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Die besten Bücher 2020: Fünf Empfehlungen für den Mai

Die besten Bücher 2020: Fünf Empfehlungen für den Mai

Fabrizio Gatt: Der amerikanische Agent5. Fabrizio Gatti: Der amerikanische Agent Ein Mann ruft Fabrizio Gatti an und fordert den Journalisten auf, den Messenger-Dienst Telegram auf seinem Smartphone zu installieren. Und der Mann mit dem Namen Simon Pace erzählt und erzählt und erzählt. Es ist die Geschichte der Einflussnahme des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA auf die Politik anderer Staaten. Es ist auch die Geschichte einer ganzen Generation italienischer Polizisten, die zu Beginn ihrer Karriere Anfang der 1980er angeworben wurden. Informationen werden gezielt abgeschöpft, Bomben gebaut, selbst als der kanadische Waffenentwickler Gerald Bull in Brüssel erschossen wird, ist Pace vor Ort. Wirklich ganz groß aber wird die Erzählung, wenn sie von der Psychologie der Rekrutierung und der Menschenführung durch Lüge erzählt – und sich damit den fünften Platz in unserer Liste der besten Bücher im Mai verdient.

Kunstmann, 2020, 400 S., 25 Euro

Aus d. Ital. v. Friederike Hausmann u. Rita Seuß

Katie Hale: Mein Name ist Monster4. Katie Hale: Mein Name ist Monster Platz 4 der besten Bücher im Mai 2020 könnte zeitgemäßer nicht sein. Eine Überlebende kämpft sich durch eine verlassene Welt: Während der Rest der Menschheit von einer Seuche ausgelöscht wurde, hat die Ich-Erzählerin in einem Saatguttresor in der Arktis ausgeharrt. Getrieben von der Suche nach Lebensmitteln und dem Ziel, ihr Elternhaus zu finden, muss sich die junge Frau gegen ausgehungerte Hunde verteidigen, ständig wachsam und verfolgt von Erinnerungen. Hale gewährt den unvoreingenommen Blick auf eine Welt, die dabei ist, neu zu entstehen.

 

S. Fischer, 2020, 384 S., 22 Euro

Aus d. Engl. v. Eva Kemper

Benjamin Maack: Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein3. Benjamin Maack: Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein

Benjamin Maack berichtet von der Anziehungskraft einer Selbstmordgedankenmaschinerie, die sein Familienleben zusehends erschwert und aufgrund derer er sich in die Psychiatrie einweist. Im Mittelteil fordern ein Stillstand der Handlung und typographische Experimente mitunter die Geduld der Leser*innen heraus. Das letzte Drittel entschädigt dann aber mit tiefenscharfer Selbstvermessung. Bei den letzten Seiten ist er wieder da, der Leserausch. Wenn das Lesen am Ende wieder so viel abwirft, kann der Mittelteil so schlimm ja doch nicht gewesen sein.

 

Suhrkamp, 2020

333 S., 18 Euro

Pandatage – Mit seinem Debütroman schafft es James Gould-Bourn auf Platz 2 unserer Liste der besten Bücher im Mai 20202. James Gould-Bourn: Pandatage James Gould-Bourn erzählt in seinem Debütroman den rührenden und zugleich extrem komischen Plot um den Bauarbeiter Danny und seinem kleinen Sohn Will, der nach dem Unfalltod der Mutter mit dem Sprechen aufhört. Als Danny seinen Job verliert, besorgt er sich ein Pandakostüm, um als Straßenkünstler die Miete zu verdienen. Ohne dass Will weiß, wer in dem Kostüm steckt, beginnt er eines Tages mit dem Panda im Park zu reden und schüttet ihm sein Herz aus. Es gelingt ihm, diese Geschichte zu erzählen, ohne in den Kitsch abzurutschen – dafür mit umso mehr Humor und Empathie.

 

Kiepenheuer & Witsch, 2020, 384 S., 20 Euro

Aus d. Engl. v. Stephan Kleiner

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst – Unser Platz 1 der besten Bücher 2020 im Mai1. Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst Schwarz, weiß, Frau, queer, ostdeutsch. Olivia Wenzels namenlose Protagonistin zerfällt in etliche Identitäten, Wenzels Debütroman „1000 Serpentinen Angst“ tut es ihr gleich: Drei Teile hat er, der erste und der letzte finden überwiegend als Dialog mit einer internen Stimme statt, deren Rolle so fluid wie ihre Präsenz allumfassend ist. Mal klingt sie wie ein Überwachungsstaat, mal wie ein*e Therapeut*in, mal wie ein seelischer Spiegel. Olivia Wenzel stellt beklemmend dar, was mit einer Frau geschieht, für die es zur Überlebensstrategie geworden ist, stets eine Außenwahrnehmung mitzudenken. Umso berührender wird „1000 Serpentinen Angst“, wenn es ihrer namenlosen Protagonistin endlich gelingt, das Verhältnis zwischen Ich und Außen zu überwinden – und das Glück zu finden. Olivia Wenzel gelingt damit der unangefochtene Platz 1 der besten Bücher im Mai.

S. Fischer, 2020

352 S., 21 Euro