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Amilli: The girl from next door

So langsam hat sich die 20-jährige Bochumerin Amelie Flörke alias Amilli damit abgefunden, ein internationaler Popstar zu sein.

„Wings“: Zu sehen ist Amilli, die auf dem Reeperbahn Festival 2021 singt.
Amilli auf dem Reeperbahn Festival 2021 in Hamburg. Foto: Screenshot von Instagram @amilli.official (c) @rawsouls_productions

Amelie, seit der großen Aufmerksamkeit für deine Single „Rarri“ wirst du hierzulande als Pop-Hoffnung „Amilli“ mit internationalem Potential gehandelt. Das alles ging aber mehr oder weniger zufällig los, oder?

Amelie Flörke: Als eine Freundin zu mir meinte, dass ich voll gut singen könne, habe ich vor drei Jahren einfach mal aus Spaß den Song „Dust off“ geschrieben und ihn auf SoundCloud hochgeladen. Der ging dann tatsächlich ziemlich ab, und auch mein jetziger Produzent ist so auf mich aufmerksam geworden und hat sich bei mir gemeldet.

War dir dann auch gleich klar, dass du es als Musikerin versuchen willst?

Flörke: Mit dem Gewinn der 1Live Krone ist die Entscheidung endgültig gefallen. Ich war schon immer sehr musikalisch, habe viel Klavier gespielt und für mich gesungen – nur ist mir nie in den Kopf gekommen, dass es mehr als nur ein Hobby sein könnte. Was vermutlich vor allem eine Frage des Selbstbewusstseins gewesen ist. Ich war nie die Rampensau, die sich ständig inszenieren will und vor anderen singt.

Hat dich die Entscheidung auch unter Druck gesetzt, weil du das Gefühl hattest, die ungenutzten Jahre nachholen zu müssen?

Flörke: Ich glaube, dass gerade diese Unbefangenheit meiner Musik zugutekommt. Es ist eher ein Vorteil, nicht so viel über die Musikindustrie zu wissen, sich nicht ständig Gedanken zu machen und strategisch zu planen. Seit meiner frühesten Kindheit haben mich mein Vater und mein Bruder auf Jazz-Konzerte und zu Jam-Sessions mitgeschleppt. Ich bin mit klassischem Soul-Songwriting vertraut, und natürlich interessiere ich mich auch für Musikerinnen wie FKA twigs, die ganz unterschiedliche Elemente in ihrer Musik vereinen und zeitgemäß produzieren.

Nachdem du bislang einzelne Songs veröffentlicht hast, erscheint mit „Wings“ jetzt deine Debüt-EP. Darauf ist dann auch noch mal der große Hit „Rarri“ vertreten.

Flörke: Mit der EP wollte ich eine Visitenkarte abgeben und meine Vielseitigkeit zeigen, indem mit „Movie“ etwa auch eine reine Pianoballade vertreten ist. Ich selbst höre schon viel einzelne Songs, schätze aber auch EPs und Alben, um mich tiefer mit Künstlerinnen auseinandersetzen und Verbindungslinien ziehen zu können.

Wenn du bislang auf Featuregäste angesprochen wurdest, hast du dich gegen diese Idee eher gesperrt. Dei „Die for you“ ist jetzt doch der Rapper Serious Klein alias Kelvin Boakye als Gast dabei. Wie kam es dazu?

Flörke: Ich mag Features nicht, wenn sie aus Karrieregründen geplant werden, aber bei Kelvin ist es ganz natürlich passiert. Er lebt in Essen, hat sogar eine Zeitlang wie ich in Bochum gewohnt, und nachdem wir uns mehrere Male über den Weg gelaufen waren, hat er mir einfach eine Mail geschickt, ob wir nicht mal zusammen Musik machen wollen.

Nervt es eigentlich, wenn Interviews immer wieder deine Herkunft aus Bochum thematisieren?

Flörke: Es nervt, wenn damit impliziert wird: Du bist ja schon ganz schön gut – dafür, dass du aus Bochum kommst.

Obwohl du auch international viel Aufmerksamkeit bekommst, machst du weiterhin alles in Eigenregie und bindest dich an keine große Plattenfirma.

Flörke: Das ist eine bewusste Entscheidung. Soweit es geht, versuchen mein Team und ich alles allein zu machen: Musik, Videos, Covergestaltung. Mein Produzent und Manager Leo hat bei der Band I Am Jerry Gitarre gespielt, und die Jungs haben mit einem Major relativ schlechte Erfahrungen gemacht. Davon profitiere ich jetzt.

Wenn du mit „Wings“ auf große Headlinertour gehst, scheinst du dich inzwischen ja auch auf der Bühne wohlzufühlen.

Flörke: Aus den vielen Supportshows habe ich viel gelernt und mir ein Selbstbewusstsein aufgebaut. Inzwischen weiß ich, wie ich performen will, und genieße es, auf der Bühne zu stehen. Anfangs waren wir ja nur zu zweit auf der Bühne, aber mit Band im Rücken fühlt es sich viel natürlicher an. Und vor allem klingt es auch besser.

„What is life right now, I’m still trying to find out / who am I what’s my purpose/ (…) people recognize me / that kind of terrifies me / and at the end of the day I’m just the girl from next door / and the same person as before“ – aus: „Wings“ von Amilli.

 

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