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Literatur

Frankfurter Buchmesse: 8 Bücher gegen Rechts

In Zeiten des globalen Rechtsrucks nimmt sich auch die Frankfurter Buchmesse dieses Themas an. Hier sind 8 Bücher und Veranstaltungen gegen den Rechtsruck.

Ökonomie der Zukunft 2025
Die Frankfurter Buchmesse ist auch mmer ein Ort für gesellschaftliche Debatten. In diesem Jahr geht es viel um die erstarkenden Rechten. (Frankfurter Buchmesse 2025© Copyright: Marc Jacquemin / Frankfurter Buchmesse)

Die Demokratie verteidigen – aber wie? Diese Frage stellt nicht nur Thea Dorn an die renommierte US-Historikerin Jill Lepore auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Spätestens nach zwei Landtagswahlen mit der AfD als stärksten Kraft – in Sachsen-Anhalt ist ein vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufter Landesverband sogar nur haarscharf an der absoluten Mehrheit vorbeigschrammt – ist diese Frage die Gretchenfrage der politischen Gegenwart – und das nicht nur in Deutschland. Wie lässt sich dem sich ausbreitenden faschistischen Gedankengut wirksam etwas entgegensetzen? Auf der Frankfurter Buchmesse wird den Ursachen des Rechtsrucks auf den Grund gegangen. Wir haben acht Bücher und die dazu passenden Veranstaltungen herausgesucht, die helfen können, die Gefahr von rechts besser zu verstehen. Womöglich weisen sie sogar einen Ausweg aus dieser Krise.

Justus Bender: „Deutschland 2033. Ein Szenario“

In „Deutschland 2033. Ein Szenario“ wagt Journalist Justus Bender ein Gedankenexperiment, in dem angesichts der politische Wirklichkeit schon jetzt viel zu viel Wahrheit zu stecken droht: Was wäre, wenn in Deutschland – genau 100 Jahre nach Hitlers Machtübernahme – wieder eine rechtsextreme Partei an die Macht käme? Die CDU entschließt sich in Benders Fiktion, 2033 die Brandmauer einzureißen, um die AfD in einer Regierung zu „entzaubern“. Ganz langsam und ohne viele Geräusche setzen die Rechten in der Folge zur Zerstörung von Demokratie und Rechtsstaat an. Die Zivilgesellschaft schweigt. Denn es ist bereits zu spät. Deswegen Benders Appell: Wenn wir noch etwas gegen die Machtübernahme von Rechtsaußen tun wollen, dann muss das jetzt passieren. Was genau getan werden muss, das fragt Julia Encke von der FAZ den Autoren am Messemittwoch.

Julia Ebner: „Von Fitness zu Faschismus – Gefahren extremer Männlichkeit“

Was steckt eigentlich hinter der zunehmend um sich greifenden Bereitschaft, rechtsextreme Parteien zu unterstützen? Und warum sind es oft gerade die (jungen) Männer? Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hat mit 27 % der Stimmen mehr als jeder vierte Mann zwischen 18 und 24 sein Kreuz bei der AfD gesetzt. In „Von Fitness zu Faschismus – Gefahren extremer Männlichkeit“ sucht Radikalisierungsexpertin Julia Ebner nach Erklärungen für diese Entwicklung. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen radikalen Männlichkeitsideologien, wie sie etwa ein Andrew Tate oder ein Nick Fuente verbreiten. Mit taz-Chefredakteurin Katrin Gottschalk spricht Ebner am 10. 10. über ihre Beobachtungen und erklärt, dass Internettrends wie das „Looksmaxxing“ durchaus zu politischem Extremismismus führen können.

Wolfgang Holzhauser: „Wie wir Extremisten den Stecker ziehen“

Auf seinem YouTube-Kanal @HeyWolfi stellt sich Wolfgang Holzhauser seit 2021 mit faktenbasierten Analysen rechten Fake News und Verschwörungstheorien entgegen. Wie man das genau macht, darüber hat er jetzt ein Buch geschrieben. Er bespricht den „Wahnsinn, der unsere Welt befallen hat“. Das Buch ist ein Blick hinter die Fassaden der extremen Kräfte, es analysiert den Aufstieg der mächtigen Tech-Milliardäre. Holzhauser zeigt aber auch, dass wir diesen Entwicklungen nicht ohnmächtig ausgeliefert sind. Am Messefreitag liest „HeyWolfi“ aus seinem Buch „Wie wir Extremisten den Stecker ziehen“.

Ilko-Sascha Kowalczuk: „Faschismus ist keine Meinung. Stabil bleiben in autoritären Zeiten.“

 Standhaft bleiben gegen den Rechtsruck. Damit beschäftigt sich auch Ilko-Sascha Kowalczuk. Mit FAZ-Redakteur Patrick Bahners spricht er am Samstag über sein Buch „Faschismus ist keine Meinung. Stabil bleiben in autoritären Zeiten.“ Der Autor ermuntert die Lesenden, aktiv zu werden und sich ausdrücklich in das politische Geschehen einzumischen. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dem Osten Deutschlands und dem dort um sich greifenden Phänomen der sogenannten „Ostalgie“, der nostalgischen Verklärung des SED-Regimes.

Arne Semsrott: „Die Zivilgesellschaft schlägt zurück: Eine Anleitung für die demokratische Offensive“

Buchcover „Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ von Arne Semsrott Wenn der antifaschistische Widerstand in den Parlamenten versagt, dann bleibt uns nach Auffassung von Journalist und Aktivist Arne Semsrott nur noch eine starke Zivilgesellschaft. Auf der Buchmesse diskutiert Semsrott mit Paula Zimmermann von Amnesty International am Freitag über die Rolle der Zivilgesellschaft und welche Chancen sie gegen den Ansturm von rechts noch hat. Im Mittelpunkt steht dabei Semsrotts neues Buch „Die Zivilgesellschaft schlägt zurück: Eine Anleitung für die demokratische Offensive“. Eine ausführlichere Besprechung zu diesem Text findet ihr hier.

Susan Neiman: „Nennen wir es Böse“

Susan Neiman ist Moralphilosophin und als solche setzt sie in dem Buch „Nennen wir es Böse“ auch ihre Analyse der Demokratie-Krise an. Durch normalisiertes Fehlverhalten in der Politik seien das Vertrauen in die Institution Rechtsstaat und der Glaube an gemeinsame Werte erschüttert worden. Wir befänden uns in einem neuen Zeitalter des konsequenzen- und gewissenlosen Machtstrebens. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, appelliert Neiman an die Menschen, die eigenen Werte und Moralvorstellungen hochzuhalten. Denn diese seien schließlich die Grundlage für eine Welt, in der wir gerne leben wollen. Am Freitag ist sie im Gespräch mit Ulrike Winkelmann von der taz.

Mariana Mazzucato: „Ein Kapitalismus, der allen nützt“

Zivilcourage allein dürfte die Demokratie kaum retten. Ein „Weiter so“ ist nicht möglich, wenn der bisherige Kurs zum Erstarken der politischen Ränder, des rechten Randes geführt hat. Die Antwort ist auch eine ökonomische: Es könnte also an der Zeit sein, die Systemfrage zu stellen. Ökonomin Mariana Mazzucato stellt am 10. 10. ihr neues Buch „Ein Kapitalismus, der allen nützt“ vor. Sie geht darin von einer These aus, die manche leider immer noch überraschen dürfte: Der Markt ist kein Naturgesetz. Es ist nicht notwendigerweise so, dass er  funktioniert, wie er es im Moment tut. Mazzucato plädiert für einen politisch gestalteten Kapitalismus, der sich stärker am Gemeinwohl ausrichtet – und die wichtigen Fragen nicht dem Profitstreben einzelner überlässt.

Gamze Kubaşık, Semiya Şimşek, Christine Werner: „Unser Schmerz ist unsere Kraft“

Während viele Autor*innen wie Justus Bender auf der Buchmesse davor warnen, was die rechte Ideologie noch alles anrichten kann, erzählen Gamze Kubaşık, Semiya Şimşek und Christine Werner von dem, was rechter Terror bereits zerstört hat. Kubaşık und Şimşek waren 20 bzw. 14 Jahre alt, als ihre Väter von NSU-Terroristen umgebracht wurden. Gemeinsam mit der Autorin und Journalistin Christine Werner haben die beiden jetzt ein erzählendes Sachbuch für Menschen ab 14 geschrieben. In Gedächtnisberichten, Telefonaten und Chats berichten sie unmittelbar über ihre erschütternden Erlebnisse, die Vorverurteilung durch die Polizei und das öffentliche Desinteresse an den Verbrechen. Immer mit dem dringenden Appell gegen das Vergessen und für eine Zukunft ohne Ausgrenzung. Am Donnerstagabend stellen sie ihr Buch gemeinsam vor, das in diesem Jahr für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert ist.

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