„Hamburg, Wache 16“ von Michael Ehnert
Kabarettist und Drehbuchautor Michael Ehnert greift mit dem trockenen Humor seines Krimidebüts „Hamburg, Wache 16“ auf die eigene Familiengeschichte zurück.
„Hamburg, Wache 16“ von Michael Ehnert ist unser Krimitipp der Woche
Erst die Tür einrammen, dann klingeln. Jens-Uwe kann also gleich mal wieder vergessen, was ihm auf der Polizeischule eingetrichtert wurde. Statt in Hamburg-Wandsbek einen ruhigen Gummiknüppel zu schwingen, wird der 23-Jährige direkt nach seiner Ausbildung der Wache 16 auf St. Pauli zugeteilt. 1976 ist hier zwischen Eros-Center, Transenstrich und Schanzenviertel für die Cops fast rund um die Uhr tüchtig Radau und Randale angesagt: Jeder Heiopei, der Flaschbier und Fransenlederjacke tragen kann, lässt hier den Kiezschreck raushängen. Bordsteinkönige, Zuhälter und Hells Angels sind auf Krawall gebürstet und kriegen sich schwer in die langen Haare. Im Graubereich des Rotlichtviertels blitzen Messer und Pistolen auf.
Einmal Stress mit allem für Jens-Uwe, der jetzt nur noch „Polle“ gerufen wird. Als Vorbild dient ihm da Werner, der drei Sterne auf der Schulter trägt und längst den Weg der Vorschriften in Richtung schiefe Bahn verlassen hat. Wer sich hier an die Polizeiroman-Klassiker von Joseph Wambaugh und Ed McBain erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Aber Kabarettist und Drehbuchautor Michael Ehnert greift mit dem trockenen Humor seines deftigen Debütromans auch wesentlich auf die eigene Familiengeschichte und wahre Begebenheiten aus Hamburg zurück: Sein Vater war selbst Polizist auf der Wache 16.
Mit „Hamburg, Wache 16“ hat es Michael Ehnert auf unsere Liste der besten Krimis im Juni 2026 geschafft.