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Leichen im Keller

Buchcover „Die jungen Bestien“ von Davide Longo

In „Die jungen Bestien“ von Davide Longo weist ein Fall zurück in die Vergangenheit: Als auf der Baustelle für die Schnellbahnstrecke Turin-Mailand Menschenknochen im Erdreich gefunden werden, muss Kommissar Arcadipane von der Turiner Mordkommission bei Dauerregen raus in den Schlamm und die Spuren sichern. Da tauchen auch schon Mailänder Kollegen auf, nehmen alle Funde an sich und schließen die Akte mit dem Befund, das Dutzend Leichen stamme aus dem Zweiten Weltkrieg. Arcadipane zweigt einen Knochen ab und lässt ihn von der jungen Kollegin Isa untersuchen – mit erstaunlichen Ergebnissen: Der Tote stammt aus den 1970ern; der Student war seinerzeit verschwunden, kurz nachdem man ihn verdächtigt hatte, gemeinsam mit anderen linken Aktivisten die Parteizentrale der neofaschistische MSI in Turin angezündet zu haben. Damals war das einer der ganz wenigen Fälle, die Corso Bramard nicht hatte lösen können. Arcadipane nimmt Kontakt zu seinem früheren Vorgesetzten auf.

Davide Longo geht mit „Die jungen Bestien“ auf zwei Zeitebenen das an, was die erste italienische Republik ausgemacht hat: den blutigen Kampf zwischen den linken Roten Brigaden und dem Staat, der mit Neofaschisten zusammenarbeitet, um seine Legitimation in der Bevölkerung zu stärken. Während Kommissar Arcadipane ein Mann ist, der alle Anzeichen einer Depression aufweist und glaubt, seine Fähigkeiten als Ermittler verloren zu haben, steht im Zentrum des Handlungsstrangs von 1977 Bramard. Der noch junge Kriminalist stand damals am Beginn seiner Karriere, nebenbei hat er auch noch auf Lehramt studiert und ein Verhältnis mit einer Studentin begonnen. Kurz: Bramard war voller Tatendrang, konnte aber den Fall nicht lösen. Gemeinsam lässt Longo sie im dritten Teil des literarisch überragenden, von Barbara Kleiner kongenial übersetzten Krimis ein politisches Komplott gegen die Turiner Zelle der Roten Brigade vor 40 Jahren aufklären.