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Literatur

Die besten Bücher 2026: Empfehlungen für den Oktober

Unsere Tipps im Buchmessenmonat: Die besten Bücher im Oktober 2026 mit Dana Vowinckel, Max Czollek und Franziska Gänsler.

Die besten Bücher im Oktober 2026: Buchcover von Dana Vowinckel, Franziska Gänsler, Max Czollek, Jarka Kubsova, Marie Verse, und Alice Alice Horáčkova

Ein Roman, der sich auch als Geschichtsbuch lesen lässt: Alice Horáčkova folgt dem Schicksal eines Dorfs im Riesengebirge durch ein halbes Jahrhundert. Aber wie erfolgreich ist „Geteiltes Haus“ auf unserer Liste der besten Bücher im Oktober 2026? Im Buchmessenmonat ist eine weitere Autorin aus Tschechien auf unserer Liste der besten Bücher im Oktober 2026 vertreten: Mit „Im Licht des neuen Tages“ arbeitet sich Jarka Kubsova am tschechischen Klassiker schlechthin ab – und schreibt nebenbei ihr eigenes Märchen. Oder steht Max Czollek auf unserer Liste der besten Bücher im Oktober 2026 ganz oben? In seinem Debütroman „Zweifelssohn“ schickt er seinen Protagonisten durch Deutschland – auf den Spuren von Propheten wie Jeremia und Hunter S. Thompson.

Zwei Bücher von der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2026 haben es auch auf unsere Liste der besten Bücher im Oktober 2026 geschafft. Der intensive und zugleich unterhaltsame Roman „Orca“ von Franziska Gänsler konfrontiert die Lesenden mit einer Endzeitstimmung, die genau unsere Realität der vergangenen Jahre widerspiegelt: Lockdown, Hitze, Überschwemmung, Sitzblockaden, Polizeigewalt. Oder steht Dana Vowinckel mit ihrer deutsch-jüdischen Liebesgeschichte „Anton und Alma“ auf der Liste mit den besten Büchern im Oktober 2026 ganz oben? Es geht darum, ob Anton und Alma beieinander sein können – und parallel wird mit Themen wie Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Polarisierung unsere Gegenwart vermessen. Und auch ein spannendes Debüt ist auf unserer Liste der besten Bücher im Oktober 2026 dabei: In „Triccs“ von Marie Verse geht es um Queerness im Frauenfüßball.

Die besten Bücher im Oktober 2026

6. Alice Horáčkova: Geteiltes Haus

Die besten Bücher im Oktober 2026: Buchcover „Geteiltes Haus“ von Alice HoráčkovaIm Zentrum von allem steht der Ort Benetzko im Sudetenland, auf Tschechisch Benecko genannt. Das ist keine Haarspalterei, sondern ein Schlüssel zu Alice Horáčkovas Roman, an dessen Ende die Autorin alle erwähnten Städte und Dörfer zweisprachig listet. Denn „Geteiltes Haus“ handelt von einem Ort, der zwischen deutscher und tschechischer Identität zerrissen ist. Hier werden die Freundinnen Zdenka und Anežka noch unter der K.-u.-k.-Monarchie geboren, doch nach einem relativ geruhsamen Anfang wird ihr Leben von zwei Weltkriegen, drei Republiken und zahllosen politischen Wirren bestimmt sein – und von schlechten Entscheidungen. Beide Frauen heiraten einen Sohn der deutschen Familie Hollmann, doch während Zdenkas Mann Vinzenz als jähzorniger Soldat nach seinem Vater kommt, fällt der geschäftstüchtige Hans immer auf die Füße. Nazis werden später beide …

Horáčkova arbeitet mit breiten Pinselstrichen und kurzen, oft nur wenigen Seiten langen Kapiteln. Häufig vergehen Monate oder gar Jahre, bis wir einer Figur erneut begegnen. Für tiefenpsychologische AuseinandersetzungMaxen bleibt da keine Zeit, stattdessen formt die Autorin die meisten Charaktere um einzelne, stark ausgeprägte Eigenschaften und wiederkehrende Motive. Als Familienroman erinnert „Geteiltes Haus“ damit weniger an Mann als an Márquez – nur ohne den magischen Realismus. Dafür mit jeder Menge historischem Realismus, denn als Vorbild diente Horáčkova die oft nur fragmentarisch erhaltene Geschichte ihrer eigenen Familie. Wenn „Geteiltes Haus“ überhaupt eine Hauptfigur hat, ist es kein Mensch, sondern Benetzko. Ein Ort, dessen deutscher Wikipedia-Artikel nur etwa 200 Wörter umfasst, dem Horáčkova jedoch fast 900 Seiten widmet, auch wenn spätere Kapitel ihre Figuren bis nach Prag verschlagen. Am Ende bleibt das Gefühl, das Dorf und seine Bewohner:innen wirklich zu kennen – zumindest so gut, wie man seine eigenen Urgroßeltern kennt.

Diogenes, 2026, 880 S., 28 Euro

Aus d. Teschech. v. Sophia Marzolff

5. Max Czollek: Zweifelssohn

Buchcover „Zweifelssohn“ von Max CzollekSeit fast zwei Jahrzehnten ist Max Czollek schriftstellerisch aktiv, hat Artikel, Essays, Gedichte veröffentlicht. Und nun also seinen ersten Roman, doch ganz zeitgeistlich ist „Zweifelssohn“ – so zumindest der Verdacht beim Lesen – ziemlich autofiktional. Der Protagonist – „wie Mendelssohn, aber mit Zweifel“ – wohnt in Berlin, ist auf dieselbe Schule gegangen wie Czollek und verzweifelt über den Zustand der Welt und insbesondere Deutschlands. Dank einer mysteriösen Krankheit, die er Jeremiasyndrom getauft hat, sieht er allerorten die Risse in der Fassade, die Leichen und Trümmer, auf denen Deutschland gebaut ist. Um sich zu kurieren, tritt er eine Reise an, die in Wien beginnt und ihn kreuz und quer durch Deutschland führt.

Die Orte und Figuren, denen Zweifelssohn begegnet, sind dabei vor allem Sprungbretter für Czolleks Gegenwartsanalysen, die sich durchweg poetisch und pointiert lesen. „Zweifelssohn“ ist ein dichtes Buch mit hohem Über- und tiefem Unterbau: In den Kapitelüberschriften wird der Roman konsequent als „Das Buch Zweifelssohn“ bezeichnet, als Anspielung auf den Tanach, auch wenn die Hauptfigur sich dagegen wehrt, ein Prophet zu sein. Zugleich häufen sich in ihrer Odyssee Anleihen bei der Popkultur von „Faserland“ bis „Fear and Loathing in Las Vegas“, die Zweifelssohn selbst auffallen. Doch Czollek bleibt viel abstrakter, was dem Roman als Roman schadet, denn seine Weigerung, uns Details über die Figuren zu verraten – Was macht Zweifelssohn beruflich? Wie heißt er mit Vornamen? Wie seine Freundin, die nur als Be bezeichnet wird? – macht es schwer, sich für die Handlung zu interessieren. Fast fragt man sich, ob „Zweifelssohn“ nicht als Essaysammlung besser funktioniert hätte. Denn wann immer die Hauptfigur über die Weltlage sinniert, ob es um Entnazifizierung geht, um Israel, um die 68er-Bewegung oder die DDR, sind diese Gedanken so hellsichtig und emphatisch, wie man es gewohnt ist. Nur eben von Max Czollek, nicht von Zweifelssohn.

Tropen, 2026, 206 S., 22 Euro

4. Marie Verse: Triccs

Buchcover „Triccs“ von Marie VerseDie Protagonistinnen von Marie Verses Debüt „Triccs“ sind Schwestern, gehen viermal pro Woche gemeinsam zum Training und stehen am Wochenende für Punktspiele auf dem Platz. Ihr Ziel scheint klar: Eines Tages wollen sie Profifußballerinnen werden. Doch immer mehr beginnt die Ältere zu zweifeln. Ist Fußball wirklich alles im Leben? Als sie immer stärkere Gefühle für ihre Trainerin entwickelt, beginnt für sie plötzlich ein Spiel mit ganz neuen Regeln … Mit vielen nüchternen Sätzen, die, von weiter weg betrachtet, ein höchst empathisches Ganzes ergeben, erzählt Marie Verse 90 Minuten lag eine Schwesternschaft voller Pflaster, Spucke, Leder – und Liebe. Dabei setzt ihr Debüt einen willkommenen Kontrapunkt zu der Stangenware der spicy Sportromanzen wie sie im Netz haufenweise angeboten werden und so anstößige Titel tragen wie „Balls Out“ oder „Zwischen Tränen, Fußball und Höschen“. So ist „Triccs“ ein markiges erstes Buch, in dem sprachlich zwar wenig experimentiert, dafür aber viel gekonnt wird. In dem der Fußball nicht nur Kulisse ist, sondern ganz Charakter wird.

Leykam, 2026, 256 S., 25,50 Euro

TOP 3

3. Jarka Kubsova: Im Licht des neuen Tages

Die besten Bücher im Oktober 2026: Buchcover „Im Licht des neuen Tages“ von Jarka KubsovaIn Deutschland kennt man von Božena Nĕmcová wohl am ehesten die Adaption ihres Märchens „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die alljährlich an Weihnachten geschaut wird. Doch in Tschechien ist ihr autobiografischer Roman „Die Großmutter“ ein absoluter Klassiker, das Tal, in dem Autorin ihre Kindheit verbrachte, ein beliebter Pilgerort. Dorthin reist auch Elli Hajek, selbst Schriftstellerin mit Schreibblockade, um wieder zu sich selbst zu finden. Und vielleicht mehr als das, denn besonders angetan hat es ihr Nĕmcovás Figur Viktorka, eine Frau, die in „Die Großmutter“ als verwilderte, verzweifelte Frau geschildert wird, die im Wald lebt. Als Elli erfährt, dass es Viktorka wirklich gegeben hat, will sie der Wahrheit hinter der Geschichte auf den Grund kommen. Zugleich hofft sie, damit den Verlust ihrer eigenen Großmutter zu überwinden, die sie als Kind zurücklassen musste, als sie mit ihren Eltern aus der Tschechoslowakei floh. Doch im tschechischen Wald ist nicht alles so, wie es scheint …

Jarka Kubsovas dritter Roman ist ein ungewöhnliches Hybrid zwischen Künstlerroman, Psychogramm, historischer Fiktion und postmodernem Experiment. Was zumeist chronologisch und aus der Sicht ihrer Ich-Erzählerin geschildert wird, kann beim zweiten Blick verwirren: Manchmal schauen wir Elli über die Schulter, während sie Nĕmcovás Buch liest, manchmal stellen wir uns mit ihr vor, was im Kopf der echten Viktorka vor sich ging, dann wieder sind wir direkt in ihrem Kopf. Denn nach und nach stellt Elli fest, dass die Legenden, die über Viktorka erzählt werden, mehr mit dem Patriarchat des 19. Jahrhunderts zu tun haben, als vielen Nĕmcová-Leser:innen klar sein dürfte. „Im Licht des neuen Tages“ ist damit auch eine feministische Abarbeitung an einem Klassiker – und zugleich eine Liebeserklärung an Nĕmcová und ihre Bücher. Auch an Märchen wie „Aschenbrödel“, denn Elli erlebt im Wald durchaus Unerklärliches und Magisches. Also: nicht bis Weihnachten warten, sondern mit dem Lesen anfangen! Gemütlich genug ist es ja schon jetzt.

S. Fischer, 2026, 304 S., 24 Euro

2. Franziska Gänsler: Orca

Buchcover „Orca“ von Franziska GänslerDie Welt in einer deutschen Kleinstadt steht still, während eine intensive Freundschaft zwischen zwei jungen Frauen entflammt: Cora und Olympia. Zusammen geraten sie in ein Selbstversorgerhaus, in dem sich junge Menschen aufgrund der Klimakrise radikalisieren und gegen die Apokalypse wappnen. Cora will unbedingt Teil davon sein, vor allem weil sie Olympia nicht verlieren will, für die ihr Leben als Außenseiterin mit dem neuen Bezugsort endlich beendet ist. Eindrücklich beschreibt Franziska Gäsler die Verbindung zwischen dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und politischem Aktivismus, der in gewaltvoller Selbstjustiz mündet. Es geht um die Suche nach Gerechtigkeit und politischer Selbstwirksamkeit, denn Gänsler schafft ein Abbild unserer Welt, die nicht mehr zukunftsfähig ist. Gleichzeitig wirft sie implizit aber auch moralische Fragen auf: Zu welchen Mitteln darf man greifen, um das zerstörerische System umzukehren oder zumindest zu stören? „Orca“ zeichnet sich durch die Intensität des Inhalts aus, der extrem gut durchdacht ist, ohne einen dabei zu erdrücken. Bis zum Schluss bleibt der Roman intensiv und unterhaltsam und konfrontiert die Lesenden mit einer Endzeitstimmung, die genau unsere Realität der vergangenen Jahre widerspiegelt: Lockdown, Hitze, Überschwemmung, Sitzblockaden, Polizeigewalt. Immer geht es auch um soziale Ungleichheit, die durch die Klimakrise nur noch verstärkt wird. So sensibilisiert Franziska Gänsler für den Ist-Zustand der Welt und schockiert auf eine sehr unaufdringliche Art.

Kein & Aber, 2026, 368 S., 25 Euro

1. Dana Vowinckel: Anton und Alma

Buchcover „Anton und Alma“ von Dana VowinckelSie hat es verdient, am 5. Oktober bei der Messe in Frankfurt mit dem Deutschen Buchpreis 2026 ausgezeichnet zu werden: Zunächst einmal ist der zweite Roman von Dana Vowinckel eine kluge und schmerzlich-schöne Liebesgeschichte. Anton ist Jude und in einer kosmopolitischen Intellektuellenfamilie in Schöneberg aufgewachsen. Alma kommt vom Osterberliner Stadtrand, sie hat Tätervorfahren und ist die Erste aus ihrer Familie, die studiert. Die beiden streiten viel, trennen sich und kommen wieder zusammen. Dann geht Anton nach New York, um dort seine Masterarbreit zu schreiben. Das Thema: die Chasaren, ein nomadisches Volk auf dem Kaukasus, das im 8. Jahrhundert den jüdischen Glauben angenommen haben soll. Alma sucht in dieser einsamen Zeit nach Halt in Antons Gemeinde und überlegt, zum Judentum zu konvertieren. Es geht darum, ob Anton und Alma beieinander sein können – und parallel wird mit Themen wie Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Polarisierung unsere Gegenwart vermessen.

Suhrkamp, 2026, 542 S., 26 Euro

Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026!

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