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„Der Tag vor der Revolution“ von Ursula K. Le Guin

Buchcover „Der Tag vor der Revolution“ von Ursula K. Le Guin

Wer noch immer glaubt, Sciene-Fiction wäre keine richtige Literatur, hat noch nie Ursula K. Le Guin gelesen. Der neue Erzählband „Der Tag vor der Revolution“ versammelt 25 teilweise erstmals auf Deutsch erscheinende Geschichten.

Mit „Die aus Omelas fortgehen“ ist auch eine der wichtigsten Kurzgeschichten des 20. Jahrhunderts in der Textsammlung „Der Tag vor der Revolution“ von Ursula K. Le Guin.

Am Sci-Fi- und Fantasy-Firmament der USA ist Ursula K. Le Guin ein einsamer Stern: Inspiration für viele, Pionierin der soft science fiction und der feministischen Literatur, wird sie letztlich immer alles um sich herum überstrahlen. Als Tochter eines Anthropologen und einer Psychologin war sie, anders als viele männliche Kollegen, weniger an technischen Details interessiert als an grundlegenderen Fragen: wie Gesellschaften funktionieren, wie sie das Denken des Individuums prägen, und wie Individuen verschiedener Kulturen trotzdem kommunizieren können. Die zweite Hälfte der hier versammelten, zwischen 1967 und 1996 verfassten Geschichten spielt in der Welt ihres Hainish-Zyklus, einem lose verbundenen Erzählkosmos, in dem die Botschafter:innen einer interstellaren Gemeinschaft versuchen, ihnen fremde Welten zu begreifen. Le Guins Figuren sind nicht immer Menschen, aber immer extrem menschlich: Sie stellen Fragen nach dem Wesen von gender und Sexualität, probieren die Umsetzung einer anarchistischen Gesellschaft oder leiden unter Krieg und Sklaverei.

Einige von Le Guins berühmtesten Romanen, darunter „Die linke Hand der Dunkelheit“ und „Freie Geister“, spielen in demselben Universum, und der einzige Kritikpunkt an dieser Sammlung könnte sein, dass einzelnen Erzählungen dieser größere Kontext fehlt. Die Geschichten der ersten Hälfte sind nicht durch einen derartigen Überbau verbunden und bilden Le Guins schriftstellerische Bandbreite ab: Texte wie „Schrödingers Kater“ und „Intrakom“ sind auch formell experimentell, versetzen sich ins Innere von Tieren, schwangeren Frauen oder der biblischen Eva. Was hier neben Le Guins Wärme, Weisheit und politischer Radikalität besonders sichtbar wird: ihr Sinn für Humor. Mit „Die aus Omelas fortgehen“ ist zudem eine der wichtigsten Kurzgeschichten des 20. Jahrhunderts Teil der Sammlung, die den Preis dieses Buchs an sich bereits rechtfertigen würde. Die 24 anderen gibt es quasi gratis dazu.

Hat es Ursula K. Le Guin mit „Der Tag vor der Revolution“ auf unsere Liste der besten Bücher im Februar 2026 geschafft?

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