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Literatur

Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den November

Ab auf die Lesecouch: Die besten Bücher im November 2026 mit Mareike Fallwickl, Valeria Gordeev und John Green

Die besten Bücher im November 2026: Buchcover von Valeria Gordeev, Mareike Fallwickl, John Green, Lars Becker, Alexandra Stahl und Sven Hillenkamp

In ihrem Romandebüt erschafft Valeria Gordeev einen irrwitzigen Bildersturm, der quer durch Europa fegt. „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ hat es bis auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft – doch wie weit kommt der Debütroman auf unserer Liste der besten Bücher im November 2026? Natürlich steht auch Mareike Fallwickl auf unserer Liste der besten Bücher im November 2026: Mit „Haltet euch fest“ überwindet sie die Kernfamilie und sucht nach alternativen und vor allem gewaltfreien Formen des Zusammenlebens. Bei Lars Becker fliehen zwei Tote aus der Unterwelt nach Berlin, und mit „Es wird Steine regnen“ geht auch er auf unserer Liste der besten Bücher im November 2026 ins Rennen.

Vielleicht steht aber auch ein ganz und gar eigenwilliges Psychogramm auf unserer Liste der besten Bücher im November 2026 ganz oben: Sven Hillenkamp schreibt in „Erde“ aus der Sicht eines Menschen, der keinen Zugang zur eigenen Psyche hat. Ganz anders Alexandra Stahl: Ihre Protagonistin entscheidet sich nach dem Tod des Großvaters, als Freiwillige in einem Berliner Seniorenheim zu arbeiten. Führt „Tschikago“ unsere Liste der besten Bücher im November 2026 an? Und natürlich zählt John Green zu den Favoriten, immerhin hat er bereits Bestseller wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ im Köcher. Mit „Hollywood, Ending“ veröffentlicht er seinen ersten Roman für Erwachsene und will auf unserer Liste der besten Bücher im November 2026 natürlich hoch hinaus.

Die besten Bücher im November 2026

6. Sven Hillenkamp: Erde

Die besten Bücher im November 2026: Buchcover „Erde“ von Sven HillenkampJan ist elf, als seine Mutter stirbt. Doch schon davor haben ihn ihre Probleme, ihre Affären, ihre instabile Liebe für immer geprägt. Nach dem Tod der Mutter lässt der Vater ihm alles durchgehen, während er der Stiefmutter nichts recht machen kann. Jans Leben wird zu einer endlosen Suche nach Zugehörigkeit: in den Armen fremder Frauen, in brüchigen Freundschaften, in politischem Aktivismus. Doch etwas steht immer im Weg, Jan schafft es nicht, seine wahren, tiefsten Wunden zu konfrontieren. Sven Hillenkamp schreibt in „Erde“ aus der Sicht eines Menschen, der keinen Zugang zur eigenen Psyche hat. Oft in simplen Hauptsätzen oder nüchternen Aufzählungen, in scheinbar emotionslosen Schilderungen von Begebenheiten, nur um dann wieder extrem explizit zu werden, wenn Jan wieder in eine Krise rutscht. Sein Leben ist eine einzige Gegenwart, weil er keine Zusammenhänge zwischen verschiedenen Lebensabschnitten herstellen kann. Nur stellenweise schimmert der erwachsen gewordene Erzähler als einordnende Instanz durch. Die Wiederholungen entwickeln einen hypnotischen, melancholischen Sog, der nicht nur die Hauptfigur mit sich mitreißt, sondern auch die Lesenden.

Klett-Cotta, 2026, 176 S., 24 Euro

5. Alexandra Stahl: Tschikago

Buchcover „Tschikago“ von Alexandra Stahl„Frangfodd is schlimmer als Tschikago!“, warnt in Alexandra Stahls Buch „Tschikago“ der Großvater, der fast Amerikaner geworden wäre, aber doch Elektriker in Unterfranken blieb. Bei ihm und der Großmutter wächst die Ich-Erzählerin auf. Letztere hat es mit Katzen und Puppen, der Großvater hält sich an Steckdosen und Kabel. Auch wenn die beiden zanken wie Laurel und Hardy – sie verbindet diese spezielle Art von Liebe, die siebenundfünfzig Jahre hält. Als der Großvater stirbt, beginnt die Erzählerin als Freiwillige in einem Berliner Seniorenheim – ohne zu ahnen, wie sehr ihre alte und ihre neue Welt zusammengehören … Das nunmehr fünfte Buch der Wahlberlinerin Stahl, ein Memoir, zeichnet sich weniger durch sprachliche Vergoldung aus als durch eine gekonnte Annäherung an das Wesen der Erinnerung an sich. Nur lose chronologisch – hier fragmentiert, dort kreisend, woanders Jahrzehnte kürzend und Nachmittage dehnend – und trotzdem nie umständlich zeigt die Autorin, wie nah Komik und Schuld, Biederkeit und Hoffnung beieinander liegen müssen, damit hinterher gesagt werden kann: Da war ein Mensch.

Claassen, 2026, 272 S., 25 Euro

4. Lars Becker: Es wird Steine regnen

Buchcover „Es wird Steine regnen“ von Lars BeckerOb als Regisseur, Drehbuchschreiber oder Autor von zwei Romanen aus den 90ern – Lars Becker wird dank Filmen wie „Kanak Attack“ oder Fernsehreihen wie „Der gute Bulle“ fest mit einem einzigen Genre assoziiert: dem Krimi. Und auch sein neues Buch „Es wird Steine regnen“ hat viel von einem Kriminalroman – nur greift diese Beschreibung viel zu kurz, hat Becker doch eine einzigartige Kombination aus SciFi, Urban Fantasy und Thriller geschaffen, die wie nebenbei eine der größten Fragen überhaupt beantwortet: Was kommt nach dem Tod?

In der Welt des Romans ist das Jenseits gar nicht mal so weit weg, gerade mal drei Kilometer unter der Erdoberfläche. Wer stirbt, kann dort ziemlich normal weiterleben, nur ohne Sonnenlicht und mit deutlich verlängerter Lebensspanne. Doch Terrapolis ist für viele Bürger:innen, die sich durch tropische Hitze und lichtlose, weltumspannende Tunnel quälen, mehr Hölle als Himmel. So wie für den kommunistischen Arbeiter, der sicher nicht zufällig Dante Palazzo heißt, und den Ex-Gangster Majid Ramzy. Gemeinsam fliehen sie nach oben, was nicht nur streng verboten, sondern ohne das seltene Blaue Serum auch tödlich ist. Das totalitäre System schickt sofort ein Killerkommando hinterher, muss sich aber gleichzeitig auch noch mit einem Terroristen herumschlagen, der droht, einen Zug in die Luft zu sprengen. Derweil landen Dante und Majid in Berlin, wo nicht nur Majids Ex Mona, sondern auch der Polizist warten, der ihn einst unter die Erde gebracht hat …

Den atemlosen Thrillerplot, das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gangstern, korrupten Cops und Unterwelt-Spezialeinheit spult Krimi-Veteran Becker mit erwarteter Souveränität ab. Ungewöhnlicher ist das detaillierte Worldbuilding von Terrapolis: die unterweltliche Wirtschaft, die internationale Community aus Ex-Soldat:innen und -Spezialagent:innen, die grünen Vulkanpapageien, das rote Wasser. All das ist mit so viel Liebe gezeichnet, dass man gern noch mehr Zeit in dieser anderen Welt verbringen möchte, die am ehesten noch an die Jugendbuchreihe „Artemis Fowl“ erinnert. Insofern ist es fast schade, dass Becker den emotionalen Showdown auf der Oberfläche verortet. Hier trifft nicht nur Majid Mona wieder, sondern auch Dante seinen Sohn, der sich nicht an ihn erinnert. Und dann ist da noch Lorraine, die Polizistin, die nach den beiden fahndet und gleichzeitig gegen ihren Kollegen Düül ermittelt. Der wiederum hat nicht nur Majid, sondern auch den Vorzeige-Ermittler Luka auf dem Gewissen. Luka war Lorraines Mann – und er ist es, der von Terrapolis mit der Verfolgung von Dante und Majid beauftragt wird.

Dieses komplexe Geflecht aus Beziehungen und Verbrechen könnte verwirren, doch Beckers Tempo ist so rasant, dass dafür gar keine Zeit bleibt. Leider sorgt es auch dafür, dass nur selten wirklich emotionale Momente aufkommen. Die größeren Implikationen, die fundamentalen Fragen, die sich durch die Prämisse ergeben, verkommen damit zur Kulisse für eine Verfolgungsjagd, die durch das übernatürliche Element nicht wirklich gewinnt. Dante und Majid könnten statt aus Terrapolis auch aus einem Hochsicherheitsgefängnis entkommen sein, ohne dass das allzu viel verändern würde. Das macht „Es wird Steine regnen“ nicht weniger unterhaltsam oder spannend –  riecht aber trotzdem ein wenig nach verpasster Gelegenheit. Wer weiß, ob Becker bereits an einer Fortsetzung arbeitet, Material hätte er jedenfalls mehr als genug. Wenn tatsächlich irgendwann ein zweiter Band folgt, steht unser Wunsch fest: nächstes Mal noch mehr Unterwelt, bitte!

Rowohlt Berlin, 2026, 352 S., 25 Euro

TOP 3

3. John Green: Hollywood, Ending

Die besten Bücher im November 2026: Buchcover „Hollywood, Ending“ von John GreenSchauen Sie mal da oben, Zitate von Caroline Wahl werden nun schon nicht mehr wie üblich auf den Buchrücken geklatscht, ihr Blurb landet gleich mal auf der Vorderseite. Und in gewisser Weise funktioniert das ja auch, denn plötzlich wollte ich unbedingt wissen, wer denn noch mal dieser John Green ist. Ach ja: „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“, etliche Verfilmungen, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen. Nun schreibt der US-Bestsellerautor also offiziell Bücher für Erwachsene, denn die Protagonist:innen von „Hollywood, Ending“ sind schon 21! Neugierig bin ich TROTZ der Wahl-Schwärmerei, deren aktuellen Roman ich gar nicht mehr gelesen habe, wohl aber all die nervigen Interviews dazu. Indem der Roman am Set eines Andy-Warhol-Biopics spielt, trotz Green der allgegenwärtigen Social-Media-Kritik tatsächlich noch originelle Gedanken ab. Und an die beiden Jungschauspieler:innen Kai und Juniper haben ich schon nach wenigen Seiten mein Herz verloren. Auch, weil sie wie seine jugendlichen Figuren zuvor ihre Kindheitstrauma zu verarbeiten haben. Ungern gebe ich zu, ich stehe da an der Seite von Caroline Wahl und liebe diese Liebesgeschichte auch.

Hanser, 2026, 368 S., 26 Euro

Aus d. Engl. v. Sophie Zeitz

2. Mareike Fallwickl: Haltet euch fest

Buchcover „Haltet euch fest“ von Mareike FallwicklZwei von ihren Männern misshandelte Frauen bauen Ende der 70er-Jahre im Umland von Berlin ein Haus. Daraus erwächst eine offene, dynamische Großfamilie mit Kindern. Vor allem ist das Haus frei von patriarchalischen Machtstrukturen, denn heterosexuelle Cis-Männer gibt es dort keine. Fallwickl schafft es, die Mitbewohner:innen des Hauses so konkret und lebendig zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, mitten im Getümmel der Wohnküche zu stehen. In diesem utopischen Nest wächst Luzia auf. Die Lesenden begleiten sie und ihre Freundin Merle dabei, wie sie auf unterschiedliche Arten das Leben bestreiten. Luzias weicher und wertfreier Blick auf die Welt ist bewundernswert. Sie hat kaum romantische Intentionen, vielmehr sind platonische Liebesbeziehungen ihr Lebensmittelpunkt, die sie genauso ernst nimmt wie romantische Beziehungen: Sie planen ihre Zukunft, wohnen zusammen, sind einander primäre Bezugspersonen, kuscheln, teilen Finanzen und schlafen nebeneinander. Um eine Prise schmerzhaften Realismus reinzubringen, gibt es aber eben auch Marle, die ihr ganzes Leben von Männern enttäuscht wird. Für die Lesenden ergänzen sich Marle und Luzia perfekt: Während mit der einen der Schmerz illustriert wird, von Männern abhängig zu sein, inspiriert die andere dazu, Wege zu finden, damit umzugehen. Es ist sehr heilend, zu lesen, wie verletzlich und unsicher Fallwickl die beiden Figuren zeigt. Auch die Dialoge, die patriarchale und auf Kleinfamilien zugeschnittene Gesellschaften hinterfragen, sind keinesfalls trocken oder belehrend, sondern einfach bereichernd.

Alle Cis-Männer, die vorkommen, sind sexistische Arschlöcher. Ist es fair, dass Fallwickl sie damit über einen Kamm schert? Oder gleitet sie gar in den Heterofatalismus ab? Ja, das Buch hat einen radikalen Unterton, aber das ist eine nur angemessene Reaktion auf die patriarchale Gewalt, der Frauen tagtäglich in ihrem eigenen Zuhause ausgesetzt sind. Fallwickls Roman ist ein Appell, dass alternative und vor allem gesündere Formen des Zusammenlebens möglich sind, wenn wir nur den Mut zur Veränderung haben. Vielleicht ist ein Gespräch mit einer guten Freundin ja schon ein Anfang.

Rowohlt Hundert Augen, 2026, 432 S., 24 Euro

1. Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle

Buchcover „Die Zikade entschlüft ihrer goldglänzenden Hülle“ von Valeria GordeevDen Deutschen Buchpreis hat Valeria Gordeev am Ende nicht gewonnen. Vielleicht, weil ihr Roman dann doch nicht ganz in den Zeitgeist passt. Oder doch irgendwie, aber nicht auf die gewohnte Art. Zwar geht es auch in „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ um hochaktuelle Themen wie Migrationserfahrungen, Krieg in Europa und die Berliner Wohnungsnot. Aber sie sind für die Autorin nur Teil eines wahnwitzigen, überschwappenden Erzählstroms, der beim fortschreitenden Lesen immer schneller um sich selbst kreist. Was genau sich im Auge dieses Sturms befindet, ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Klar, irgendwie geht es um Lada, etwas ziellos in Berlin lebend, in einem Haus, das zur Endlosbaustelle geworden ist. Und um ihren deutlich älteren Bruder Konstantin, der kürzlich nach Moskau gezogen und dort im Lenin-Mausoleum angestellt ist. Eigentlich arbeiten aber beide Geschwister heimlich für ihren superreichen Onkel Boris, für den sie Objekte beschaffen und nach Deutschland schmuggeln – nur wissen sie gar nichts von dieser Gemeinsamkeit, denn sie haben keinen Kontakt mehr. Im Mausoleum geht es natürlich darum, die Leiche Lenins möglichst lange zu konservieren, und verschiedene Akteure erhoffen sich dadurch Hinweise darauf, wie man auch das Leben an sich verlängern könnte. Zugleich sieht eine mysteriöse Sekte darin einen Affront gegen Gott, und später spuken gar Gespenster und Roboter durch die Seiten, während die russische Politik eine ungeahnte Wendung nimmt.

So viel zum roten Faden, den Gordeev mit hyperrealistischen Details, allerhand Nebenschauplätzen und -figuren, sprachlichen Spielen und Illustrationen ausschmückt. Mitdenken ist unbedingt erforderlich, wenn sich hier zurechtgefunden werden soll, doch von Seite zu Seite, Satz zu Satz ist das niemals anstrengend, oft sogar sehr komisch. Hochtrabende Vergleiche sind bei einem solchen Buch nie fern: Bulgakow und Kafka liegen nahe, doch in der reinen Experimentierfreude und der zyklischen Struktur ist die Referenz, die sich am meisten aufdrängt, tatsächlich David Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“ – ein Buch, das literarische Epoche gemacht hat. Ob das Gordeev auch gelingt, wird sich zeigen. Fest steht schon jetzt: Einen Roman wie diesen hat es im Deutschen noch nicht gegeben.

S. Fischer, 2026, 640 S., 26 Euro

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Bücher im Oktober 2026!

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