Goodbye, Honeysuckle von TAYARI JONES
Anhand des Schicksals zweier Frauenfiguren zeichnet Tayari Jones in „Goodbye, Honeysuckle“ ein lebendiges wie beklemmendes Porträt Schwarzen Lebens in den Südstaaten der 60er-Jahre.

„Goodbye, Honeysuckle“ von Tayari Jones ist unsere Buchempfehlung der Woche
Honeysuckle ist die Art von Ort, den alle jungen Leute irgendwann verlassen wollen. Doch es ist Annie, die zuerst aus dem Kaff in Louisiana abhaut – ohne ihrer besten Freundin Niecy bescheid zu sagen. Beide verbindet, dass sie sich nicht an ihre Mütter erinnern können, doch wo Niecys Mutter von ihrem Vater ermordet wurde, ist Annies kurz nach ihrer Geburt davongelaufen – und sie träumt davon, sie eines Tages zu finden. Während Annies verzweifelte Suche sie als Barkeeperin nach Memphis führt, schafft es Niecy, am Spelman College in Atlanta aufgenommen zu werden. Hier kommt sie in Kontakt mit der Bürgerrechtsbewegung und mit dem Spross einer wohlhabenden Familie, der um ihre Hand anhält. Doch obwohl die beiden Freundinnen räumlich getrennt sind, kann das Band zwischen ihnen durch nichts zerstört werden.
Tayari Jones erzählt abwechselnd aus Niecys und Annies Perspektive und schafft zwei Frauenfiguren, die eine innere Leerstelle teilen, doch zugleich völlig unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Anhand ihrer Schicksale zeichnet sie zudem ein so lebendiges wie beklemmendes Porträt Schwarzen Lebens in den Südstaaten der 60er-Jahre, die von Segregation und Armut geprägt sind. Dass Oprah Winfrey und Barack Obama zu den Fans des Romans gehören, ist insofern nicht weiter überraschend. Allerdings gelingt es der Autorin nicht immer, den roten Faden im Auge zu behalten, sodass sich manche Sprünge in Perspektive und Handlung willkürlich anfühlen – ebenso wie die Wechsel zwischen leichtfüßigen, humorvollen Momenten und unerwartet tragischen Wendungen. Zum Schluss wirken die unterschiedlichen Schicksale ihrer Heldinnen dadurch weniger poetisch vorherbestimmt, als sie womöglich beabsichtigt hat.
Mit „Goodbye, Honeysuckle“ hat es Tayari Jones auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026 geschafft.

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