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„Drag Cop“ von Candas Jane Dorsey: Queer durch die Mitte

Buchcover „Drag Cop“ von Candas Jane Dorsey

Vorsicht, ihr Cisgender: Hier kommen weder Kommissar Trübsal noch Femme Normal dahergeschlurft, sondern eine von Autorin Candas Jane Dorsey zusammengestellte quietschgrelle kanadische LGBTQIA*-Truppe mischt mal eben das Einerlei der Krimifratzen auf.

Da plappert gleich mal eine namenlose Ich-Erzählerin, wie ihr die Schnute gewachsen ist, aus ihrem Leben: In pansexueller Hinsicht für alles offen, hat sie ihre frühe Drogenkarriere schon mit fünfzehn abgehakt und schlittert gerade als Sozialarbeiterin in den unfreiwilligen Ruhestand. Bleibt nur ihr ehrenamtlicher Job in einer Abtreibungsklinik. Zusammen mit Kater F*wit wartet sie bei Fischstäbchen daher auf einen Lottogewinn und neue Dates, um wieder den Regenbogen am Himmel von Edmonton zu sehen. Nie war sie auf der Blümchenwiese des Lebens unterwegs, aber durch ihre ironische Grundhaltung trotzt sie dem homophoben Bashing im Alltag. Spontan wird sie zur Amateurdetektivin, als die befreundete Hep sie anheuert, den Mord an deren Enkelin Maddy aufzuklären. Maddy war nur ein kleines Bordsteinschwälbchen – und da ist von der Polizei nicht viel zu erwarten. Also rät ihr schwuler Freund Denis: Titten hochgeschnallt, rein in die Fick-mich-Stiefel und als Maddy-Double zusammen mit Freundin Vicki undercover auf dem Straßenstrich ermitteln. Immerhin kann die obdachlose Taiwanesin Jian mit einer Spur weiterhelfen und schließt sich nicht nur der ungewöhnlichen Ermittlergang an, sondern wird auch bald zum Sex-Date der Ich-Erzählerin. Die kanadische Autorin Candas Jane Dorsey treibt mit dem gekonnten Wechsel der Erzählperspektive, witzigen Gedankensprüngen, diversen Subplots, Listen und lakonischen Fußnoten den leicht wirren Plot nach vorne. Der führt zu einer ominösen Drag Queen, einer christlichen Aktivistengruppe und einem Schmerz-Tsunami. Durch den erhöhtem Einsatz von Pharmaka wird zwar den Blick getrübt, aber die Auflösung des Mordes nicht verhindert. Ein knallbunter Candy-Colored-Crime, von dem man sich nur allzu gern überzuckern lässt. Gerade auch, weil er die bitteren Seiten des queeren Lebens nicht ausspart.

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