Caribou Suddenly Album Cover
Caribou – SuddenlyFoto: City Slang

MUSIK | Albumreview

Caribou: Suddenly

Zählt man die noch unter dem Pseudonym Manitoba veröffentlichten Platten mit, war es sein fünftes Album „Swim“, das dem Doktor der Mathematik im Jahr 2010 den ganz großen Durchbruch als Caribou beschert hat: Bei dem lässig-abgeklärten Elektropop-Opener „Odessa“ mit seiner verzerrt-wummernden Basslinie stürmten selbst Menschen auf die Tanzfläche, die eigentlich lieber Gitarrenmusik hören. Vier Jahre später schob Snaith mit „Our Love“ ein Nummer-sicher-Album auf allerhöchstem Niveau hinterher, und die bei Konzerten im Bandformat umgesetzten Vocal-House-Ohrwürmer des Soundtüftlers schafften es bis auf die Hauptbühnen der weltweit renommiertesten Festivals.

Caribou erweitert seinen Trademark-Sound

Doch hat sich Snaith jetzt wirklich fünfeinhalb Jahre zurückgezogen, um mit dem siebten Caribou-Album ein weiteres Mal so souverän wie vorhersehbar den Club-Konsens abzustecken? Die Single „Never come back“ beweist, dass er die unwiderstehliche Melange aus Housebeats, Discomelodien und Rave-Sprengseln noch perfekt beherrscht, und wenn er mit „Home“ einen eingängigen Hit um ein Soul-Sample baut, ist er auf Augenhöhe mit DJ Kozes Sommerhymne „Pick up“.

Doch ansonsten ist „Suddenly“ ein sehr persönliches und innovatives Album, das statt mit unbedingter Tanzbarkeit lieber mit unvorhersehbaren Wendungen begeistert: Das von angeschrägten Pianoakkorden geprägte „Sunny’s Time“ kippt plötzlich in einen zeitgemäßen HipHop-Track samt jazzigem Saxofon, bei „New Jade“ lässt Sneith kosmische Synthiesounds und R’n’B-Samples gegeneinander antreten und hält den abenteuerlich inszenierten Song mit seinem warmen Gesang zusammen, und „You and I“ ist eigentlich ein klassischer Caribou-Song – bis am Ende plötzlich ein Gitarrensolo zu hören ist.

„Suddenly“ ist Snaiths bis dato persönlichstes Album

Thematisch geht es in den Songs von „Suddenly“ um einschneidende Wendepunkte im Leben seiner Familie und der engsten Freunde, und da ist es auch nur folgerichtig, dass Snaiths Stimme erstmals in allen Tracks zu hören ist. Besonders in der ruhigeren zweiten Albumhälfte steht sein Gesang mehr und mehr im Mittelpunkt, und mit der verspulten Ballade „Cloud Song“ löst er zum Abschluss ein, was er mit den ersten Textzeilen verspricht: „When you’re alone with your memories/I give you a place to rest your head.“ Sind die Tränen erst getrocknet, wird aus dem melancholischen Sinnieren ein psychedelischer Stolpertanz – und auch das ist der grenzenlosen Freiheit geschuldet, die sich Dan Snaith mit „Suddenly“ rausnimmt. cs

Suddenly erscheint am 28. Februar via City Slang.