MUSIK

Ein Klavier, ein Klavier! Anomalie im Interview

Portraitfoto Nicolas Dupuis alias Anomalie
Foto: Manikmati Photography

Nicolas Dupuis stammt aus Montréal. Unter dem Namen Anomalie kombiniert er Klavierjazz, programmierte Beats und Synthesizer zu einer explosiven Fusion. Vor seinem ersten Album „Galerie“ hat er bereits mehrere EPs veröffentlicht. Wir haben mit ihm im Interview über die Einzigartigkeit des Klaviers, sein neues Studio und Herbie Hancock gesprochen.

Nicolas, du hast gesagt, dass deine Rückkehr zum guten alten Klavier richtungsweisend für „Galerie“ war. Was bedeutet dir das Instrument?

Nicolas Dupuis: Ich würde sagen, ich bin in erster Linie Pianist, dann Arrangeur, dann Produzent. Ich hatte keinen Zugang zu einem echten Klavier, seit ich ein Teenager war, und diese Wiederentdeckung war krass. Es ist, als würde es leben und atmen. Es reagiert jedes Mal ein bisschen anders, und es gibt so viele verschiedene Ansätze, die ich wählen kann: die Mikrofone anders platzieren, mit den Saiten selbst kreativ werden, indem ich sie etwa dämpfe und wie Percussion benutze … Es ist eine Welt voller Möglichkeiten, jedes Mal ist eine unwiederbringliche Interaktion. Zum Schluss habe ich das Klavier sehr genau gesampelt, damit ich es gewissermaßen auf Tournee mitnehmen kann.

„Die Umgebung war zentral“

Also überwiegt letztlich doch die Elektronik? Oder würdest du auch gern mal ein rein akustisches Album machen?

Dupuis: Ich habe auf jeden Fall Bock, irgendwann ein Soloklavieralbum zu machen, und ich freue mich über die Rolle, die es auf „Galerie“ zwischen all den anderen Texturen spielt. Aktuell würde ich das gern noch ein bisschen stärker ausprobieren – aber dann geht es zurück an die Synthesizer!

Vom Klavier einmal abgesehen – was hat dich sonst zu dem Album inspiriert?

Dupuis: Die Umgebung, in der es entstanden ist, war auf jeden Fall zentral. Letztes Jahr bin ich mit meiner Freundin in ein neues Haus gezogen und habe dort drei Monate an einem Kellerstudio gewerkelt. Das hat letztlich dem Album seine Form gegeben. Ein paar Ideen hatte ich zwar schon davor, aber erst in diesem Raum sind sie zum Leben erwacht. Inspiriert hat mich außerdem die wunderbare Community auf Twitch und Discord, für die ich während der Pandemie glücklicherweise streamen konnte. Viele Konzepte, die auf dem Album gelandet sind, habe ich zuerst in diesen Sitzungen ausprobiert.

Auf den Spuren von Herbie Hancock

Neben Eigenkompositionen enthält „Galerie“ auch ein Cover von Herbie Hancocks „Come running to me“. Eine Verneigung vor einem Idol?

Dupuis: Ohne Herbie würde ich heute sicher nicht die Musik machen, die ich mache. Er ist ein Pionier, und sein Einfluss auf die Musik überhaupt ist unglaublich. „Sunlight“ ist eines meiner absoluten Lieblingsalben, und ich wollte ihm auf „Galerie“ Tribut zollen. Zwar ist es kein Fusion-Album im engeren Sinn geworden, doch Herbies Ansatz auf „Sunlight“ und „Headhunters“ hat definitiv beeinflusst, wie ich Songs arrangiere und mit meinen Synths umgehe.

„Galerie“ ist dein erstes Album. Hat sich der Entstehungsprozess von deinen „Métropole“-EPs davor unterschieden?

Dupuis: Ehrlich gesagt, nicht wirklich. Ich sehe die „Métropole“-Projekte gern als kürzere Alben. Sowohl sie als auch „Galerie“ spielen in ihrem eigenen klanglichen Universum und haben eine bestimmte Entwicklung in der Trackliste. Der Hauptunterschied liegt in den Kollaborationen: Alle beteiligten Künstler:innen haben ihre eigene kreative Welt mitgebracht, und es hat viel Spaß gemacht, das mitzuerleben!

Wie sind Leute wie Masego oder Mateus Asato auf der Platte gelandet?

Dupuis: Alle Gäste sind großartige Menschen, denen ich schon seit langem folge und bei denen ich wusste, dass sie zu der musikalischen Geschichte passen würden, die ich erzählen wollte. Eigentlich waren so gut wie alle Tracks, die als Kollaborationen geendet sind, schon von Anfang an so konzipiert. Deshalb hat es sich auch nicht wie ein Umdenken angefühlt, sondern eher eine Erweiterung, die das wahre Potenzial dieser Songs hervorbringt.

 

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