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„Das Haus der Träume“ auf RTL+: Liebe im Kreditkaufhaus

Auf dem Streamingportal RTL+ startet jetzt die Serie „Das Haus der Träume“, die in den 1920er-Jahren im Berliner Kaufhaus Jonass spielt.

Während in der Serie „Babylon Berlin“ in den 1920er-Jahren immer wieder mal in die luxuriösen Kaufhäuser eingebrochen wird, spielt die Handlung der Serie Das Haus der Träume (auf RTL+) gleich ganz im Umfeld eines großen Berliner Kaufhauses, dem Jonass. Doch das Kaufhaus ist noch gar nicht eröffnet: Arthur Grünberg (Alexander Scheer, „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“) schläft mit seiner Geliebten im obersten Stockwerk noch auf einer Baustelle, während zu Hause seine Frau Alice (Nina Kunzendorf, („Charité“, „Furia“) offensichtlich genau weiß, was gespielt wird. Zwischen Kreditantrag, Umbau und Sektempfang will Grünberg Berlins erstes Kreditkaufhaus als Marktlücke durchsetzen.

Derweil reist aus Pommern Vicky Maler (Naemi Florez) nach Berlin und will bei einer Freundin unterkommen. Doch die ist in Berlin gescheitert und will sich das Leben nehmen. Wie der Zufall es so will: Sie lernt den vorgeblich armen Musiker Harry (Ludwig Simon) kennen, ergattert eine Stelle als Verkäuferin im noch nicht geöffneten Kaufhaus Jonass und feiert, wie in Berlin so üblich in den späten 1920ern, die Nächte durch.

Das Haus der Träume wirbt damit, dass Modedesigner Guido Maria Kretschmer eines der vielen Kleider der Serie kreierte und dass viele Stoffe vom belgischen Star-Designer Dries van Noten stammen. Doch all diese Üppigkeit, auch beim Einsatz von 1 000 Kostümen und 4 000 Komparsen, lässt nicht übersehen, dass der Drehort Görlitz, wo das Berliner Scheunenviertel nachgebaut wurde, in den Bildeinstellungen nicht die großzügige Räumlichkeit etwa der Serie „Babylon Berlin“ bietet: Seltene Schwenks mit Tiefe im Bild, dafür viele Einstellungen in Großaufnahme vermitteln mehr Fernsehästhetik als das, was man zuletzt von großen TV-Produktionen gewohnt war.

Sicher ist Das Haus der Träume ein weiterer ernst zu nehmender Versuch, uns die Zwischenkriegszeit der Weimarer Republik näherzubringen. Die Auswirkungen des 1. Weltkrieges mit ihren Kriegsversehrten und mit ihrer Armut in weiten Kreisen der städtischen Bevölkerung sind immer präsent, wenn auch ästhetisch viel zu harmlos eingebaut. Gleichzeitig klingen schon erste unheilvolle Botschaften der Zukunft an. Antisemitismus ist im Alltag präsent, wenn auch noch (in der ersten Folge) sehr am Rande. Wie schon bei „Babylon Berlin“ (beide von X-Film Creative Pool) wurden vor allem musikalisch viele Antagonismen eingebaut, auch die Sprache ist häufig von heute, und die Handkamera geht bei Partys immer wieder als zusätzliche Tänzerin mitten ins – inzwischen nicht mehr außergwöhnlich – diverse Getümmel. Dennoch bleibt am Ende der ersten Folge der voräufige Eindruck, dass da noch viel Luft nach oben ist, vor allem bei der Geschichte vom armen Aschenputtel, das an einen möglicherweise reichen Mann gerät.

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