„Andor Hirsch“: Sinnentleerte Symbolik
László Nemes’ Historiendrama könnte bewegend sein, doch verliert sich in Details und erstarrt zuletzt in Bedeutungslosigkeit.
Eigentlich bringt der dritte Film des ungarischen Regisseurs László Nemes einiges mit, was ein bewegender Film braucht: Der ungarisch-jüdische Andor (Barabás Bojtorján) wurde im Zweiten Weltkrieg zum Halbwaisen und wächst nun in den 50er-Jahren bei seiner Mutter (Andrea Waskovics) in Budapest und im Glauben auf, sein Vater sei Opfer des Holocaust geworden. Diese biografische Erzählung bröckelt jedoch, als ein grobschlächtiger Mann (Grégory Gadebois) auftaucht und behauptet, seine Mutter vor den Nazis versteckt zu haben und zudem sein Vater zu sein. Alles ist angerichtet für ein Historiendrama über eine kaputte Vater-Sohn-Beziehung und über eine verlorene Generation, zermalmt zwischen den Gräueltaten der Nazis und der Gewalt der kommunistischen Diktatur.
Das Problem: Nichts davon löst dieses hyperrealistisch inszenierte, sich in Details verlierende Sepiaspektakel ein. Nach Nemes gefeiertem Kinofilm „Son of Saul“, der die Frage nach den Grenzen des Widerstandes in einem NS-Vernichtungslager aufwarf, stellt sich nun die Frage: Wozu dieser Film? „Andor Hirsch“ erliegt dem Autorenkino-Fehlschluss, ein Film wäre allein deshalb von Bedeutung, weil Szenen in bedrückender Bewegungslosigkeit bleiben und sich Dialoge um Kunstpausen herum arrangieren. Hinzu kommt die völlig sinnentleerte Symbolik, die sich nach 132 zähen Minuten in einem Davidstern entlädt – man möchte sich wie der kleine Andor in den Keller verziehen und die Geister anrufen.