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Film

Fatih Akin und Gabriel-Winner Amorin über Geister: Zurück zur Naivität

In „Geister“ geht das Leben nach dem Tod weiter – oder doch nicht? Regisseur Fatih Akin und Schauspieler Gabriel-Winner Amorin sind sich ziemlich einig.

Geister
Nach einem tragischen Unfall treffen sich Max (Gabriel-Winner Amorin, links) und Faris (Eren M. Güvercin) am Hamburger Hafen. (Foto: Warner Bros.)

Gabriel-Winner, Fatih, erst mal vorab: Glaubt ihr an Geister?

Gabriel-Winner Amorin: An Gespenster glaube ich nicht, aber an Geister schon. Also nicht daran, dass mir irgendein Geist etwas antun will, wenn ich nachts nach Hause gehe. Eher an gute Geister: dass Verstorbene mit dir im Raum sitzen, an dich denken, dir Kraft geben.

Fatih Akin: Ich habe neulich was über Geist gelesen, im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz: Jemand hat das Gehirn einer Fliege gescannt und den Bauplan als Datei ins Internet gestellt. Und jemand hat bei „Minecraft“ dieses Gehirn mithilfe von KI nachgebaut, innerhalb von zwei Tagen. Millionen von Synapsen! Dieses Gehirn hat er einer digitalen Fliege einprogrammiert, und die verhält sich teilweise wie eine echte Fliege. Vielleicht ist der Geist des Menschen etwas, das aus diesen hochkomplexen, milliardenfachen Verbindungen entstanden ist. Etwas, das weiterlebt, wenn wir tot sind – in irgendeiner Form. Und vielleicht entwickelt auch KI Geister. Also wenn du mich fragst, ob ich an Geister glaube: Ja, ich glaube, es ist im Bereich des Möglichen. Wenn ich fest genug daran glaube, dass da im Dunkeln ein Geist ist, dann wird er auch da sein. Es ist eine Frage der Betrachtung. Das ist meine kurze Antwort. (lacht)

Wie sehr lässt man bei einem Film wie „Geister“ das Übernatürliche zu?

Akin: Du, Gabriel-Winner, hast mir mal was Interessantes erzählt. Ich hatte im Vorfeld Vorurteile gegenüber einer privaten Schauspielschule. (lacht) Da habe ich ein bisschen snobistisch, ein bisschen schnippisch gefragt: Was lernt man da eigentlich? Und du hast gesagt: Wir lernen, in dem Moment zu sein. Ich mache schon sehr lange Filme, aber ich habe die Formel dafür nie auf etwas so Simples runterbrechen können. Wenn ich inszeniere, in diesem Moment, ist es für mich real.

Wie schafft man es, sich ganz in die Szene zu versetzen?

Akin: Man muss sich befreien, aber das muss man bei Kunst immer. Ich habe das, was ich mache, für eine lange Zeit nicht mehr als Kunst begriffen, eher als ein marktwirtschaftliches Produkt. Aber ich habe damit als Kunst angefangen, und ich komme zurück in dieses Denken. Es geht und ging immer um persönlichen Ausdruck, und wenn ich mal zynische oder sarkastische Anwandlungen hatte, lag das an den Lebensphasen, in denen ich damals gesteckt habe. Ich muss wieder in die Unschuld kommen. „Geister“ ist ein naiver Film.

Die Idee zum Film stammt von deinem Sohn. Was hat dich daran so überzeugt?

Akin: Zwei Dinge. Ich kam aus einer Lebenskrise, ich wusste nicht, was für ein Regisseur ich sein möchte, alles hatte sich irgendwie verdreht. Aber ich wusste, dass ich einen Film machen muss, irgendeinen Film. Das war das eine Bedürfnis. Der andere Grund war schlicht, mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.

Wie schwierig war es, die Jugendlichen authentisch spielen und sprechen zu lassen?

Akin: Sprache und Mode ändern sich ja permanent. Meine Tochter hat den Film gesehen und danach gesagt: „Junge“ sagt man gar nicht mehr. (lacht) Man muss die richtige Balance finden, aber wie man das macht, weiß ich selbst nicht genau. Es hat auch mit Instinkt zu tun.

Haben die Schauspieler da auch eigene Impulse eingebracht?

Akin: „Ficki-ficki-Träume“ ist original von ihm. (lacht)

Amorin: Das ist bei den Leseproben entstanden, glaube ich. Da hat Fatih öfter mal gefragt, ob man bestimmte Dinge noch so sagt. Er hat uns den Freiraum gelassen, die Sätze so umzuformen, dass es passt. Generell hast du, Fatih, uns nie eingeschränkt. Ich habe mich bei dir wohler gefühlt, mal Sachen auszusprechen oder zu probieren, als an der Schauspielschule. Das soll nicht heißen, dass ich mich dort nicht frei gefühlt habe. Im Gegenteil, ich habe dort gelernt, frei zu sein und mich auszuprobieren. Aber bei dir, Fatih, hatte ich das Gefühl, noch einmal auf eine andere Art frei sein zu können. Ich habe mich menschlich sicherer gefühlt, hatte weniger Angst davor, Fehler zu machen. Und ich habe mich dadurch auch schauspielerisch mehr getraut.

Was hat dich am Drehbuch fasziniert?

Amorin: Erstens das ganze Wasser-Ding. Das fand ich als Nichtschwimmer heftig. Ich war vor dem Dreh noch nie richtig im Wasser gewesen! Im Schwimmunterricht in der Schule habe ich nie mitgemacht, hatte irgendwie immer Angst. Aber für den Film habe ich Schwimmen und Tauchen lernen müssen.

Und das hat dich angezogen? Es hätte dich ja auch einschüchtern können.

Amorin: Es hat mich angezogen, weil ich gemerkt habe, dass Fatih und der Rest des Teams an mich geglaubt haben. Als wir dann gedreht haben, hatte ich immer noch Schiss, aber ich wollte die Gruppe nicht enttäuschen. Das war ein zusätzlicher Reiz. Allgemein hätte, glaube ich, jeder Bock, einen Kinofilm zu drehen, und dann noch mit Fatih und in Hamburg? Maximal!

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