr zu prägen scheint. Auch kulturell – GIs cruisen mit wummernden HipHop-Beats aus den Boxen an der Schule der drei Heranwachsenden vorbei. Walter, Ben und Nik sind begeistert und schleichen sich auf eine HipHop-Party auf dem Militärgelände. Dort wissen sie sich zwar nicht so recht zu bewegen, werden von den dort auftretenden Rappern aber in ihrer Entscheidung gefestigt: „Wir müssen Rapper werden.“ 

„Almost Fly“: DIY und Pioniergeist

Doch leichter gesagt als getan; da es im Nachwendejahr weder Google, YouTube noch Wikipedia gab, müssen sich die aufstrebenden MCs selbst erschließen, wie das alles eigentlich funktioniert. Wie baut man Beats? Was sind die Kriterien für einen tighten Flow? An diesem Punkt spielt die Serien ihre große Stärke aus. Trial-and-Error-Methoden werden hochgradig realistisch und detailliert dargestellt, gleichermaßen unterhaltsam wie lehrreich. Gerade heutzutage, in der jedes noch so kleine technische Detail in Sekundenschnelle recherchiert werden kann, ist es eine reine Freude, den Halbstarken beim Lernen zuzusehen. Zusätzlich wird den Zuschauer:innen klar, wie sehr sich die Welt und der Umgang mit Wissen in den letzten 30 Jahren verändert hat. 

Darüberhinaus fällt Walter, Ben und Nik schnell auf, dass ihr Schulenglisch für fette Rhymes nicht ausreicht. Deshalb pirschen sie sich langsam an die Lässigkeit heran, die der deutschen Sprache innewohnen kann. Die Serie versucht auf diese Weise, die Anfänge des Deutschrap fiktionalisiert nachzuerzählen. Nicht umsonst erinnern Walter, Ben und Nik an die Absoluten Beginner.

Natürlich wäre eine solide Coming-Of-Age-Serie nichts ohne die Liebe. Walter steht auf seine Klassenkameradin Sara (Emma Preisendanz) und Ben auf Pearl (Aysha Joy Samuel), die Tochter eines GIs. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Motivation, ihre Musikkarriere ins Rollen zu bringen. Denn was findet man bitteschön cooler als eine flippige Rapcrew?  

Alles in allem ist Almost Fly eine Serie, der es gelingt, einen Einblick in das Lebensgefühl der frühen 90er zu geben, und die Lust macht, sich mit deutschem HipHop zu beschäftigen – auch, wenn die Figuren und Gags nicht ganz ausgereift sein mögen.

Trailer: „Almost Fly“

Unterstützt wurde die Produktion der Serie von zahlreichen Musiker:innen und Akteur:innen aus der realen Deutschrap-Szene. Mit dabei sind unter anderem Dexter, JJ Whitefield, Roger Rekless, Kelvyn Colt und Fatoni, der sogar die Rolle des Schulhausmeisters übernimmt.