Die besten Krimis 2026: Empfehlungen für den Juni
Eiskalte Killer für heiße Tage: Die besten Krimis im Juni 2026 mit Horst Evers, Nina Jelinek und Michael Ehnert.
Wenn Kabarettist Horst Evers einen Kriminalroman schreibt, wirkt selbst ein abstruser Plot plausibel – und bietet mehr als nur die gewohnten Sprach-Pointen. Führt also „Hope Joanna“ unsere Liste der besten Krimis im Juni 2026 an? Auch Magdalena Parys will auf unserer Liste der besten Krimis im Juni 2026 hoch hinaus: Nach „Der Magier“ müssen die Journalistin Bosch und Kommissar Kowalski in „Der Prinz“ ein zweites Mal ran. Oder macht das aktuelle Thema auf unserer Liste der besten Krimis im Juni 2026 den Unterschied? „Einsatz in Donezk“ heißt der neue „Einsatz“-Roman von Henning Rabe, mit dem er wieder einmal genüsslich und mit viel schwarzem Humor die chaotischen Realitäten poltischer Ereignisse überspitzt.
Der Kabarettist und Drehbuchautor Michael Ehnert will mit dem trockenen Humor seines deftigen Debütromans „Hamburg, Wache 16“ auf unserer Liste der besten Krimis im Juni 2026 punkten. Dabei greift er auf die eigene Familiengeschichte zurück: Sein Vater war einst Polizist auf der Wache 16. Die österreichische Autorin steht mit ihrer pachenden Milieustudie „Paradise Calls“ ebenfalls auf unserer Liste der besten Krimis im Juni 2026. Und schließlich ist da noch Denise Mina, die mit „Die große Hitze“ natürlich auch eine heiße Anwärterin für die Spitzenposition auf unserer Liste der besten Krimis im Juni 2026 ist.
Die besten Krimis im Juni 2026
6. Denise Mina: Die große Hitze
Normalerweise trinke ich nicht morgens um halb elf im Büro. Wenn jedoch ein neuer Philipp-Marlowe-Roman hereinflattert, lege ich die Füße auf die Schreibtischplatte und angle mir die Flasche „Writer’s Tears“ aus der untersten Schublade. Wie sonst sollte sich Hardboiled Heuner für diese besondere Lektüre stilecht in Leseposition bringen? Okay – richtiger wäre diesmal wohl eher schottischer Whisky statt irischer – schließlich stammt die Autorin Denis Mina ja aus Glasgow. Sie reiht sich als erste Frau in die namhafte Autorenriege, die nach Chandler den legendären Hardboiled Detective wiederbelebt. Das freut auch Übersetzerin und Herausgeberin Else Laudan, die den charakteristischen Sound mit den unverwechselbaren Metaphern für Mina gekonnt ins Deutsche überträgt.
Also sind wir zurück im Los Angeles der ausklingenden 1930er Jahre: Trotz der Hitzewelle hat Eigenbrötler Marlowe selten eine trockene Kehle und immer einen lockeren Spruch auf der losen Zunge. Respektlos gegenüber Autoritäten steht er auf der Seite der Underdogs und stolpert immer wieder über Leichen und schöne Frauen. Für vierzig Dollar am Tag plus Spesen wirft sich der Privatschnüffler in seinen Billiganzug, um Baby Maude ihren Pasco Pete wiederzubringen. Doch die Suche ist bald vom Tisch, denn hinter der erstbesten Müllecke knabbern schon die Ratten an Pasco Petes Resten. Da kontaktieren Marlowe auch schon die feinen Montgomerys, um ihre durchgebrannte Tochter Chrissie aufzuspüren … Wer sich gerne zwischen Plotlinien treiben lässt und wen ein sich schnell drehendes Personenkarusell nicht verwirrt, der kann auf Denis Mina vertrauen: Mit ihrer anspielungsreichen und gut recherchierten Chandler-Pastiche hält sie souverän den Rhythmus zwischen Pulp und Prosa. Wenn Mina etwa mit dem schwulen Jimmy the One eine historische Figuren anverwandelt, oder aus dem Chandler-Kosmos Empfangsdame Mabel und Polizistentochter Anne Riordan aufgreift, sind das gelungene Referenzen an das Original. Klar, in Bezug auf geschlechtsgerechtes Verhalten und responsibly drinking ist es nicht vorbildhaft, wenn man Marlowe in den dunklen Schlund einer räudigen Kellerbar folgt, in der Trinken als religiöse Praxis zelebriert wird … Muss ich den Jungs von erzählen, dass Marlowe wieder da ist. Die treff ich gleich zum täglichen Sundowner an der Bar im Keller …
Ariadne, 2026, 304 S., 24 Euro
Aus d. Engl. v. Else Laudan
5. Henning Rabe: Einsatz in Donezk
„Herr Oberst, die Russen, mit denen wir es hier zu tun haben – sind Amerikaner.“ Februar 2022 im Donbass: Der deutsche Agent Eisenmann im Dienste des russischen Geheimdienstes meldet seinem Oberst, dass seine Truppe an der Kontaktlinie auf Amerikaner in russischen Uniformen gestoßen ist. Sie selbst wollten eigentlich gerade in ukrainischen Uniformen eine Sabotageaktion an einem russischen Sender durchführen, um diese dann den Ukrainern anzulasten. Henning Rabe überspitzt in seinem neuesten „Einsatz“-Roman wieder einmal genüßlich und mit viel schwarzem Humor die chaotischen Realitäten politischer Ereignisse. Zwei Männer, zwei Welten – und ein gefährlicher Schnittpunkt an der Kontaktlinie zwischen ukrainischen Truppen und Separatisten. Kurz vor dem ersten Schuss beginnt ein doppeltes Verwirrspiel, das in eine Farce zu kippen droht – oder in eine Katastrophe.Henning Rabe erzählt mit Scharfsinn, schwarzem Humor und dramatischer Zuspitzung eine Agentengeschichte, die mehr ist als ein Spionage-Thriller. Ein wilder Ritt durch Intrige, Ideologie und Irrtum – nah an der Realität, weit entfernt von üblichen Agenten-Klischees.
Blond, 2026, 184 S., 13,90 Euro
4. Michael Ehnert: Hamburg, Wache 16
Erst die Tür einrammen, dann klingeln. Jens-Uwe kann also gleich mal wieder vergessen, was ihm auf der Polizeischule eingetrichtert wurde. Statt in Hamburg-Wandsbek einen ruhigen Gummiknüppel zu schwingen, wird der 23-Jährige direkt nach seiner Ausbildung der Wache 16 auf St. Pauli zugeteilt. 1976 ist hier zwischen Eros-Center, Transenstrich und Schanzenviertel für die Cops fast rund um die Uhr tüchtig Radau und Randale angesagt: Jeder Heiopei, der Flaschbier und Fransenlederjacke tragen kann, lässt hier den Kiezschreck raushängen. Bordsteinkönige, Zuhälter und Hells Angels sind auf Krawall gebürstet und kriegen sich schwer in die langen Haare. Im Graubereich des Rotlichtviertels blitzen Messer und Pistolen auf. Einmal Stress mit allem für Jens-Uwe, der jetzt nur noch „Polle“ gerufen wird. Als Vorbild dient ihm da Werner, der drei Sterne auf der Schulter trägt und längst den Weg der Vorschriften in Richtung schiefe Bahn verlassen hat. Wer sich hier an die Polizeiroman-Klassiker von Joseph Wambaugh und Ed McBain erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Aber Kabarettist und Drehbuchautor Michael Ehnert greift mit dem trockenen Humor seines deftigen Debütromans auch wesentlich auf die eigene Familiengeschichte und wahre Begebenheiten aus Hamburg zurück: Sein Vater war selbst Polizist auf der Wache 16.
Junius, 2026, 288 S., 18 Euro
TOP 3
3. Nina Jelinek: Paradise Calls
Sich früh schon den Härten des Lebens auszusetzen, kann für den späteren Berufsweg extrem nützlich sein. Laura, die nach ihrem Studium als investigative Journalistin arbeiten will, stellt sich probeweise einer Herausforderung: Für eine private Rotlicht-Recherche jobbt sie in einem Wiener Callcenter und vermittelt dort Freier an die Sexarbeiterinnen. Ihr Freund Lukas muss davon ja nicht alles wissen. Der Job wird ein bissl ruppig, als Laura die ermordete Elena entdeckt, die dort als Emmanuelle gearbeitet hat. Ihr Chef Andi will keine Kieberer im Haus, die Leiche soll weg – man kennt da wen, der sich um sowas kümmert. Er beschwatzt Laura, für ihn den Täter zu finden. Undercover sucht sie also zusammen mit Elenas Kollegin Natascha nach Hinweisen. So findet sich Laura in abgeranzten Kaschemmen und schummrigen Oben-ohne-Bars wieder, wo es nach Drinks, Rauch und einem Parfumpotpourri stinkert. Sie stößt auf zwielichtige Gestalten, die entweder eine große Klappe haben oder sie mit einem schmallippigen „Schleich dich“ abservieren. Die Spur führt zu Branco, der sich in der Unterwelt auskennt, doch bald wird eine Leiche in den Donaukanal gekippt. Der österreichischen Autorin Nina Jelinek gelingt eine packende Mileustudie, die so authentisch daherkommt als ob sie selbst auf Stöckelschuhen in der Szene unterwegs gewesen ist. Merke: In manchen Wiener Spelunken bestellt man besser kein Radler …
Weishaupt, 2026, 336 S., 19,90 Euro
2. Horst Evers: Hope Joanna
Riesige Zwerge, füllige Elben und sexy Orks sind in Berlin häufiger anzutreffen als freundliche Busfahrer. Das ist ja mal Fakt. Gerade, wenn sich unter die üblichen Freaks auf den Straßen vermehrt Cosplay-Fans mischen, die sich für die FantasyCon verkleidet haben. Der deutsche Autor und Kabarettist Horst Evers versteht es, solche alltäglichen Beobachtungen zu abstrusen Geschichten weiterzuspinnen und schafft somit leicht bis schwer verrückte Parallelwelten. Da lässt er es dann humorvoll eskalieren und auch schon mal ein Zwergenheer zur Schlacht ins Fußballstadion anrücken. Die Romanheldin in Evers’ neuestem Krimi ist – Achtung: Ohrwurmgefahr! – Hope Joanna Marlow, eine Berliner Hauptkommissarin, geboren am Tag des Mauerfalls und benannt nach dem Song, der dabei gerade im Radio lief. Zusammen mit Kommissar Neuendorf und Kommissaranwärterin Yüzel ermittelt sie in dem seltsamen Mord an Archäologe Dr. Rainer Jens, genannt Indiana Jens. Todesursache: Schlangenstab. Wurde er etwa mit dieser seltsamen Waffe hingerichtet, weil er des Führers Elixier entdeckt hat, das alle Nationalisten, Libertäre und Faschisten dieser Welt als den Heiligen Gral verehren? Zumindest ist Freiherr von der Kratten sehr an dessen Verkostung interessiert.
Bei okkulten Todesursachen empfiehlt es sich, verdeckt zu ermitteln und der Irrsinn nimmt seinen Lauf: Gandalf und Waldelbin überlisten mit der Alarmanlage eines Elektro-Maserati und Taekwondo-Moves einen bierbrauenden Baron. Und eine Rentnerin, die zwei Diktaturen und die Ausrichtung von rund 40 Kindergeburtstagen überlebt hat, wird mit heiligen Pistolen beschossen. Was Horst Evers da an Pointen und ins Leere führenden Dialogen hervorzaubert, sucht seinesgleichen. Vor allem aber funktioniert die ganze Chose trotzdem als Berlin-Krimi, der nicht im Klamauk untergeht. Im Gegenteil: Zum Showdown geht es dramatisch hoch hinauf auf das Dach des Europa-Centers. Na, zum Glück ist der Himmel über Berlin ja immer für eine Überraschung gut. Wer nach diesem Roman voller geballtem Irrwitz noch nicht genug hat, sollte einfach mal wieder die Hauptstadt besuchen und dort wie Horst Evers leicht an der Realität vorbeiblicken.
Rowohlt Berlin, 2026, 320 S., 24 Euro
1. Magdalena Parys: Der Prinz
Ein toter Pfarrer hängt am Kreuz im Berliner Dom und zeitgleich im Puff der Schlüppi des Polizeipräsidenten Tschapieski an dessen Knöcheln. Doch belässt es die polnischstämmige deutsche Schriftstellerin Magdalena Parys im zweiten Teil ihrer „Berliner Trilogie“ nicht nur bei einem rätselhaften Ritualmord, der die Staatsgewalt mit heruntergelassenen Hosen erwischt. Paramilitärische Einheiten planen zudem umstürzlerische Guerrilla-Aktionen, es brennt in einem Migrant:innenviertel, und die Frau eines Ministers wird entführt. Deutschlands zweite Kanzlerin hadert noch damit, eine streng geheime Notfall-Nummer zu wählen, doch bald schon wird unter ihrem Wohnsitz eine Bombe ticken. Nach dem Vorgängerroman „Der Magier“ müssen sich die Journalistin Bosch und Kommissar Kowalski erneut in einem alternativen Gegenwartsszenario behaupten. Der titelgebende Prinz befeuert darin skrupellos den wiederauflebenden Nationalismus und sieht den Boden bereitet für den uralten Traum eines Imperium Germanicum. Mit Foltertechnik aus der Wikingerzeit wird dabei dem Christentum nicht nur symbolisch die Dornenkrone aufgesetzt. Magdalena Parys düstere Überzeichnung einer Gesellschaftszersetzung liest sich vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen verstörend: Mit ihrem eigenwillig rauen, impulsiven Erzählstil führt sie sprunghaft durch eine epische Geschichte, die als dystopischer Thriller zu einer ungewöhnlich eindringlichen Mahnung wird.
Polente, 2026, 424 S., 20 Euro
Aus d. Poln. v. Lothar Quinkenstein u. Hans Gregor Njemz
Riskieren Sie auch einen Blick auf unsere Liste der besten Krimis im Mai 2026!