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Literatur

Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den September

Nur noch wenige Wochen bis zur Messe in Frankfurt … Die besten Bücher im September 2026 mit Sven Regener, Mirko Bonné und Karosh Taha

Die besten Bücher im September 2026: Buchcover von Karosh Taha, Leh-Wei Liao, Manik Sarkar, Sven Regener, Tayari Jones, Mirko Bonné

Sie steht natürlich auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026, denn mit „Gulistan“ findet Karosh Taha mal eben eine völlig neue Sprache für das Leben unter der Herrschaft der Gewalt. Führt sie dann auch unsere Liste der besten Bücher im September 2026 an? Ein harter Konkurrent ist sicher der Niederländer Manik Sarkar, denn der erzählt von einem Metzgersohn, der in den 60ern in einem Dorf aufwächst – und er macht ihn zu einem Fleischwolffeingeist. Steht also „Ochsenkopf“ auf unserer Liste der besten Bücher im September 2026 ganz oben? Auf der Liste der besten Bücher im September 2026 ist auch Mirko Bonné notiert, der wiederum die Zeit des Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin durchleuchtet.

Nie zuvor hatten wir Sven Regeners trockenen Humor nötiger – und ein wichtiges Puzzleteil fehlt ja auch noch in der Reihe um Herrn Lehmann. Mit „Frankie und Freddie“ dockt er direkt an „Der kleine Bruder“ an – und da sollte doch eigentlich eine Spitzenposition auf unserer Liste der besten Bücher im September 2026 garantiert sein. Oder überholt ihn Leh-Wei Liao? Die steht mit ihrem Debüt „Glaszeit“ nicht nur auf der Longlist für den Buchpreis, sondern auch auf unserer Liste der besten Bücher im September 2026. Und auch Tayari Jones hat Fürsprecher:innen, die ihren Roman „Goodbye, Honeysuckle“ auf unserer Liste der besten Bücher im September 2026 ganz oben sehen möchten: Oprah Winfrey und Barack Obama sind Fans.

Die besten Bücher im September 2026

6. Mirko Bonné: Kanzlerkino

Die besten Bücher im September 2026: Buchcover „Kanzlerkino“ von Mirko BonnéBernd Vomturm hat noch vor dem Mauerfall „Republikflucht“ begangen. Inzwischen ist er mit Erle liiert, der Schwägerin des Bonner Bundeskanzlers Viktor Breugel, der als „Pfälzer Kanzler“ wiederum unschwer als Helmut Kohl zu erkennen ist. 1994 wird Bernd beauftragt, den Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin mit zu organisieren und den neuen Wohnort des Kanzlers zu entwerfen. Dafür will Bernd einen neuen, visionären Stil des Glasbaus prägen: Möglichst viel Licht soll ins Haus kommen, denn darauf ist die kranke Kanzlergattin Harriet angewiesen. Wegen dieses Projekts schreibt Bernd seinem alten Freund Lutz, ganz plötzlich, nach Jahren ohne Kontakt. Ein Geflecht von Andeutungen macht schnell klar: Zwischen beiden ist mehr vorgefallen, als wir zunächst vermuten …

Mirko Bonnés Roman „Kanzlerkino“ verwischt die Grenze zwischen historischer Realität und Fiktion. Zwar kann man meist erkennen, welche historische Figur sich hinter welchem Namen verbirgt. Wer aber bei den bunten Farben des Einbandes eine vergnügte Satire erwartet, wird nur teilweise auf seine Kosten kommen. Es geht um persönliche Konflikte, das Bewältigen von DDR-Vergangenheit – und um Männer, die ständig eifersüchtig sind.

Schöffling, 2026, 272 S., 25 Euro

5. Tayari Jones: Goodbye, Honeysuckle

Buchcover „Goodbye, Honeysuckle“ von Tayari JonesHoneysuckle ist die Art von Ort, den alle jungen Leute irgendwann verlassen wollen. Doch es ist Annie, die zuerst aus dem Kaff in Louisiana abhaut – ohne ihrer besten Freundin Niecy bescheid zu sagen. Beide verbindet, dass sie sich nicht an ihre Mütter erinnern können, doch wo Niecys Mutter von ihrem Vater ermordet wurde, ist Annies kurz nach ihrer Geburt davongelaufen – und sie träumt davon, sie eines Tages zu finden. Während Annies verzweifelte Suche sie als Barkeeperin nach Memphis führt, schafft es Niecy, am Spelman College in Atlanta aufgenommen zu werden. Hier kommt sie in Kontakt mit der Bürgerrechtsbewegung und mit dem Spross einer wohlhabenden Familie, der um ihre Hand anhält. Doch obwohl die beiden Freundinnen räumlich getrennt sind, kann das Band zwischen ihnen durch nichts zerstört werden.

Tayari Jones erzählt abwechselnd aus Niecys und Annies Perspektive und schafft zwei Frauenfiguren, die eine innere Leerstelle teilen, doch zugleich völlig unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Anhand ihrer Schicksale zeichnet sie zudem ein so lebendiges wie beklemmendes Porträt Schwarzen Lebens in den Südstaaten der 60er-Jahre, die von Segregation und Armut geprägt sind. Dass Oprah Winfrey und Barack Obama zu den Fans des Romans gehören, ist insofern nicht weiter überraschend. Allerdings gelingt es der Autorin nicht immer, den roten Faden im Auge zu behalten, sodass sich manche Sprünge in Perspektive und Handlung willkürlich anfühlen – ebenso wie die Wechsel zwischen leichtfüßigen, humorvollen Momenten und unerwartet tragischen Wendungen. Zum Schluss wirken die unterschiedlichen Schicksale ihrer Heldinnen dadurch weniger poetisch vorherbestimmt, als sie womöglich beabsichtigt hat.

Arche, 2026, 440 S., 25 Euro

Aus d. Engl. v. Britt Somann-Jung

4. Sven Regener: Frankie und Freddie

Buchcover „Frankie und Freddie“ von Sven RegenerSven Regener liebt es, in der Zeit zu springen, und da ist zunächst eine kurze Orientierungshilfe ja vielleicht gar nicht schlecht: Während es die eng um Frank Lehmann kreisende Serie auf noch überschaubare drei Romane bringt, sind es für das erweiterte Figurenensemble dann schon satte sechs. Der neue Regener schließt nun aber direkt an den Wehrdienstroman „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“ an, der Frank Lehrmanns Ankunft in Kreuzberg thematisiert und vom 12. bis 14. November des Jahres 1980 spielt. In „Frankie und Freddie“ schreiben wir den 23. Dezember 1980, und einen Tag vor Weihnachten darf Frank seinen großen Bruder da abholen, wo er ihn im Vorgänger aufgespürt hat.

Im extrem heftigen Schneetreiben geht es für Frank auf den Ku’damm, wo der in Berlin von Manni zu Freddie gereifte Bruder in einem Probandenhotel an einer Studie für Antidepressiva teilgenommen hat. Doch selbstsicher ist der jetzt gar nicht mehr: Freddie hat plötzlich Angst vor Menschen, sodass er es nicht mehr erträgt, mit der U-Bahn zu fahren. Und die Zusammenkunft der beiden ist auch nur für wenige Tage geplant, denn Freddie will für ein Kunststipendium direkt weiter nach New York. Dumm nur, dass seine Reistasche mit den Tickets und wichtigen Unterlagen abhanden gekommen ist und im Schneemobil von Karl Schmidt irgendwo durch Schöneberg fährt …

Ganz eigentlich ist „Frankie und Freddie“ ein zärtliches, aber auch durch und durch melancholisches Psychogramm einer Brüderbeziehung. Wenn Regener seine Helden auf eine Odyssee durch die geteilte Stadt im winterlichen Ausnahmezustand schickt und im Vorbeigehen auch noch Themen wie erstes Verliebtsein und den antikapitalistischen Kampf streift, schlägt er immer wieder Brücken von den 80ern in unser bedrückendes Jetzt. Nur fällt das eben dank des Regener-Sounds nicht runterziehend, sondern extrem unterhaltsam aus. Und selbst eine mögliche Verfilmung müssen wir ganz und gar nicht fürchten, mimt den noch so jungen Frank doch Frederick Lau – und nicht Christian Ulmen.

Galiani Berlin, 2026, 284 S., 24 Euro

TOP 3

3. Manik Sarkar: Ochsenkopf

Die besten Bücher im September 2026: Buchcover „Ochsenkopf“ von Manik SarkarBlutverschmierte Schürzen, grobschlächtige Männer, triefende Gedärme: Metzgereien wecken nicht gerade anmutigste Assoziationen — oder? Manik Sarkars Debütroman „Ochsenkopf“ wagt eine Irritation dieser Klischees. Auf nicht einmal 180 Seiten erzählt dieser von Rensing, einem Metzgersohn, der in den 60er-Jahren in einem niederländischen Dorf aufwächst und bald schon den Betrieb seines Vaters übernimmt. Rensing ist ein Sonderling, schenkt er doch den anderen Kindern Linsen von Rinderaugen. Seine sonderbare Art erinnert allerdings weniger an die eines Psychopathen als an die eines Genies der romantischen Literatur. Er ist ein Wurstästhet, ein Fleischwolffeingeist, ein Künstler am Seziermesser.

Seine Hingabe und die so feine Sprache Sakars verwandeln die eigentlich so brutale Angelegenheit in einen sinnlichen und gleichwohl grotesken Reigen, es fehlt nur das Streicherquartett. Wie es sich für einen anständigen romantischen Roman gehört, ist das Scheitern des Genies aber bereits im Eifer angelegt. Als der erste Supermarkt im Dorf aufmacht, sieht sich Rensings Exzellenz durch Schnäppchen bedroht. Da helfen auch keine waghalsigen Versuche wie etwa ein Fleischerei-Drive-in, und schließlich müssen sich Tierwohl und Moral dem Spätkapitalismus geschlagen geben.

Zsolnay, 2026, 176 S., 23 Euro

Aus d. Niederl. v. Ruth Löbner

2. Leh-Wei Liao: Glaszeit

Buchcover „Glaszeit“ von Leh-Wei LiaoErst vor kurzem ist Novana nach Taipei gezogen, obwohl ihr Mandarin noch immer nicht perfekt ist. Ihre Mutter, die Künstlerin March, stammt zwar aus Taiwan, hat sie aber vor langer Zeit verlassen – ein Trauma, das Novana noch immer mit sich herumschleppt und das sie schließlich aus Deutschland vertrieben hat. Der geplante Neuanfang scheitert, als sie plötzlich vor einem Plakat von March steht, die in einer Ausstellung ihre Entscheidung thematisiert, sich den Uterus entfernen zu lassen. Novana wird von ihrer Kindheit eingeholt und droht, sich zu verlieren – doch vielleicht kann Sihan, die gegen die Vereinnahmung Taiwans durch die Volksrepublik China kämpft, sie retten.

In „Glaszeit“ führt Leh-Wei Liao scheinbar unverbundene Themenkomplexe auf filigrane Art zusammen: eine toxische Mutter-Tochter-Beziehung, die Rollen der Kunst und der Sprache, die politische Lage Taiwans, eine queere Liebesgeschichte – und eine Menge medizinisches Fachwissen, denn Novana arbeitet in einer Klinik in der Abteilung für zu früh geborene Kinder. Vieles ist dabei autobiografisch inspiriert, denn auch Liao ist Ärztin und studiert momentan Bildende Kunst. Es ist die Fülle an spezifischen Details, die ihrem Debütroman seine Kraft verleiht und durchaus auch fordernd sein kann – so werden viele Passagen auf Chinesisch nicht direkt übersetzt, und die medizinischen Prozeduren im Krankenhaus bleiben für Laien unverständlich. Doch genau diese Entscheidungen lassen uns Novanas Gedanken und Gefühle umso intensiver miterleben und jeden einzelnen Satz, jedes einzelne Wort umso bedeutsamer erscheinen. Das Ergebnis ist eine intellektuelle und emotionale Herausforderung, die sich absolut lohnt.

Luchterhand, 2026, 288 S., 24 Euro

1. Karosh Taha: Gulistan

Buchcover „Gulistan“ von Karosh Taha„Er hatte zwei Persönlichkeiten.“ Das sagt Ala Bashir, Saddam Husseins Leibarzt, in einem Interview über den Diktator. Karosh Taha nimmt die Aussage aus dem Gespräch, das sie zwischen den Kapiteln von „Gulistan“ immer wieder zitiert, zum Ausgangspunkt ihres neuen Romans. Darin verschwindet Gulistans Ehemann, der Schneider Çîya, plötzlich spurlos. Leider keine große Überraschung, denn als Kurd:innen werden sie vom irakischen Regime erbarmungslos verfolgt. Trotzdem sucht sie unermüdlich nach ihm, bis sie glaubt, ihn erkannt zu haben: in Saddam Hussein selbst. Ist ihr Mann zum Doppelgänger des Diktators gemacht worden, um den Paranoiden vor der Ermordung zu schützen? Obwohl sie für verrückt erklärt, inhaftiert und gefoltert wird, hört Gulistan nicht auf, die unglaubliche Wahrheit zu verkünden.

Tahas Roman steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, und es ist leicht zu verstehen, warum: Sie hat für „Gulistan“ eine völlig eigene Sprache gefunden, die das Leben in einem so gewalttätigen wie absurden System sichtbar und fühlbar macht. Ob sie jede Wortdopplung des Arztes detailgetreu mitschreibt, Gulistans nervöses Stottern durch Leerzeichen und Umbrüche abbildet oder die Sätze zweier sich unterhaltender Personen ineinander verschiebt, jedes Experiment dient dem Zweck, eine Realität einzufangen, die letzten Endes unerträglich ist. Dazu kommen die assoziativen Bilder und poetischen Metaphern, die Gulistans Kopf entspringen und uns oft in langen Sätzen ohne Kommas entgegengeschleudert werden. Im letzten Kapitel erzählt Taha gar zwei Handlungsstränge gleichzeitig, einen oben und einen unten auf der Seite. Das ist durchaus sperrig und verlangt eine Menge Konzentration, doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer selten intensiven Schilderung des Lebens unter einer Gewaltherrschaft belohnt. Und mit einem Buch, das viel länger und tiefer ist, als seine 160 Seiten vermuten lassen.

Dumont, 2026, 160 S., 24 Euro

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Bücher im August 2026!

 

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