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Die besten Krimis 2022: Empfehlungen für den Januar

Die besten Krimis im Januar 2022: Buchcover von Attica Locke, Candice Fox, Till Raether und Pieke Biermann

Spannender kann das Jahr nicht beginnen: Die besten Krimis im Januar 2022 mit Candice Fox, Attica Locke und Till Raether.

Neues Jahr, neue Krimibestenliste – und 2022 beginnt hochkarätig. Hat Candice Fox die Formel für den perfekten Thriller gefunden? In ihrem neuen Roman „606“ lässt sie gleich 606 Verbrecher von der Leine – und das sollte ihr mindestens einen Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Krimis im Januar 2022 einbringen. Doch muss sie gegen Till Rather antreten, der mit „Danowski: Hausbruch“ den sechsten Band seiner Danowski-Reihe vorlegt. Und da ist auch noch „Black Water Rising“ von Attica Locke. Mit nur wenigen Veröffentlichungen ist sie zu einer der wichtigsten Stimmen der afroamerikanischen Gegenwartsliteratur geworden, denn Lockes filmisch inszenierte, packende Kriminalromane sind zugleich auch scharfe politische Gesellschaftsanalysen der USA. Vielleicht macht aber auch Pieke Biermann das Rennen auf unserer Liste der besten Krimis im Januar 2022. Ihre vier Einzelbände „Potsdamer Ableben“, „Violetta“, „Herzrasen“ und „Vier, fünf, sechs“ sind bereits zwischen 1987 und 1997 erschienen – und längst vergriffen. Doch jetzt gibt es die Romane um Hauptkommissarin Karin Lietze als prunkvolle Neuausgabe: „Das Berlin-Quartett“ erscheint als Schuber.

Die besten Krimis im Januar 2022

4. Till Raether: Danowski: Hausbruch

Die besten Krimis im Januar 2022: „Danowski: Hausbruch“ von <a href=Till Raether“ width=“193″ height=“300″ />„Ich – Polizei = Adam Danowski. Adam Danowski – Ich = Polizei. Adam Danowski – Polizei = Ich. Ich = ???“ Kriminalkommissar Adam Danowski stellt Gleichungen auf – und damit sich selbst die Frage, wer er eigentlich ist. Nach einer traumatischen Geiselnahme hat man ihn zum Runterkommen in einer Kurklinik geparkt. Dort lässt er sich bei der Bewegungstherapie treiben, starrt auf die graue Ostsee, entdeckt, dass sein Kapuzenpulli eine Kapuze hat und hilft, einen Mord zu vertuschen. Ist das noch Burnout oder schon Selbstjustiz? Mit dem sechsten Band seiner Danowski-Reihe legt Till Raether seinen dienstmüden Ermittler auf die Therapie-Couch und hinterfragt, ob eine Krimiserie wirklich noch eine Ermittlung braucht. Raether entlarvt dabei Klischees und schreibt gegen den Mainstream des Genres an. Sprachlich verspielt, klug – und immer eine Spur verrückter, als die Polizei erlaubt.

Rowohlt, 2021, 304 S., 16 Euro

3. Pieke Biermann: Das Berlin-Quartett

Buchcover „Das Berlin-Quartett“ von <a href=Pieke Biermann“ width=“233″ height=“300″ />Ringsum nur Osten und ’ne Mauer quer durch Mitte: Ende der 80er ist Westberlin noch die Chaoten-Oase mitten im realsozialistischen Niemandsland. Alles so schön bunt hier! Zampanos und Zuckerschnuten mischen das Siff- und Suffmilieu auf. Punks machen kaputt, was sie kaputt macht und Spontis sprühn die Wände voll. Wer jung ist, macht sich hier lässig und gibt sich larifari. Da muss der verpupste Mittelstands-Mief der Generation Schultheiß-Pils schon kieken, wo er bleibt. Nur die nölige Schnauze eint über alle Kiezgrenzen hinweg: na eben Berlin, wa? Dann kommt der Mauerfall, der die zweigeteilte Stadt zum Doppel-Whopper macht: noch mehr Geplapper und Behumse. Noch mehr Huren und Hampelmänner. Noch mehr Knalltüten, die irrlichternd scheitern. Inmitten dieser Kakofonie hat Pieke Biermann ihr Berlin-Quartett geschrieben, deren vier Einzelbände zwischen 1987 und 1997 erschienen sind. Lange vergriffen sind die temporeichen Kriminalromane um Hauptkommissarin Karin Lietze nun aber Dank einer Komplett-Neuausgabe wieder da. Und ja: Es lohnt sich immer noch, sie zu lesen!

Argument Verlag mit Ariadne, 2021, 1104 S., 50 Euro

2. Attica Locke: Black Water Rising

Buchcover „Black Water Rising“ von <a href=Attica Locke“ width=“207″ height=“300″ />Der erfolglose Anwalt und ehemalige Black-Power-Aktivist Jay Porter rettet eine Frau, wird dadurch in einen Mordfall verwickelt und sieht sich in seiner Paranoia fortan den gezielten Schikanen des FBI ausgesetzt. Bei seinen zögerlichen Nachforschungen zu den Hintergründen der Tat gerät Porter zunehmend unter Druck, erhält eine dubiose Schweigegeldzahlung und ist misstrauisch, ob er sich wirklich noch auf seine weiße Partnerin aus der ehemaligen Aktivistenzeit verlassen kann. Diese hat mittlerweile als Bürgermeisterin Karriere gemacht, was die Gefahr birgt, dass sie sich bei einem drohenden Gewerkschaftsstreik opportunistisch auf die Seite der mächtigen Ölindustrie stellt, die zur Durchsetzung ihrer Ziele auch über Leichen geht … Attica Locke platziert ihren vielschichtigen Krimiplot im geschichtlichen Kontext der rassistisch aufgeheizten Reagan-Ära. Doch mit dem ambivalenten Charakter des Jay Porter, der sich zwischen Unterordnung und Mut entscheiden muss, zeigt die Autorin eindringlich und mit starken Szenen die latente Bedrohung, denen schwarze Menschen auch heute noch tagtäglich ausgesetzt sind.

1. Candice Fox: 606

Die besten Krimis im Januar 2022: „606“ von <a href=Candice Fox“ width=“187″ height=“300″ />Der Albtraum eines jeden Gefängnisdirektors: Bei einem Massenausbruch entkommen alle Häftlinge. Candice Fox fährt mit diesem Szenario gleich zu Beginn das Tempo actionhart hoch. Über sechshundert Schwerverbrecher, Terroristen und Serienkiller entkommen durch eine ausgebuffte Geiselnahme aus einem Hochsicherheitsknast und fliehen mit gestohlenen Autos in die Wüste von Nevada. Gleich hinterher: schlecht gelaunte, aber gut bewaffnete SWAT-Einheiten, FBI-Agents und U.S. Marshals unter der Leitung der toughen Trinity Parker, die zumindest die durchgeknalltesten Typen wieder schnappen will. Einer wie John Kradle wäre da eher Beifang. Der saß wegen dem Massaker an seiner Familie in der Todeszelle – zu Unrecht, wie er selbst beteuert. Die unerwartete Tagesfreizeit will er deshalb nutzen, um endlich seine Unschuld zu beweisen und sich an demjenigen zu rächen, der sein Leben ruiniert hat. Doch erst mal muss sich Kradle mit einem tumben Mörder herumschlagen, der sich hartnäckig als Fluchtpartner aufdrängt. Mittlerweile hat sich auch die Aufseherin des Todestrakts an seine Hacken gehängt: Sie hat eine ganz persönliche Rechnung mit Kradle zu begleichen und ahnt, wo er zu finden sein wird … Die australische Autorin Candice Fox beweist, dass sie auch die altbewährte Prison-Break-Story noch um eine neue Variante bereichern kann, die sich als perfekte Vorlage für eine erfolgreiche Verfilmung anbietet. Dabei verblüfft Fox nicht nur ihre stabile Fangemeinde mit einem raffinierten Genremix, den sie in dem wendungsreichen Plot verdichtet. Zudem hält sie in zahlreichen Nebenhandlungen alle Erzählfäden souverän in der Hand und würzt Actionszenen mit trockenem Dialogwitz. Candice Fox setzt den Standard für clevere Thriller erneut etwas höher – und belegt den Spitzenplatz auf unserer Liste der besten Krimis im Januar 2022.

Suhrkamp, 2021, 467 S., 16,95 Euro

Aus d. Engl. v. Andrea O’Brien

 

 

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