Das Ding mit Federn im Kino: Zwischen Trauer und Horror
Nach dem Tod seiner Frau begegnet ein Witwer (Benedict Cumberbatch) der eigenen Trauer in Form einer Riesenkrähe. Das funktioniert zumeist.

Man kann die Mutter nicht sehen. Ihr Gesicht ist verschwommen, Fotos an den Wänden von ihr sind unscharf. Es geht auch nicht um sie. Es geht darum, dass sie nicht mehr da ist. Scheinbar starb sie völlig unerwartet. Von einem Moment auf den anderen war sie nicht mehr da. Für ihren Mann (Benedict Cumberbatch) und die zwei kleinen Söhne steht die Welt leider nicht still. Sie dreht sich weiter. Unerbittlich. Trost von Freunden und Fremden ist hoffnungslos. Besuche beim Psychologen erweisen sich als völlig nutzlos. Der Haushalt verkommt. Der Schmerz ist übermächtig.
Doch dann hält eine mannsgroße Krähe Einzug in das Leben und das Haus der Familie – oder eher in den Kopf des traurigen Witwers, wie sie den leidenden Vater spöttisch nennt. Sie quält ihn mit Erinnerungen, sie folgt ihm überall hin, und sie treibt ihn vermutlich in den Wahnsinn. Im Roman „Trauer ist das Ding mit Federn“ von Max Porter manifestiert sich eine lakonisch-plaudernde Krähe als Inbegriff von Trauer. Auch wenn sich Regisseur und Drehbuchautor Dylan Southern in der Verfilmung mit seinen gut fotografierten Bildern manchmal nicht ganz zwischen tiefschwarzen Drama und herbstlichem Horror-Film entscheiden kann, funktioniert der Film dank seines beeindruckenden Hauptdarstellers Benedict Cumberbatch und David Thewlis’ großartiger Original-Stimme der Krähe als visuell-emotionales Kammerspiel sehr gut.
Film

Sehenswert

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