„Etwas ganz Besonderes“ im Kino: Wer ist Lea?
Eva Trobischs Mosaik einer dysfunktionalen Familie ist subtil und gut gespielt – aber teilweise fast zu zurückhaltend.
Wer bist du, und was ist besonders an dir? Der sechzehnjährigen Castingshow-Kandidatin Lea fällt darauf keine Antwort ein. Ihre Mutter Rieke ist schwanger von einem neuen Mann, und das Verhältnis von Mutter und Tochter ist schwierig. Ihr Vater Matze gibt sich Mühe, mehr für sie da zu sein, muss aber erkennen, dass er nicht weiß, wer Lea eigentlich ist. So ganz wissen auch wir das bis zum Abspann nicht.
Regisseurin und Drehbuchautorin Eva Trobisch zeigt Leas dysfunktionale Familie in kleinen, alltäglichen Momenten. Zu ihrer Tante Kati, Leiterin des städtischen Museums in Greiz, Thüringen, blickt Lea auf, doch diese eckt dort mit ihrer neuen Ausrichtung an. Das Museum wird groß mit Fördergeldern saniert, während das Waldhotel von Leas Großeltern finanziell am Abgrund steht. Katis Sohn Edgar reizt unterdessen die Gemüter mit überspitztem, allgemein ablehnendem Aktivismus. Trobisch schafft das Mosaik und Stillleben einer ostdeutschen Familie, deren Brüche sie zwischen Streit, Schweigen und Ablenkungen scharf zeichnet.
Der Film ordnet familiäre und politische Fragmente an. Leas Theatergruppe probt wiederholt Verse aus Heines „Die Schlesischen Weber“, und sorgt sich, ob „ihr“ Publikum Heines auf die Gegenwart übertragbare Bedeutung verstehen wird. Andere Szenen benötigen doch sehr die Deutung von außen. So spielt Frida Hornemann Lea mit überzeugender Zurückhaltung, hinter der sich komplexe Emotionen verbergen, in die man sich einen tieferen Einblick erhofft, aber nicht bekommt.