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Literatur

Triccs von Marie Verse

In Triccs erzählt Marie Verse von zwei Schwestern, die sich im Frauenfußball hochmühen und dabei jeweils ihre sapphischen Gefühle entdecken.

Portraitfoto Marie Verse, die den Roman „Triccs“ veröffentlicht
(Foto: Kajona Photography)

Die Protagonistinnen von Marie Verses Debüt „Triccs“ sind Schwestern, gehen viermal pro Woche gemeinsam zum Training und stehen am Wochenende für Punktspiele auf dem Platz. Ihr Ziel scheint klar: Eines Tages wollen sie Profifußballerinnen werden. Doch immer mehr beginnt die Ältere zu zweifeln. Ist Fußball wirklich alles im Leben? Als sie immer stärkere Gefühle für ihre Trainerin entwickelt, beginnt für sie plötzlich ein Spiel mit ganz neuen Regeln …

Dass Queerness und Fußball ganz hervorragend zusammengehen, hat spätestens Hannah Beckmanns Publikumsieg beim letztjährigen open-Mike-Wettbewerb bewiesen. Damals ging es um die Leistungs- und Entdeckungsängste zweier schwuler Spieler, in „Triccs“ hingegen sind es zwei Schwestern, C und C1 (die Jüngere), die sich im Frauenfußball hochmühen und dabei jeweils ihre sapphischen Gefühle entdecken. Neunzig Minuten plus Nachspielzeit wird ihre Geschichte erzählt, dabei immer wieder zurückgeblendet in Szenen des Ehrgeizes, der Zweisamkeit – aber auch des Schweigens: C1 verheimlicht der Älteren nicht nur ihre aufkeimende Sexualität, sondern auch die Anerkennung von außen, auf die ihr Spieltalent zunehmend stößt. Auffällig ist auch die Sprache, mit der C1 ihre Welt inklusive Ungesagtem ordnet: Rotzige Berliner Idiome sucht man hier vergebens, vielmehr springen die durch die zeitliche Abfolge der Ereignisse gerechtfertigen, in ihrer Häufung und verstockten Wirkung aber ungewöhnlichen Präteritum-Konstruktionen ins Auge, was man so selten in jungen deutschen Romanen liest.

Eine Schwesternschaft, die geprägt ist von Pflastern, Spucke, Leder – und Liebe

Mit für sich genommen nüchternen Sätzen, die von weiter weg jedoch ein höchst empathisches Ganzes ergeben, zeichnet Marie Verse eine Schwesternschaft, die geprägt ist von Pflastern, Spucke, Leder – und Liebe. Dabei setzt ihr Debüt einen willkommenen Kontrapunkt zu der Stangenware der spicy Sportromanzen, wie sie zum Beispiel auf Amazon vertrieben werden und die mitunter (Vorsicht, Kalauer so anstößige Titel tragen wie „Our Secret Kiss – Die Tochter vom Coach“, „Balls Out“ oder „Zwischen Tränen, Fußball und Höschen“.
Vielmehr stellt sich „Triccs“ in die Reihe der seriösen Gegenbeispiele: Martina Wildners „Der Himmel über dem Platz“, Nick Hornbys „Fever Pitch“ oder „Warum du schweigst“ von Martin Schäuble, mit dem Verses Debüt darüber hinaus die Thematik der Trainer-Spieler-Affäre (oder: des Groomings) teilt. Insgesamt ist „Triccs“ ein markiges erstes Buch, in dem sprachlich zwar wenig experimentiert, dafür aber viel gekonnt wird. Hier ist Fußball nicht nur Kulisse, sondern ganz Charakter.
Hat es Marie Verse mit „Triccs“ auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026 geschafft?
Buchcover „Triccs“ von Marie Verse

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