Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den August
Was für ein Lesesommer! Die besten Bücher im August 2026 mit Lily King, Şeyda Kurt und Annika Büsing.
Wenn in Martin Piekars Debütroman ein Sohn mit seiner pflegebedürftigen Mutter streitet, erzählt das viel über eine lange unerzählt gebliebene deutsch-polnische Geschichte. Wie weit kommt er mit „Vom Fällen eines Stammbaums“ auf unserer Liste der besten Bücher im August 2026. Tamara Štajners Figuren tragen allesamt Traumata, Bitterkeiten und geplatzte Träume mit sich herum. Dass sich das trotzdem flüssig und fast schwerelos liest, liegt an der emotionalen Ehrlichkeit der Ich-Erzählerin und ihrem trockenen, oft schwarzen Humor. Und damit ist „Luft nach unten“ ein heißer Anwärter auf den Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Bücher im August 2026. Auch Şeyda Kurt zählt zu den Favorit:innen unserer Liste der besten Bücher im August 2026, denn vermutlich wird es in diesem Herbst kein spektakuläreres Debüt als „Zeit der Monster“ geben. Mit sinnlicher, üppiger Sprache erzählt sie vom Klimawandel und durchs Netz rasenden Untergangsprophezeiungen.
Die schönste und authentischste Liebesgeschichte des Herbstes? Für Annika Büsing kommt die nicht mehr ohne einen gestandenen Rechtsradikalen aus – und das wird auf unserer Liste der besten Bücher im August 2026 ganz sicher mit einer Spitzenposition für „Magisch“ belohnt werden. Auch „Schöne Ruinen“ von Jess Walter steht auf unserer Liste der besten Bücher im August 2026: Die bunte Figurensammlung, die überraschenden Wendungen, die Zeitsprünge und viel Humor machen den Roman zu einem echten Pageturner. Und schließlich ist da noch Lily King: Steht „Herz König“ auf unserer Liste der besten Bücher im August 2026 ganz oben? Die Höhen und Tiefen des Lebens, die Träume der Jugend, das erbarmungslose Verstreichen der Zeit: Lily King fängt alles mit einer Intensität ein, der man sich nicht entziehen kann.
Die besten Bücher im August 2026
6. Jess Walter: Schöne Ruinen
In seinem ursprünglich bereits 2013 erschienenen Roman erzählt Jess Walter eine Liebesgeschichte, die die Jahrzehnte und Ozeane überbrückt. Zugleich ist „Schöne Ruinen“ selbst eine Liebeserklärung an die Macht der Geschichten und des Kinos: Im Jahr 1962 landet die junge Schauspielerin Dee Moray in einem kleinen italienischen Fischerdorf, wo sich der Hotelier Pasquale in sie verliebt. Doch Dee wird ein Kind von Filmstar Richard Burton bekommen, und schon bald muss sie weiterziehen. Viele Jahre später reist Pasquale in die USA, um nach Dee zu suchen, und trifft dort auf den Produzenten Michael Deane, der damals der Auslöser für alles war. Walter springt nicht nur zwischen beiden Zeitebenen hin und her, sondern holt zusätzlich noch Michaels Assistentin Claire, Drehbuchautor Shane und Dees Sohn, den drogensüchtigen Musiker Pat, ins Boot.
Diese bunte Figurensammlung, die überraschenden Wendungen, die Zeitsprünge und viel Humor machen „Schöne Ruinen“ zu einem echten Pageturner. Doch darunter verbirgt sich eine melancholische Meditation über das Älterwerden, die Liebe, die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Mitmenschen haben. Wäre es nicht so abgeschmackt, könnte man ohne Weiteres schreiben: ganz großes Kino.
Kampa, 2026, 416 S., 25 Euro
Aus d. Engl. v. Friedrich Mader
5. Tamara Štajner: Luft nach unten
Eigentlich hat sich Iva längst ein stabiles Leben in Wien aufgebaut: Sie arbeitet als Musikerin, ist mit Felix verheiratet, und auch wenn es mit dem Kinderwunsch nicht so recht klappen will, gibt es ja heutzutage die Wissenschaft. Doch eine Reise zur Beerdigung ihres Kindermädchens in Ohrid, Nordmazedonien, reißt halb vergessene Wunden auf: ein mysteriöser Unfall, an dem ihr Vater beteiligt war. Die alte Slava, die für Ivas Eltern gearbeitet hat und sich um ihre Enkelin sorgt. Und Ivas schwierige Beziehung zu ihrer Mutter, der sie Briefe schreibt, die diese niemals lesen wird, weil sie nur so ehrlich zu ihr sein kann.
In „Luft nach unten“ ist tatsächlich viel Luft nach unten, Tamara Štajners Figuren tragen allesamt Traumata, Bitterkeiten und geplatzte Träume mit sich herum. Dass sich das trotzdem flüssig und fast schwerelos liest, liegt an der emotionalen Ehrlichkeit der Ich-Erzählerin und ihrem trockenen, oft schwarzen Humor. Ihre spitze Zunge richtet sich dabei nicht selten gegen sich selbst, denn auch Štajners Protagonist:innen sind herrlich unperfekt und sogar unsympathisch: Felix lügt Iva dreist ins Gesicht, wenn er etwa behauptet, er habe ein Spermiogramm machen lassen. Und Iva betrügt Felix seit Monaten mit dem ebenfalls verheirateten Gabriel und denkt generell am liebsten an sich. Schon bald fragen wir uns, ob ein gemeinsames Kind überhaupt eine gute Idee ist – und je mehr wir über Ivas Mutter erfahren, desto besser verstehen wir, warum Iva selbst unsere Zweifel teilt.
Andererseits: Wer auf das Perfekte wartet, läuft Gefahr, das Gute zu verpassen. Ist das die Lektion, die „Luft nach unten“ uns lehren will? Ganz klar ist das nicht, denn die Autorin lässt absichtlich vieles in der Schwebe.
Zsolnay, 2026, 336 S., 25 Euro
4. Şeyda Kurt: Zeit der Monster
„Wie unser Viertel heißt? Das spielt keine Rolle. Wir nennen es: Sumpf. Unser Glück ist, dass Sümpfe mit hohem Torfgehalt konservierende Eigenschaften haben.“ Nach zwei Sachbüchern legt Şeyda Kurt ihren ersten Roman vor – und vermutlich wird es in diesem Herbst kein spektakuläreres Debüt als „Zeit der Monster“ geben. Mit sinnlicher, üppiger Sprache erzählt sie vom Klimawandel und durchs Netz rasenden Untergangsprophezeiungen. Kurts Heldin Sanya und ihre Wahlfamilie verwandeln ihr Viertel, das an Köln-Kalk erinnert, in einem Ort des Widerstands, denn die Apokalypse ist kein schlechtes Setting, um nach neuen Formen des Zusammenlebens zu suchen.
Şeyda Kurt, geboren 1992 und aufgewachsen in Köln-Kalk, arbeitete u. a. für Zeit Online und Deutschlandfunk Kultur sowie für Podcasts, etwa mit der preisgekrönten Produktion „190220 – Ein Jahr nach Hanau“. Sie kuratierte u. a. für das Literarische Colloquium Berlin und das Goethe-Institut, moderiert die Gesprächsreihe „What a Crime“ am Schauspielhaus Bochum, verfasste gefeierte Theatertexte und war Mitherausgeberin des Sammelbandes „Spiel*Kritik. Kritische Perspektiven auf Videospiele im Kapitalismus“. 2021 erschien ihr Bestseller „Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist“, 2023 der Bestseller „HASS. Von der Macht eines widerständigen Gefühls“. Auf Instagram folgen ihr über 70 000 Menschen.
Hanser, 2026, 288 S., 23 Euro
TOP 3
3. Lily King: Herz König
Am College trifft Casey auf Sam, ihre erste große Liebe, und seinen besten Freund Yash. Nachdem die Beziehung auseinanderbricht, werden sie und Yash fast wider Willens ein Paar, ziehen nach Paris, haben große Pläne für die Zukunft. Doch auch diese Liebe hält nicht ewig – ein Grund dafür ist Sam, der unsichtbar noch immer zwischen ihnen steht.
Diese ersten, unbeschwerten Teile von „Herz König“ enthalten genug Drama und Schönheit, um ein Buch zu füllen. Doch Lily King hört hier nicht auf, sondern macht weiter, dringt zu einem tieferen, schmerzhafteren Ort vor. Viele Jahre später, Casey ist inzwischen verheiratet und hat Kinder, kehrt Yash in ihr Leben zurück, es entsteht eine vorsichtige Freundschaft. Noch mal ein paar Jahre später trifft sie auch Sam wieder – an Yashs Krankenbett. Und ein Geheimnis hat sie ihm nach all den Jahren noch immer nicht verraten …
Die Höhen und Tiefen des Lebens, die Träume der Jugend, das erbarmungslose Verstreichen der Zeit: Lily King fängt alles mit einer Intensität ein, der man sich nicht entziehen kann.
C.H. Beck, 2026, 224 S., 24 Euro
Aus d. Engl. v. Eva Bonné
2. Annika Büsing: Magisch
In ihrem neuen Roman „Magisch“ erzählt Annika Büsing die Liebesgeschichte zwischen den beiden Mittdreißigern Marie und Paul. Die sind zusammen aufgewachsen, waren als Jugendliche schon zusammen, und nachdem sie sich viele Jahre nicht gesehen haben, wagen sie einen zweiten Anlauf. Es geht dabei auch um Biografien, die anders als geplant verlaufen sind, doch vermutlich wird am meisten über Maries großen Bruder Andi diskutiert werden, denn der ist ein Nazi.
„Ja, das denke ich auch, wobei ich natürlich hoffe, dass beides auf Interesse stößt“, stimmt Annika Büsing lachend im kulturnews-Interview zu. „Meine ursprüngliche Idee war ja, dass ich eine Liebesgeschichte schreibe. Da hatte ich voll Bock drauf. Gleichzeitig ist es aber meistens so, dass erst beim Schreiben rauskommt, was mich gerade wirklich intensiv beschäftigt. Mein ehemaliger Lektor hatte auch schon gesagt: Du willst mir doch nicht erzählen, dass du ein Buch schreiben kannst, das nicht sozialkritisch ist. Und klar, ich empfinde die Spaltung der Gesellschaft derzeit als sehr, sehr massiv. Das erreicht mich durch meine Arbeit als Lehrerin natürlich über den schulischen Kontext, aber auch in den Medien geht es ja fast um nichts anderes. Es sind in den letzten Jahren Dinge sagbar geworden, von denen ich nie gedacht hätte, dass das wieder möglich sein wird. Dabei erschreckt mich vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der das geschieht.“
S. Fischer, 2026, 288 S., 24 Euro
1. Martin Piekar: Vom Fällen eines Stammbaums
Laut der Bundeszentrale für politische Bildung leben in Deutschland etwa 2,2 Millionen Menschen mit einer polnischen Migrationsgeschichte. Sie bilden damit die zweitgrößte Migra-Gruppe des Landes, trotzdem sind deutsch-polnische postmigrantische Erzählungen eher eine Rarität im deutschen Literaturbetrieb. Kein Wunder also, dass Martin Piekars Debütroman „Vom Fällen eines Stammbaums“ bereits für viel Aufsehen gesorgt hat, füllt er mit seinem schweren, derben und zuweilen urkomischen Roman doch eben jene Leerstelle. Bei aller gesellschaftspolitischen Wucht sollte aber nicht unterschlagen werden, dass dieser autofiktionale Roman vor allem handwerklich überzeugt. So wagt Piekar eine besondere Form des Dialogromans. Besonders deshalb, weil er die Mutter seines Protagonisten Marcin fast lautmalerisch in einem polnisch akzentuierten Singsang sprechen lässt, was dann etwa so klingt: „Ah, in Dojczland Sie finden Leben gut? Ich finde, hier ist gute Land.“ Das ist herausfordernd zu lesen, doch so lebendig, dass die Dialoge allein ausreichen, eine komplexe Mutter-Sohn-Beziehung zu zeichnen. Und diese Beziehung ist wirklich alles andere als einfach.
Marcins Mutter heißt Regina. Anfang der 50er-Jahre geboren im russischen Gulag, aufgewachsen im sozialistischen Überwachungsstaat Polen, dort Mathematik und Sonderpädagogik studiert. Geflohen nach Deutschland, wird sie dort alleinerziehende Krankenpflegerin und bald selbst zum Pflegefall. Sie säuft und raucht sich durch eine schwere Depression und schließlich bis in den Krebs. Immer an ihrer Seite: der pflegende Sohn. Erst mit 27 reist der wie Piekar selbst auch Lyrik verfassende Marcin zum ersten Mal in die Heimat seiner Mutter. Er stellt Fragen, spürt posttraumatische Muster auf und findet einen Weg aus der familiären Abhängigkeit. Piekars mitunter tragisches Debüt ist Coming-of-Age-Geschichte, Familien- und Dialogroman in einem, erzählt von Scham und Sprachlosigkeit und von einem Sohn, der sich irgendwie ins Leben hineinruckelt und durch Poesie in die polnische Geschichte der letzten 100 Jahre eintaucht, um schließlich abgenabelt herauszukommen.
Rowohlt, 2026, 464 S., 26 Euro
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