KUNST

Bieke Depoorter ist dem Menschen auf der Spur

Bieke Depoorter im Interview
Bieke Depoorter Foto: Kaat Pype

Auf ihren Reisen begegnet die junge Magnum-Fotografin Bieke Depoorter (*1986) besonderen Menschen, deren Geschichten sie nicht loslassen. Auf der Suche nach Wirklichkeit und Identität ihrer Porträtierten verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Was hat das mit Künstlicher Intelligenz zu tun?

Bieke, wie stehst du zu Künstlicher Intelligenz in der Kunst?

Bieke Depoorter: Kunst spiegelt das wider, was um uns herum geschieht, und Künstliche Intelligenz ist ein Teil davon. Es gibt viele Möglichkeiten, die KI zu nutzen. Wir können sie in unsere Kunst einbeziehen, aber indem wir sie nutzen, können wir sie auch gleichzeitig hinterfragen.

Welches kreative Potenzial siehst du darin?

Bieke: Ich habe Angst und bin zugleich fasziniert davon. Aber ich will der KI nicht zu viel Macht geben, vor allem nicht bei der Entscheidung darüber, was gut und was schlecht ist.

In KI verschmelzen Fiktion und Realität. Welche Verbindung siehst du dabei zu deinen Arbeiten?

Bieke: Fiktion und Realität haben sich schon immer miteinander vermischt. Ich arbeite gerade mit meinem Bruder und Medienkünstler Dries Depoorter an einem Projekt, bei dem wir KI und Gesichtserkennung benutzen, um Michael in Portland, Oregon zu finden. Im Jahr 2015 gab mir Michael drei Koffer mit Sammelalben, Collagen, Briefen und mehr – kurz darauf verschwand er. Ich benutze jetzt das Material, das er mir gegeben hat, um sein Verschwinden zu untersuchen und um sein Leben zu verstehen.

Interview: Janka Burtzlaff

Die aktuelle Ausstellung „Bieke Depoorter 2015-2019“ läuft noch bis zum 16. 2. im NRW-Forum in Düsseldorf.

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