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Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den Juli

Die besten Bücher im Juli 2026: Buchcover von Joey Goebel, Megan Nolan, Jean-Philippe Kindler, Megan Hunter, Lisa Roy und Malachy Tallack

Welcher Roman passt ins Strandtäschchen? Die besten Bücher im Juli 2026 mit Megan Nolan, Joey Goebel und Lisa Roy.

Warum Megan Nolan von Karl Ove Knausgård gefeiert wird? Ihr kluger Hybrid aus Whodunit-Krimi aus irisch-britischer Klassenerzählung zeigt es. Setzt sich „Kleine Schwächen“ auch auf unserer Liste der besten Bücher im Juli 2026 durch? Sie bekommt es mit Lisa Roy zu tun, die mit dem Feelgood-Roadmovie „Alles ist Gold“ auch auf unserer Liste der besten Bücher im Juli 2026 notiert ist. Was, wenn Schotten Gefühle hätten? Malachy Tallack fährt in „Der Ozean so wild und weit“ hartgesottene Hühnen, Schafe und Whisky auf, um diese Frage zu klären und auf unserer Liste der besten Bücher im Juli 2026 möglichst weit zu kommen.

Führt Joey Goebel unsere Liste der besten Bücher im Juli 2026 an? In „Sunset Flip“ zeichnet er das sensible Porträt eines Wrestlers in den 90ern – und legt so einen extrem gegenwartssatten Roman vor. Megan Hunter erzählt von einem England zwischen Tradition, Krieg und Modernismus, vor allem aber ist „Tage des Lichts“ überaus bewegende Liebesgeschichte. Reicht das für eine Spitzenposition auf unserer Liste der besten Bücher im Juli 2026. Und schließlich steht mit Jean-Philippe Kindler auch ein Debütant auf unserer Liste der besten Bücher im Juli 2026. „Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ heißt der Roman des Satirikers, Sachbuchautors und Beraters von Die Linke.

Die besten Bücher im Juli 2026

6. Malachy Tallack: Der Ozean so wild und weit

Die besten Bücher im Juli 2026: Buchcover „Der Ozean so weit und wild“ von Malachy TallackSchafe, Whisky und hartgesottene Hühnen, mit einem Innenleben so karg wie die Insel, auf der sie leben – denkt man an Shetland, denkt man an das (und vielleicht noch an den gnadenlos brausenden Atlantik ringsum). Auch „Der Ozean so wild und weit“ von Malachy Tallack scheut viele erwartbaren Bilder nicht, traut sich darüber hinaus aber die Frage: Was, wenn Schotten Gefühle hätten? 1957: Sonny verdient sich seinen Lebensunterhalt auf einem Walfangschiff im Südatlantik. Der Alltag auf dem Ozean ist rau, er lehrt ihn die Zerbrechlichkeit des Daseins. Viele Jahrzehnte später lebt sein Sohn Jack ein zurückgezogenes Leben im alten Cottage der Familie. All seine Gefühle wandern in die Country-Songs, die er selbst schreibt und die er in einem anderen Leben auf der Bühne gesungen hätte. Bis eines Tages eine Schachtel vor seiner Tür liegt …

Dass Musik (als Konzept und Kulturtechnik) die Seele heilt, die Lebenden mit den Toten und vielleicht sogar – lassen Sie mich ausreden! – verschiedene Generationen versöhnt, ist die in ihrer Allgemeinheit ebenso gültige wie banale Message dieses überraschend konventionellen Romans.

Luchterhand, 2026, 288 S., 24 Euro

Aus d. Engl. v. Klaus Berr u. Cornelius Reibe

5. Lisa Roy: Alles ist Gold

Buchcover „Alles ist Gold“ von Lisa RoyJeder weiß, dass traurige Lieder viel einfacher zu schreiben sind als fröhliche – auf hundert „Yesterday“s kommt vielleicht ein „Walking on Sunshine“. Ähnliches gilt für Bücher: Tragik bedeutsam wirken zu lassen, ist eine leichte Übung, während wirklich lebensbejahende Texte oft langweilig, sentimental oder beides werden. Insofern ist es Lisa Roy hoch anzurechnen, dass sie mit „Alles ist Gold“ genau letzteres versucht. Tatsächlich erinnert die Handlung an typisch deutsche Feelgood-Roadmovies à la „25 km/h“: Jana ist Ende 20, frisch getrennt, beruflich und akademisch in einer Sackgasse und – seit dem 10-jährigen Abi-Jubiläum vor kurzem – schwanger. Spontan fährt sie mit ihrer Zufallsbekanntschaft Miral für ein paar Tage nach Italien und lernt unterwegs, was das Leben lebenswert macht.

So weit, so klischeehaft. Doch Roy hat ein paar Asse im Ärmel, die „Alles ist Gold“ trotz der ausgetretene Pfade zu einem Lesevergnügen machen: ihren Humor sowie einige überraschende Wendungen, darunter die Tatsache, dass Jana ausgerechnet durch das Trinken von Weihwasser neuen Frieden findet. Vor allem aber ihr messerscharfer Einblick in die Psyche ihrer Figuren: Wer sich beim Lesen von Janas toxischen Gedankenspiralen nicht wiederholt ertappt fühlt, hat wahrscheinlich ein außergewöhnlich glückliches Leben geführt. Okay, selbst Roy schafft es nicht ganz, die zweite Hälfte komplett frei von Kitsch zu halten – doch am Ende überwiegen die echten Gefühle.

Rowohlt Hundert Augen, 2026, 272 S., 24 Euro

4. Megan Hunter: Tage des Lichts

Buchcover „Tage des Lichts“ von Megan HunterNach zwei ziemlich düsteren Büchern über die Klimaapokalypse und eine Frau, die von der Untreue ihres Mannes zerstört wird, öffnet sich Megan Hunter nun den Kräften, die uns die Düsternis ertragen lassen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Wenn das religiös klingt, ist das kein Zufall, wird ihre Protagonistin doch zwischenzeitlich sogar zur Nonne. Doch auch Hunters dritter Roman beginnt mit einer Tragödie: Am Ostersonntag 1938 verschwindet Ivys Bruder Joseph spurlos. An fünf weiteren Tagen, die bis ins Jahr 1999 reichen, kehrt Hunter zu Ivy zurück, die sich für den Rest ihres Lebens fragt, ob sie Joseph hätte retten können.

Sie sucht Halt in der Familie, im Glauben – und in der Liebe zu Frances, Josephs Freundin, mit der sie eine heimliche Affäre beginnt. Doch „Tage des Lichts“ ist noch mehr als die überaus bewegende Liebesgeschichte im Zentrum: Als Vorbild für Cressingdon, den Landsitz von Ivys Familie, hat Hunter Charleston Farmhouse gedient, das zum Treffpunkt der Bloomsbury Group um Virginia Woolf wurde, und ihr Roman handelt ebenso von einem England zwischen Tradition, Krieg und Modernismus.

C.H. Beck, 2026, 304 S., 24 Euro

Aus d. Engl. v. Judith Schwaab

TOP 3

3. Jean-Philippe Kindler: Hier ist der Beginn und das Ende ist dort

Die besten Bücher im Juli 2026: Buchcover „Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ von Jean-Philippe KindlerWenn der Satiriker, Sachbuchautor und Berater von Die Linke einen Roman schreibt, ist dieser zwangsläufig voll politischer Gegenwart. Dabei flieht Jean-Philippe Kindler mit seinem Debüt „Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ doch eigentlich aus der Politik, um im Wir anzukommen. Zunächst wagt er den als unmöglich verschrienen Blick in die nahe Zukunft: Es ist 2029, eine vorgezogene Bundestagswahl steht an, die politischen Lager sind kompromissunfähiger denn je und rechte Milizen ziehen marodierend durch die Straßen. Soweit, so denkbar. Und so ringt einem dieser Zustand angesichts unserer Gegenwart kaum mehr als ein Achselzucken ab. Ähnlich geht es den beiden Protagonist:innen Jonas und Estelle, die starr vor emotionaler Kälte in ihren Welten festhängen. Drei Tage vor der Bundestagswahl stirbt Jonas’ Vater. Seine leise Hoffnung: In der Trauer zu sich und seiner Affäre Estelle zu finden. Diese ist wiederum mit dem Team der Spitzenkandidatin im Wahlkampf.

Kindler überführt das Schweigen zwischen den beiden in mitunter kindliche Sprache, bahnt sich den Weg in die Traurigkeit und fällt schließlich das unzynische Urteil: Scheiß auf Realpolitik. Das ist grandios und gleichwohl der beste Weg, um der politischen Ohnmacht zu entkommen.

2. Megan Nolan: Kleine Schwächen

Buchcover „Kleine Schwächen“ von Megan NolanAls 1990 ein Mädchen tot in einer Südlondoner Sozialsiedlung gefunden wird, sind sich schnell alle einig: Lucy Green war es. Ein echtes Motiv ist nicht auszumachen, aber immerhin war Lucy eine Spielkameradin der ermordeten Mia, zudem komme sie aus zerrütteten Verhältnissen, und überhaupt: Irin ist sie auch noch. Der zweite Roman der von Karl Ove Knausgård als „literarisches Ausnahmetalent“ geadelten Megan Nolan beginnt wie ein „Whodunit“-Krimi. Denn dass Lucy wirklich die Täterin sein soll, wäre doch viel zu einfach. Und so beginnt eine Spurensuche, die jedoch weniger den Tathergang, denn die familiären Konstellationen der Greens zusammensetzt.

Der Puzzlemeister hierbei ist Tom, ein windiger Klatsch-Reporter, der durch einen glücklichen Zufall als Erster von dem Mord erfährt und sich sofort an Lucys Familie heftet. Nolan, selbst 1990 in Irland geboren, wechselt im Folgenden geschickt zwischen hyperrealistischer Krimierzählung und der Beziehungsanordnung eines Familienromans hin und her. „Kleine Schwächen“ schickt uns zurück ins Irland der 70er-Jahre und erzählt von einer Auswandererfamilie und ihren titelgebenden kleinen Schwächen, die mitunter zu großen selbstzerstörerischen Monstern anwachsen, auf einer prekären Herkunft gründen und sich in Alkoholexzessen und absoluter Resignation entladen.

Nun könnte dieser Roman kurzerhand als kritische Auseinandersetzung mit der britischen Klassengesellschaft und dem anti-irischen Alltagsrassismus zusammengestaucht werden, doch würde diese Einordnung den so ambivalenten Figuren in Nolans fesselndem Pageturner überhaupt nicht gerecht werden. Denn das Systemische ist bloß eine Zutat des fettigen Suds, in dem die vorverurteilte irische Familie umhertreibt. Sie alle – Mutter, Vater, Onkel, Oma – treffen andauernd äußerst widersprüchliche und von Scham getriebene Entscheidungen, die – Stichwort: missglückte Abtreibung – körperliche Reaktionen beim Lesen hervorrufen. Wer nun am Ende den Mord begangen hat, ist Nebensache. Wenn bloß jeder Krimi so wäre!

1. Joey Goebel: Sunset Flip

Buchcover „Sunset Flip“ von Joey GoebelEr ist stolz, dass er dieses deutsche Wort draufhat, weshalb Joey Goebel es auch gleich mehrfach wiederholt: „Gesamtkunstwerk“. Und tatsächlich findet der 45-jährige Autor aus Henderson, Kentucky, dass dieser Terminus ausgerechnet Wrestling perfekt beschreibt. „Es steckt einfach alles darin: Theater, Tragödie, Athletik, Fiction-Writing und in gewisser Weise sogar Ballett“, führt er aus, ohne eine Miene zu verziehen. Mit all seinen Romanen wie etwa „Vincent“ und „Heartland“ erzählt Goebel von der Kehrseite des amerikanischen Traums, und so kehrt er nun auch nach siebenjähriger Buchpause mit einem Roman zurück, der mit den 80ern und 90ern im Goldenen Zeitalter des Wrestlings in ebenjener Szene spielt.

Seit seinem neunten Lebensjahr ist Goebel ein Wrestling-Fan, und auch heute gilt sein Interesse keinesfalls einer Underground-Szene mit progressiveren Werten. „Was Musik und Literatur angeht, bin ich ein Snob, aber ich habe die bewusste Entscheidung getroffenen, die ganz große Mainstream-Wrestling-Welt zu verfolgen“, sagt er. Wobei Goebel ganz genau weiß, was er da tut, denn seit seiner Teenagerzeit ist die Begeisterung natürlich mit Ironie durchsetzt. „Bei Licht betrachtet ist Wrestling dumm: Männer in Unterwäsche, die sich gegenseitig anschreien und aufeinander einprügeln. Aber damit ist Wrestling eben auch eine gute Metapher für die USA.“

Wenn Goebel mit „Sunset Flip“ die toxische Männlichkeit im Wrestling ausleuchtet, wenn er von vorab gescripteten, durchchoreographierten Kämpfen und einen CEO erzählt, der gottgleich festlegt, wer Champion wird, erklärt er auch unsere Fake-News-Gegenwart. Doch Goebels größte Meisterleistung ist, dass er auch Leser:innen mitnimmt, denen Wrestling bestenfalls egal ist: mit Humor, mit einer ganz großen Liebesgeschichte und vor allem mit dem so tiefenscharfen Psychogramm seiner Hauptfigur. Der schüchterne, sensible Auggie Schnuck stammt aus einfachen Verhältnissen und träumt davon, Schauspieler zu werden. Als das nicht so recht klappt, entschließt er sich, den Umweg über die Wrestling-Bühne zu gehen, und hier feiert er schon bald Erfolge: Mit Stereoiden und viel Kraftraining wird er als The Aug zum Champion. Mit seinem Wrestling-Charakter kann er die Armut und den dürren, unsicheren Jungen hinter sich lassen, der im frühen Kindesalter von seinem Vater verlassen wurde. Doch verschwimmen die Grenzen für ihn immer mehr, und Auggie kann nicht mehr zwischen seiner wahren Persönlichkeit und der Kunstfigur unterscheiden … Goebel erhöht die Eindringlichkeit, indem er nicht chronologisch erzählt, sondern eher in einer Art Rückwärtsbewegung in der Zeit springt. Und auch wenn seine Romane eigentlich nie gut enden, gelingt es ihm auch hier, ein kleines bisschen Optimismus einzuziehen. „Ich würde keine Bücher mehr schreiben, wenn ich nicht noch Hoffnung hätte“, entgegnet er schnell, wägt dann seine Worte nach längerem Überlegen aber ganz genau ab. „Die politische Situation in den USA war immer wie ein Pendel. Jetzt weist es ganz radikal zur einen Seite – aber warum sollte es nicht in absehbarer Zeit wieder ganz radikal in die andere Richtung ausschlagen?“

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Bücher im Juni 2026!

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