„Blind Sherlock“: Vom Callcenter als Experte zur Kripo
Der blinde Roman Mertens beginnt als Abhörspezialist für die Polizei Rotterdam zu arbeiten. Dabei gerät er bald selbst in Gefahr. „Blind Sherlock“ läuft im ZDF und der Mediathek.
Was ein guter Geruchssinn für einen Spürhund bedeutet, ist das außergewöhnliche Gehör für einen Abhörspezialisten. In der belgischen Krimiserie „Blind Sherlock“ muss Roman Mertens das lernen, als er beginnt, für die Rotterdamer Polizei zu arbeiten. Aufgrund seiner Blindheit kann der junge Mann in den Abhöraufnahmen besonders gut Hintergrundgeräusche wahrnehmen und gerät so ins Auge des Sturms der Drogenbarone der Stadt. Die Serie „Blind Sherlock“ vom Produktionsstudio De Mensen in Zusammenarbeit mit dem ZDF läuft jetzt im ZDF und kann in der ZDF-Mediathek gestreamt werden.
Roman Mertens (Bart Kelchtermans) lebt eigentlich ein ganz normales Leben: Er arbeitet in einem Callcenter und wohnt mit seinem Blindenhund Sam und seiner schwangeren Partnerin Caro (Sigrid ten Napel, „Penoza“) in einer Wohnung in Rotterdam. Doch diese Ruhe ist vorbei, als Roman seinen Job in einer Kurzschlusshandlung kündigt und sich bei der Polizei als Abhörspezialist bewirbt. Nach anfänglichem Argwohn gegen Roman aufgrund seiner Sehbehinderung lernen die Polizisten Nico (Frank Lammers, „Undercover“), Suus (Charlie Chan Dagelet, „Dirty Lines“) und Tess (Cynthia Abma, „Down“) seine Fähigkeiten zu schätzen und binden ihn schließlich in ihre Ermittlungen gegen einen Drogenring ein. Denn mit seinem einzigartigen Gehör kann sich der junge Mann so auf akustische Details konzentrieren, dass er die Situationen quasi über die Geräusche miterleben kann.
Später unterstützt auch Meryem (Ayşegül Karaca), eine alte Freundin von Roman, das Team und hilft beim Übersetzen der Aufnahmen. Dabei stoßen sie auf die „usbekischen Beatles“, vier Drogenbosse, die den Rotterdamer Hafen unter ihrer Kontrolle halten und die Namen der Bandmitglieder als Codenamen verwenden. Die Situation spitzt sich zu, als aufgrund eines gestohlenen Containers voller Drogen Streit zwischen den Verbrechern ausbricht und „McCartney“ „Lennon“ ermorden lassen möchte. Auch Romans Leben gerät aus den Fugen, als er nicht nur mit Drohungen, Beziehungsproblemen und großem Druck konfrontiert wird, sondern auch noch einen Todesfall verkraften muss.
Bei „Blind Sherlock“ tritt zwar nicht der berühmte Meisterdetektiv Sherlock Holmes persönlich auf, doch Roman Mertens macht der Figur von Sir Arthur Conan Doyle durchaus Konkurrenz. Auch visuell erinnern die Sequenzen, in denen Roman in die Abhöraufnahmen eintaucht, an Szenen aus der BBC-Serie „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch. Doch Regisseur Joost Wynant kreiert mit dieser Serie nicht nur eine gute Krimiserie, sondern stellt auch eine Person mit Sehbehinderung in den Vordergrund. Zwar wird aus Roman kein Superheld wie bei Marvels „Dare Devil“, doch durch Schauspieler Bart Kelchtermanns eigne Seheinschränkung wirkt die Rolle nahbar und der Umgang mit Romans Krankheit sehr authentisch. Manchmal mangelt es zwar etwas an Spannung und die Gefahr, die von Andys (Maarten Heijmans) Drohungen ausgeht, ist zeitweise wenig zu spüren, aber das lässt sich „Blind Sherlock“ schnell verzeihen, da die Serie eine interessante Möglichkeit bietet, die Welt durch die Ohren eines blinden Mannes zu erleben.