Glaube im Kino: Kloster oder Koitus?
Was, wenn die eigene Tochter plötzlich zur Nonne werden will? Regisseurin Akauda Ruiz de Azúa stellt in ihrem preisgekrönten Drama komplexe Fragen.

Die 17-jährige Ainara (Blanca Soroa) macht mit ihrer Klasse einen Ausflug in ein Kloster, und während die Mitschüler Trinkspiele machen und versaute Songs mitsingen, spürt Ainara etwas ganz anderes: Gott. Die junge Frau wartet auf ihre Berufung, sie will Ordensschwester in dem katholischen Konvent werden. Das sorgt für Konflikte und Ruhe in ihrer Familie. Ihre nicht-gläubige Tante Maite (Patricia López Arnaiz) ist entsetzt, will Ainara davon überzeugen, erst Erfahrungen zu machen, zu studieren, die Welt zu sehen, bevor sie eine so weitreichende Entscheidung trifft. Ainaras Vater Iñaki (Miguel Garcés) pocht auf den freien Willen und kämpft nicht um seine Tochter, die den frühen Tod ihrer Mutter verkraften musste und für Maite daher besonders stark auf der Suche nach Halt und Sinn ist.
Denn ist die Entscheidung einer 17-Jährigen zu so einem radikalen Schritt wirklich ihre eigene, wenn sie an einer religiösen Schule seit ihrem elften Lebensjahr ohne Anwesenheit ihrer Eltern von einem Pater und der Mutter Oberin beraten wird? Ist das religiöse Freiheit oder Indoktrination? Betreuung oder Menschenfängertum? Regisseurin Akauda Ruiz de Azúa, die mit „Glaube“ fünf spanische Filmpreise gewann, stellt diese Fragen mitten in den Raum – und es ist an uns, diese zu beantworten. Den Umgang der verschiedenen Familienmitglieder mit Ainaras Vorhaben gibt der Film perfekt ausgewogen wieder: den Kampf Maites um Ainaras weltliches Leben, Iñakis Respekt vor Ainaras Entscheidung, den man auch für Gleichgültigkeit halten kann, Ainaras Wunsch nach spiritueller Einkehr in einer durchsexualisierten Welt.
Delikat werden die konträren Positionen von Maite und Iñaki dadurch, dass beide ebenfalls auf Ainaras Schule gingen und unterschiedliche Haltungen zum Glauben entwickelten. Am Schluss steht eine drastische Entscheidung Maites. Und Iñakis unfreiwilliges Eingeständnis, dass es in Spanien etwas viel Verwerflicheres gibt, als sein Leben in möglicherweise religiöser Verwirrung im Zölibat und ohne individuelle Freiheit zu verbringen: Sexualität …
Film

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