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Musik

Chloe Slater – Riot Youth

Zwischen Weltuntergang, Nostalgie und Sarkasmus: Chloe Slater veröffentlicht ihr Debütalbum „Riot Youth“ und spricht darauf der Generation Z aus der Seele.

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Es gibt Menschen, die auf Kritik mit einem betretenen Lächeln und stillem Rückzug reagieren. Und dann gibt es Chloe Slater. Sie nimmt Hass, Neid und Häme, die mit dem Weg ins Rampenlicht offenbar im Bundle dazugebucht werden, presst sie durch einen Verzerrer und macht daraus ein ganzes Album: „Riot Youth“, das Debüt der britischen Newcomerin, erscheint am 9. Oktober. Wütende Indie-Rock-Hymnen mit ordentlich Grunge- und Punk-DNA, die vom Aufwachsen in einer Welt erzählen, die sich ziemlich kaputt anfühlt.

Vom Support-Slot zur Hauptbühne

Die letzten Jahre sah man Chloe Slater vor allem: unterwegs. Kreuz und quer durch Europa getingelt, auf gefühlt jedem Newcomer-Festival die Bühne gerockt, treu begleitet von einer Fangemeinde, die längst mehr Fanclub als Publikum ist. Jetzt ist Schluss mit Support-Slot, Chloe steht bereit fürs große Debüt. Und mit dem Sprung vom Geheimtipp zur öffentlichen Person kommt eben auch das, was man in freundlicheren Zeiten „Aufmerksamkeit“ nennen würde und in der Realität meistens einfach Hass ist. Genau darüber schreibt sie jetzt.

 

Riot Youth: Der Albumtitel ist Programm

Wer Chloes bisherige Songs kennt, weiß: Der Titel ist keine Marketingfloskel, sondern die Zusammenfassung ihres künstlerischen Selbstverständnisses. Es geht um das Einsamkeitsgefühl einer ganzen Generation, verpackt nicht in Molltöne und Taschentücher, sondern in Gitarren, die heulen dürfen.

Schon der Opener „Mother Nature’s Killing Spree“ vermittelt ein dystopisches Gefühl, mit einem Sound, der das Hüpfen verliebter Herzen auffängt. Chloe beschreibt darin die letzten Tage auf der Erde eines Paares, das total verliebt Nähe sucht, während die Welt dem Ende entgegengeht. Inspiriert ist der Song von der Endlichkeit der Welt und dem Gefühl von nie endender Liebe zu einer Person als paradoxem Gegenstück.

In „Southern Youth“ blickt die junge Britin dann auf einfachere Zeiten zurück. Was man einst als normal und selbstverständlich empfunden hat, ist jetzt ein nostalgisches Pieken im Herzen, das man gern für einen Moment zurückhätte. Der Song handelt von ihrer Heimat Bournemouth, einer Stadt an der Küste, die sie heute vermisst, die sie als Teenager aber als Gefängnis sah und aus der sie ausbrechen wollte.

„Ugly“, die erste Single des Albums, richtet sich gegen die kapitalistische Industrie, in der wir alle gefangen sind. Musikalisch merkt man eine Weiterentwicklung, mehr Pop, aber die atmosphärischen Grunge-Vibes bleiben bestehen. Unterton ist die Botschaft, dass wir alle sterben werden und in dem System leiden, dem wir unterworfen sind.

Breaking News: Die Welt brennt, und du lächelst trotzdem

Wie gut dieser Widerspruch aus Wut und Witz funktioniert, zeigt Chloe pünktlich zum Albumrelease in der neuen Single „I’ve Never Felt So Hated“. Im Musikvideo verwandelt sie sich in eine Nachrichtensprecherin wie aus einer anderen Zeitzone der Popkultur: getuschte Fifties-Frisur, geschwungener Eyeliner, Polka-Dot-Look, ein Fernsehstudio, das aussieht, als hätte es die letzten sechzig Jahre in einer Zeitkapsel verbracht. Hinter ihr flimmert eine Weltkarte, auf der sich Brandherde ausbreiten wie schlechte Nachrichten in einer Gruppenchat-Kettenreaktion. Sie moderiert die Katastrophe und lächelt dabei aufgesetzt in die Kamera, während sie singt, dass sie sich noch nie so gehasst gefühlt hat. Ein Widerspruch mit Ansage, denn Chloe liebt die Provokation, die entsteht, wenn Text und Bild sich gegenseitig widersprechen.

Angst mit Augenzwinkern

Chloe Slater schafft es, die Ängste der Generation Z aufzugreifen und dabei musikalisch trotzdem super eigen und besonders zu klingen. Mit sarkastischer Wortwahl und Komik, die sie in die angstgeladenen Texte einbaut, kanalisiert sie die tief sitzende Wut und Frustration, die so viele nachvollziehen können, und spricht damit tausenden aus dem Herzen. Kein Selbstmitleid, keine Schönfärberei der Verzweiflung, die das Erwachsenwerden in einer Welt aus Dauerkritik, Krisenmeldungen und permanenter Reizüberflutung mit sich bringt, sondern Wut, laut ausgesprochen und mit Gitarrenverstärker unterlegt.

Dass Chloe an der Gitarre und im persönlichen Songwriting schon jetzt richtig was draufhat, war klar. Mit „Riot Youth“ liefert sie den Soundtrack für alle, die auch mal Lust hätten, der Welt professionell und mit Verstärker den Mittelfinger zu zeigen.

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