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„Black Water Rising“ von Attica Locke: Die Faust in der Tasche

Buchcover „Black Water Rising“ von Attica Locke

Je nach Hautfarbe ändert sich die Sichtweise auf Ereignisse und auch die Interpretation von dem, was Wahrheit und Gerechtigkeit ist. Eine traurige Realität in einer Welt, die immer noch von Rassismus und Unterdrückung geprägt ist. Attica Locke erzählt davon in ihren filmisch inszenierten und packenden Kriminalromanen, die zugleich scharfe politische Gesellschaftsanalysen der USA sind.

Mit nur wenigen Veröffentlichungen („Heaven, my Home“, „Bluebird, bluebird“) ist sie so zu einer der wichtigsten Stimmen der afroamerikanischen Gegenwartsliteratur geworden. Nun liegt auch ihr Debüt in deutscher Übersetzung vor, dessen verschachtelte Geschichte zu Beginn der 1980er-Jahre in ihrer Heimatstadt Houston spielt. Der erfolglose Anwalt und ehemalige Black-Power-Aktivist Jay Porter rettet eine Frau, wird dadurch in einen Mordfall verwickelt und sieht sich in seiner Paranoia fortan den gezielten Schikanen des FBI ausgesetzt. Bei seinen zögerlichen Nachforschungen zu den Hintergründen der Tat gerät Porter zunehmend unter Druck, erhält eine dubiose Schweigegeldzahlung und ist misstrauisch, ob er sich wirklich noch auf seine weiße Partnerin aus der ehemaligen Aktivistenzeit verlassen kann. Diese hat mittlerweile als Bürgermeisterin Karriere gemacht, was die Gefahr birgt, dass sie sich bei einem drohenden Gewerkschaftsstreik opportunistisch auf die Seite der mächtigen Ölindustrie stellt, die zur Durchsetzung ihrer Ziele auch über Leichen geht …

In „Black Water Rising“ zeigt Attica Locke mit starken Szenen die latente Bedrohung, denen People of Color auch heute noch tagtäglich ausgesetzt sind.

Attica Locke platziert ihren vielschichtigen Krimiplot im geschichtlichen Kontext der rassistisch aufgeheizten Reagan-Ära. Doch mit dem ambivalenten Charakter des Jay Porter, der sich zwischen Unterordnung und Mut entscheiden muss, zeigt die Autorin eindringlich und mit starken Szenen die latente Bedrohung, denen schwarze Menschen auch heute noch tagtäglich ausgesetzt sind.

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