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Musik

Fast am Altar: Blondshells Fur Elise

Manchmal ist die schönste Metapher eine, die eigentlich gar nicht passt. Mit „Fur Elise“ veröffentlicht Blondshell alias Sabrina Teitelbaum einen Song, der klingt wie die vorletzte Szene eines Coming-of-Age-Films.

Sängerin Blondshell hockt auf dem Boden neben einem Antik-Holz Regal.
Blondshell veröffentlicht einen weiteren Vorboten von „Violins“. (Foto: Reese Layton)

Der Titel spielt auf Beethovens berühmtestes Klavierstück an, doch bei Blondshell wird daraus etwas anderes: eine Anspielung auf den Moment, in dem man zum Altar schreitet, und das ausgerechnet zu einem Stück, zu dem eigentlich niemand heiraten würde. Genau diese Diskrepanz ist der Witz und der Schmerz des Songs zugleich. „Man versucht herauszufinden, wie das eigene Leben aussehen soll und was bei der eigenen Hochzeit gespielt werden soll, weiß aber gar nicht, wo man anfangen soll. Man wählt einfach das falsche Lied aus“, erklärt Sabrina Mae Teitelbaum. Musikalisch bewegt sich „Fur Elise“ zwischen Teitelbaums typischem Wechselspiel aus lauten und leisen Passagen – knackige, rhythmische Gitarren treffen auf warme Bässe und dichte melodische Arrangements, die sich langsam zu einem panoramischen Klangbild öffnen. Getragen wird das Ganze von ihrer einfühlsamen, kraftvollen Altstimme, die den Song prägt, ohne ihn zu überladen.

Inhaltlich geht es um das große Unwissen des Erwachsenwerdens: darum, wer man sein will und wie man dahin kommt, ohne eine klare Anleitung dafür zu haben. Es ist ein Thema, das sich durch das gesamte kommende Album zieht, das am 25. September über Partisan Records erscheint. Auf elf Songs verhandelt Blondshell Freundschaft, Religion, den eigenen Körper und den langen, wenig glamourösen Prozess des Heilens – immer mit der Frage im Hinterkopf, wie sich die Härte der Welt mit ihrer Schönheit vereinbaren lässt. Im Vergleich zu ihren bisherigen Alben arbeitet Teitelbaum diesmal weniger mit direkten Aussagen und mehr mit Bildern. „Es ist etwas weniger wörtlich geworden“, sagt sie. „Es gibt mehr Bildsprache. Aber mein Hauptziel war es, Songs zu haben, die richtig ins Mark gehen.“ Das Ergebnis trägt trotzdem eine spürbare Schwere in sich.

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