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Musik

Glatze, Glitzer, Gänsehaut: Lollapalooza Berlin feiert wieder groß

In der ersten Reihe beim Lollapalooza Berlin herrscht gute Stimmung. Fans tanzen und zeigen gebastelte Plakate.
Ausgelassene Stimmung beim Lollapalooza Berlin! So war das Festival-Wochenende im Olympiapark Berlin. (Louisa Schumacher)

Am 18. und 19. Juli verwandelte sich der Olympiapark Berlin wieder in ein einziges großes Funkeln: Lollapalooza Berlin öffnete die Tore für 100.000 Gäste und lieferte ein Wochenende voller Highlights, das viel zu schnell an einem vorbeizog. Zwischen Sonnenschein und Regen tanzten die Besucher:innen zwei Tage lang zu internationalen und deutschen Stars quer durch den Park. Beim Lollapalooza ist jede:r willkommen. Ob an der Mainstage bei den Headlinern, beim Entdecken der Stars von morgen auf der New Horizon Stage, beim Rave an der Perry Stage oder im grünen Kiez bei nachhaltigen Mitmach-Aktionen. Das Festival hat so viel zu bieten, dass es fast schon sportlich wird, an zwei Tagen alles vom Programm mitnehmen zu wollen. An jeder Ecke ist etwas los, und sonimmt jeder Gast ein komplett anderes Erinnerungs-Paket mit nach Hause.

Von Indie-Träumen zum Glitzer- und Glatzen-Finale

Während Baran Kok schon um 12 Uhr mit Moshpits das Festival eröffnet folgt sanft-verträumter Indie von Jolle. Balu Brigada, die Indie-Rocker aus Neuseeland, sind dann das erste große Highlight. Sie performen auf der Bühne und mittendrin in der Crowd und bringen den Olympiapark zum Tanzen. Dann die Überraschung des Tages: Atarashii Gakko! Was können die eigentlich nicht, dachte man sich kollektiv. Choreo, Vocals, eine Reise durch Techno, Pop und Rap und ein Finale, barfuß am Boden liegend, mitten in der Crowd. Das Schönste an Festivals ist doch immer, in einen unbekannten Act zu stolpern, der am Ende die Story des Wochenendes wird.

Tom Odell bringt die ersten echten Gänsehautmomente. Bei Hits wie „Black Friday“ und „Another Love“ singt der ganze Park mit, seine Performance am Klavier ist Emotion pur. Lily Allen performt ihr gefeiertes Album „West End Girl“ von vorne bis hinten, fast theatralisch, erweckt sie Song für Song von der Tracklist in ihrer Performance zum leben. Danach: pures Sommerfeeling mit Zara Larsson. Vor exotischem Blumen- und Palmen-Backdrop gibt die schwedische Pop-Queen alles. Im strahlenden Sonnenschein macht sie ihrer eigenen Sommerhymne alle Ehre und bringt Urlaubsgefühl mitten in den Berliner Sommer. Definitiv eines der großen Highlights des Wochenendes.

Den Abend schließt Pitbull als großer Headliner. Zwischen Zara Larssons typischen Glitzerblumen-Sommeroutfits blitzten schon den ganzen Tag über immer mehr Bald-Caps in der Menge auf (ein sicheres Zeichen, wer als Nächstes kommt). Pitbull ist bekannt für seine zahlreichen Nostalgie-Partyhymnen aus den 2010ern, und sein Set ist die reinste Party: Krawatten und glänzende Fake-Glatzen soweit das Auge reicht, und die Menge feiert ausgelassen den Abschluss des ersten Festivaltages.

Zara Larsson wird bei ihrer Lollapalooza Berlin Performance von Tänzerinnen in die Luft gehoben.
Die Schwedische Pop-Queen Zara Larsson bringt den Sommer nach Berlin.

Regen, Sonne und ein bisschen Herzschmerz

Tag zwei steht dem ersten in nichts nach. Vicky lässt feministische Texte und ordentlich Bass durch den Park dröhnen und lockt damit schon zu früher Stunde die ersten tanzfreudigen Gäste vor die Mainstage. Pop-Sternchen Alessi Rose aus UK performt direkt danach – in Tüll tanzend über die Bühne, während Fans sogar aus Australien angereist sind, um ihrem Idol in der ersten Reihe nah zu sein. Die schottischen Indie-Boys von The Snuts rocken anschließend die New Horizon Stage, und man könnte meinen, sie hätten längst die Mainstage verdient – so voll wird es vor der kleinen Bühne. Danach performt Noga Erez: Ihr Alt-Pop nimmt mit selbstbewusster Aura auf der Bühne Raum ein, und bei der Energie, die sie liefert, lässt sich kaum wegschauen.

Langsam ziehen Wolken über dem Gelände auf – doch kurz nachdem Zartmann mit „tau mich auf“ die Hoffnung auf Sonne besingt, kommt tatsächlich echter Sonnenschein, und es wird heiß. Brasilianische Flaggen übersäen die Crowd, Anitta-Fans tanzen im Poncho zu Latin Pop und Reggaeton, als würde es keinen Tropfen regnen. Glitzernder Fächer in der einen Hand, Regenschirm in der anderen – getanzt wird, als wären wir in Rio. Wetter lässt sich eben nicht planen, aber Anitta im Regen war wohl der schönste Zufall des Wochenendes.

Dann holt Lorde die Crowd zurück in den Sonnenschein – wer auch sonst. Die naturverbundene Neuseeländerin hat eine Aura, die scheinbar mit Leichtigkeit die Sonne durch die Wolken zieht. Ausgelassen tanzt die Menge zu „Green Light“ und „Ribs“ und saugt die kunstvolle Performance in sich auf. Eines der ganz besonderen Sets des Wochenendes. Wo Lorde die Sonne heraufbeschwor, geht sie mit Lewis Capaldi wie gerufen wieder unter. Im Sonnenuntergang wirkt sein Set wie eine emotionale Katharsis: Es wird geweint und sich in den Armen gelegen. Der Künstler, der erst kürzlich nach langer gesundheitlicher Pause zurück auf die Bühne fand, lockert mit Witz und Humor zwischen seinen Songs die Stimmung zwischen den tränenreichen Momenten auf. Als Closer hinterlässt er damit ein warmes Gefühl im ganzen Park. Ein letztes Feuerwerk zum Abschluss, und das Lollapalooza, das vor lauter schönen Momenten und dichtem Programm wie im Flug verging, geht zu Ende.

Fans klatschen und lachen im Sonnenuntergang beim Lollapalooza Berlin Festival.
Im Sonnenuntergang geht ein Wochenende voller Festival-Highlights dem Ende zu. Foto: Louisa Schumacher

XXL Konzertmarathon

Ohne Camping fühlt sich das Lollapalooza eher untypisch für ein Festival an: weniger Party-Chaos, mehr Gefühl. Ein kleiner Konzertmarathon von internationaler Extraklasse, verpackt in zwei Tage. Es ist wie ein riesiger Spielplatz mit Riesenrad, Party und Gänsehaut, mit lachenden Gesichtern, glitzernden Outfits und Mitmach-Aktionen, so weit das Auge reicht. Lollapalooza Berlin hat mal wieder ein traumhaftes Sommerwochenende geliefert, und während die letzten Funken des Feuerwerks verglühen, lässt sich schon vom nächsten Jahr träumen.

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