Bücher

Ruiniert der NDR die Kultur?

Der Hamburger Autor Saša Stanišić gehört zu den Unterzeichnern des Briefes für das Bücherjournal.
Der Hamburger Autor Saša Stanišić gehört zu den Unterzeichnern des Briefes.Foto: Katja Sämann

Das „Bücherjournal“ ist die älteste Literatursendung im deutschen Fernsehen. Doch jetzt soll sie aus finanziellen Gründen aus dem Programm genommen werden. Gegen diese Maßnahme regt sich nun Protest: Das Literaturhaus Hamburg hat sich in einen offenen Brief an den NDR-Intendanten Joachim Knuth gewandt, mehr als hundert Prominente haben ihn unterzeichnet. Die Bandbreite reicht von Autor*innen wie Saša Stanišić, Kirsten Boie und Ulla Hahn über Verleger*innen wie Florian Illies bis hin zu Musiker*innen wie Frank Spilker. Sie alle werfen dem NDR vor, die Kultur zu ruinieren.

„In einer Zeit, da Buchhandlungen, Verlage und Kultureinrichtungen aller Art vor dem finanziellen Aus stehen, kommt es darauf an, den Stellenwert von Büchern stärker denn je herauszustellen und den Kulturauftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalten ernst zu nehmen“, heißt es in dem Brief. „Die von Ihnen angekündigte Einstellung des ,Bücherjournals‘ spricht diesen Anstrengungen hohn und trägt zur Zerstörung unseres kulturellen Lebens bei.“

Den Brief in seinem ganzen Wortlaut sowie eine Liste mit allen Unterschriften findet ihr hier.

Auch darüber hinaus wurde der Umgang mit kulturellen Themen im Fernsehen kritisiert. In einer Pressemitteilung hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Statements von Verleger*innen und Händler*innen gesammelt. Darin schreibt etwa Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs: „Unsere Gesellschaft braucht das öffentliche Gespräch über Bücher. In den Programmen von ARD und ZDF aber haben Bücher in den vergangenen Jahren massiv an Sichtbarkeit eingebüßt. Seinem Auftrag einer kulturellen Grundversorgung kommt der öffentlich-rechtliche Rundfunk damit nicht mehr ausreichend nach. Dies ist gesellschaftlich besorgniserregend.“ Und Nina Hugendubel, Geschäftsführerin der gleichnamigen Buchhandlungskette, äußerte: „Wir hoffen, dass der NDR als wichtiger öffentlich-rechtlicher Sender ein neues Format für das Buch entwickelt.“ mj