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„Die Welt von morgen“: Französischer HipHop auf Arte

Still aus „Die Welt von morgen“: Bruno (Anthony Bajon, li.) und Didier (Melvin Boomer, re.) stehen sich mit Mikrofonen in der Hand gegenüber und blicken sich in die Augen, im Hintergrund ist Publikum zu erkennen.
Bruno (Anthony Bajon, li.) und Didier (Melvin Boomer, re.) bilden zusammen die Rapgruppe NTM: „Die Welt von morgen“ ist von wahren Begebenheiten inspiriert.Bild: Jean-Claude Lother

Mit der Serie „Die Welt von morgen“ zeigt Arte die Anfänge des HipHop in Frankreich – und die Geschichte von Acts wie NTM und Dee Nasty.

Über die Geschichte des HipHop in den USA haben wir in den letzten Jahren einiges erfahren können – vom Film über N.W.A. bis hin zur Serie über den Wu-Tang Clan. Aber die meisten von uns wissen wohl deutlich weniger über den Siegeszug des Genres in unserem Nachbarland. Arte schafft nun Abhilfe: mit der neuen Serie Die Welt von morgen (heute gibt es die ersten drei Folgen im Fernsehen, alle sechs sind bereits in der Mediathek), die die Anfänge des HipHop in Frankreich zeigt. Könnte ein Nischeninteresse sein – doch zum Glück ist die Serie auch noch gut gemacht.

Das hat auch damit zu tun, dass die Macher:innen sich Zeit lassen, bis für die Hauptfiguren der Durchbruch kommt. Anfangs wissen Bruno (Anthony Bajon) und Didier (Melvin Boomer) nicht einmal wirklich, was HipHop ist. Beide gehen noch zur Schule, doch während Bruno von allen als zukünftiger HipHop-Star gefeiert wird, leidet Didier unter der Gewalt seines strengen Vaters. Was sie eint, ist die Faszination für den gerade frisch aus den USA eingetroffenen Tanzstil des Breakdance. Unermüdlich trainieren sie und werden darüber Freunde. Doch ihre Familien halten nichts von ihrem Traum, eine eigene Tanzcrew zu gründen. Dass sie den Breakdance später fürs Sprayen und Rappen aufgeben werden und aus ihnen die einflussreiche Gruppe NTM werden wird, ahnen sie da selbst noch nicht.

„Die Welt von morgen“: Rappen, tanzen, sprayen

Anderswo weiß Daniel alias DJ Dee Nasty (Andranic Manet) schon lange, dass er unbedingt HipHop-Produzent und Rapper sein möchte. Nach einer Reise in die USA fühlt er sich bereit, das erste französische Rapalbum aufzunehmen. Doch ihn plagen Geldsorgen und Rückschläge, niemand gibt ihm eine Chance. Kurzerhand nimmt er alles selbst in die Hand und wählt den Independent-Weg. Die junge Vivi (Laïka Blanc-Francard) wiederum leidet unter den sexistischen Vorurteilen, die ihr als weiblicher Sprayerin entgegenschlagen …

Hinter „Die Welt von morgen“ stecken die beiden Regisseur:innen Katell Quillévéré und Hélier Cisterne. Für die Show haben sie viel recherchiert und mit den Personen, die sie porträtieren, lange Interviews geführt. Das schlägt sich in der Serie nieder, die insbesondere die Optik der 80er-Jahre detailgetreu einfängt. Bei aller Nostalgie gelingt es dabei trotzdem, HipHop als etwas Neues, Aufregendes und Zukunftsweisendes zu zeigen – und erfrischenderweise wird auch deutlich, dass Musik neben Breakdance, Mode und Sprayen eben nur ein Teil der Szene war. So ist „Die Welt von morgen“ gefundenes Fressen für HipHop-Fans, aber längst nicht nur für sie: Starke Performances und der genau beobachtete Alltag der Figuren sorgen für mitreißende Emotionalität, die unabhängig von historischem Interesse existiert.