- Review
Danger Dan – Keine Angst
Erst vom ZDF gestrichen, dann in den Top Ten: Auf seinem zweiten Klavieralbum verbindet Danger Dan Gesellschaftskritik mit sehr persönlichen Momenten. Er spricht über Rechtsruck, Erblindung und sein Coming-out – reduziert im Sound, aber mit umso mehr Wucht.

Kaum ein deutscher Musiker hat dieses Jahr für mehr Aufruhr gesorgt als Danger Dan. Sein Song „Keine Angst“, der im Juli als Vorbote seines gleichnamigen Albums erschien, sollte eigentlich live beim ZDF zu hören sein – gemeinsam mit Pianist Igor Levit, im Rahmen der Jubiläumsausgabe der Satiresendung „Die Anstalt“, die sich just mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigte. Kurz vor der Aufzeichnung strich der Sender den Auftritt kurzerhand: Der Text könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Die Absage sorgte für genau die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verhindern sollte – der Song stieg in die Top Ten der deutschen Charts ein, während sich Deutschland über die Grenzen der Kunstfreiheit stritt. Die einen nannten ihn eine Anleitung zur Radikalisierung, die anderen schlicht ein antifaschistisches Statement.
Danger Dan selbst beschreibt „Keine Angst“ lieber als eine Anleitung im Umgang mit der Angst. Wer heute wegsieht, wird es sich irgendwann nicht verzeihen, nicht früher gehandelt zu haben, wenn Demokratie und Meinungsfreiheit erst einmal zerbrochen sind. Statt bei der resignierten Frage stehenzubleiben, was man denn überhaupt gegen den Rechtsruck tun könne außer wählen zu gehen, liefert er eine ganze Liste an Handlungsoptionen. Er sieht de Song als Gegenmittel gegen die Ohnmacht.
Musikalisch ist „Keine Angst“ das zweite Klavieralbum des Antilopen-Gang-Mitglieds, fünf Jahre nach seinem Debüt „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Die bekannte Reduziertheit ist weiterhin Programm: Statt große Gesten zu bemühen, setzt Danger Dan weiterhin auf pointierte, wortgewandte Gesellschaftskritik, verpackt in kluge Wortspiele und bitteren Witz. Die Kombination aus minimalistischem Klavier und Streichern erzeugt über das ganze Album hinweg einen atmosphärischen, streckenweise dystopischen Sound – nirgends so eindrücklich wie in den Songs „Nie zur Ruh“ und „Dass es hier so schön ist“. Letzterer ist einer der persönlichsten Momente des Albums: Statt der großen weiten Welt und Gesellschaft kehrt Danger Dan hier ganz nach innen und spricht offen über eine Erkrankung, an der er erblinden wird. Aus der Angst vor der Dunkelheit entsteht eine fast zärtliche Dringlichkeit – das Bewusstsein, wie kostbar die Momente sind, in denen er die Schönheit der Welt jetzt noch sehen kann.
„Nie zur Ruh“ wiederum verhandelt einen Pakt mit dem Teufel und wird so zu einer Art thematischem Intro für „Keine Angst“: Der Song erklärt gewissermaßen die Mission des Albums, dass man der Angst keinen Raum geben darf, gerade weil nur, wer auch das Schlechte spürt, auch das Positive wirklich fühlen kann. Während „Nie zur Ruh“ noch die emotionale Fähigkeit hinterfragt, nichts zu verdrängen, um das Gegenteil überhaupt empfinden zu können, geht „Keine Angst“ den nächsten Schritt: Wie kommt man aktiv vom Gefühl der Angst wieder zu etwas Besserem – oder versucht es zumindest. Auch abseits der großen politischen Linie öffnet sich Danger Dan: In „Warum es nicht geklappt hat“ singt er über sein Coming Out und eine Erfahrung mit queerer Liebe und über seine Ängste im Umgang mit der eigenen Sexualität. „Keine Angst“ ist ein höchst reflektiertes Album – gesellschaftlich wie persönlich. Musikalisch bleibt Danger Dan bewusst schlicht, emotional aber verliert er nie an Kraft. Es gelingt ihm damit erneut, den Nerv der Zeit zu treffen: gesellschaftlich zu provozieren und Diskussionen anzustoßen, ohne sich dabei selbst hinter der großen Botschaft zu verstecken.
Musik

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