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James Gould-Bourn: About a Bär

Der Autor James Gould-Bourn hat mit „Pandatage“ seinen Debütroman veröffentlicht.
Foto: Kiepenheuer & Witsch

James, du hast als Journalist für die Website Bored Panda gearbeitet, und jetzt veröffentlichst du deinen Debütroman „Pandatage“. Was läuft da zwischen dir und diesen Bären?

James Gould-Bourn: Ich schwöre, das ist reiner Zufall! Für Bored Pandahabe ich 2016 und 2017 gearbeitet, aber die Romanidee ist viel älter. 2012 bin ich in der Zeitschrift Time Europe auf ein Foto gestoßen: Ein Mensch in einem Pandakostüm sitzt ganz allein in einem extrem trostlosen Park. Ich habe das Bild rausgerissen, denn mir war sofort klar, dass ich diese Geschichte erzählen muss: Wie ist der Mensch in dem Pandakostüm in diese Situation geraten?

„Generell habe ich den Eindruck, dass Autoren mit Humor oft zu zögerlich sind.“

So bist du zu dem rührenden und zugleich extrem komischen Plot um Danny und seinem kleinen Sohn Will gekommen, der nach dem Unfalltod der Mutter mit dem Sprechen aufhört. Als Danny seinen Job auf der Baustelle verliert, besorgt er sich ein Pandakostüm, um als Straßenkünstler die Miete zu verdienen. Ohne dass Will weiß, wer in dem Kostüm steckt, beginnt er eines Tages mit dem Panda im Park zu reden und schüttet ihm sein Herz aus. Wie ist es dir nur gelungen, diese Geschichte zu erzählen, ohne jemals in den Kitsch abzurutschen?

James Gould-Bourn: Ich bin selbst als Leser total schnell raus, wenn es zu sentimental wird. Natürlich ist man bei eigenen Texten emotional ganz anders involviert, aber ich kann zumindest immer die Sätze rausfiltern, die unter Kitschverdacht stehen. Die lege ich dann meiner Frau oder auch meinem guten Freund Greg vor, der mir nicht nur gern sagt, wenn er etwas scheiße findet, sondern es auch immer gut begründen kann. Mit lustigen Passagen kann man zudem gut ausbalancieren. Generell habe ich den Eindruck, dass Autoren mit Humor oft zu zögerlich sind.

Wegen des Plots, aber eben auch wegen des Humors, der Empathie für die Figuren und den nicht aufgesetzt wirkenden Dialogen wird dein Debüt immer wieder mit „About a Boy“ von Nick Hornby verglichen. Nervt das?

James Gould-Bourn: Mittlerweile verbuche ich es als großes Kompliment. Ich muss gestehen, dass ich nie ein Buch von Hornby gelesen hatte, doch nachdem die Referenz immer wieder kam, habe ich vor kurzem endlich „About a Boy“ nachgeholt. Die Vergleiche kann ich natürlich nachvollziehen, trotzdem haben unsere Bücher auch jeweils eigene Qualitäten.

„Es gibt zu viele Romane, in denen sich eine Mittelschichtsfamilie für ein verlängertes Wochenende trifft und ihre Streitigkeiten austrägt.“

Mir gefällt, dass Danny nicht Webdesigner oder ein cooler Social-Media-Typ ist, sondern du einen Bauarbeiter als Protagonisten gewählt hast.

James Gould-Bourn: Es gibt zu viele Romane, in denen sich eine Mittelschichtsfamilie für ein verlängertes Wochenende trifft und ihre Streitigkeiten austrägt. Mir war es wichtig, eine Geschichte zu erzählen, in der sich auch Leser aus der Arbeiterklasse wiederfinden können. Ich selbst haben diesen Hintergrund: Mein Vater war Verkäufer, und meine Mutter arbeitet noch immer als Barfrau.

Das Problem ist ja, dass es fast ausschließlich Autor*innen aus der sogenannten Mittelschicht zum Debütroman schaffen.

James Gould-Bourn: Auch mir hat lange Zeit das Selbstbewusstsein gefeht. Zugegeben, ich war ein schlechter Schüler, aber Kunst und Englisch haben mich interessiert – doch statt mir etwa ein Praktikum in einem Verlag zu vermitteln, haben mich meine Lehrer*innen an eine Fabrik vermittelt, die Schilder herstellt. Nach der Uni habe ich lange Zeit für NGOs in Afghanistan und Afrika gearbeitet und das Schreiben als Hobby getrachtet. Erst ein Kurs an der Faber Academy hat das dann geändert.

Inzwischen wird „Pandatage“ sogar als Fernsehserie verfilmt, und du arbeitest beratend am Drehbuch mit. Denken wir noch größer und beziehen auch Hollywood mit ein: Wen würdest du bei einer Kinofassung für Regie und Hauptrolle verpflichten?

James Gould-Bourn: Zuletzt war ich von „Fighting with my Family“ schwer begeistert, weswegen ich wohl Stephen Merchant mit der Regie betrauen würde. Die Hauptrolle ist schwieriger: Taron Egerton und James McAvoy würden passen. Oder aber den jüngeren Sam Rockwell, denn der Typ kann tanzen.

Apropos Tanzen: Was würdest du denn als Straßenkünstler im Hyde Park zum Besten geben?

Gould-Bourn: Oh nein, ich kann weder tanzen noch beherrsche ich Zaubertricks oder spiele ein Instrument. Vermutlich müsste ich die Geschichte des Romans wiederholen und wie Danny das Tanzen lernen. Oder ich spare mir das mühsame Training, ziehe mir das Pandakostüm an und setze mich einfach traurig in den Park. Dann wären wir zumindest wieder bei dem Foto, der all das ins Rollen gebracht hat.

Interview: Carsten Schrader

 

James Gould-Bourn Pandatage

Kiepenheuer & Witsch, 2020, 384 S., 20 Euro

Aus d. Engl. v. Stephan Kleiner

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