Zum Inhalt springen
Film

Helen Mirren über Ein Talent fürs Morden: Die talentierte Ms Mirren

In Anton Corbijns Meta-Thriller spielt Helen Mirren die Autorin Patricia Highsmith, die von einem Agenten dazu bewegt werden soll, ein letztes Buch über Tom Ripley zu schreiben.

ATFM_Still_5-cTobis-Film
(Foto: Tobis Film)

Frau Mirren, wie war Ihre Beziehung zu Patricia Highsmith vor der Arbeit an „Ein Talent fürs Morden?“

Helen Mirren: Mein Mann ist Amerikaner, er hat mich auf Patricia Highsmith gebracht. Ich hatte „Der Fremde im Zug“ vor vielen, vielen Jahren gesehen, aber nicht gewusst, dass der Film auf einem ihrer Bücher basiert. Und natürlich „Nur die Sonne war Zeuge“ mit Alain Delon, die übrigens Highsmiths Lieblingsverfilmung ihrer Werke war, ein wunderschöner Film. Danach sagte mein Mann: Du solltest ihre Bücher lesen, sie ist toll.

Was hat Sie an der Rolle fasziniert?

Mirren: Mich hat das tolle Drehbuch von Joanna Murray-Smith angezogen, das auf ihrem eigenen Theaterstück basiert. Deshalb war es sehr gut geschrieben, ich konnte es gar nicht weglegen, weil es so spannend war. Und natürlich die Chance, eine so außerordentliche Figur zu spielen.

Im Film sagt Highsmith: „Glückliche Menschen stellen einfach nicht genug Fragen.“ Sind Sie ein glücklicher Mensch? Stimmen Sie zu?

Mirren: Ich bin ein glücklicher Mensch, und ich glaube nicht, dass ich genug Fragen stelle – insofern hat sie absolut recht. (lacht) Oft sind es die anstrengenden, etwas griesgrämigen Menschen, die alles hinterfragen, im Gegensatz zu den ziemlich idiotischen Leuten wie mir selbst, die einfach alles hinnehmen. Umso mehr Spaß hat es gemacht, jemanden wie Patricia Highsmith zu spielen, die das komplette Gegenteil von mir ist: Sie ist mürrisch und gemein, ich bin gutmütig und nett. (lacht)

Hat Highsmith recht, wenn sie allen Menschen eine dunkle Seite unterstellt?

Mirren: Ich glaube, sie hat dabei über sich selbst gesprochen, und sie hatte definitiv eine. Ich bezweifle, dass es für alle Menschen gilt. Viele Menschen haben keine dunkle Seite, zumindest sind sie nicht heimlich bitter, wütend, mörderisch. (lacht) Doch ich kenne Leute, die immer schlecht gelaunt sind, für die nichts je gut genug ist. Ich glaube, Highsmith war so eine Person. Aber das hat mit ihrer Vergangenheit zu tun: Sie war eine junge Autorin war, die versuchte, sich in der New Yorker Literaturszene einen Namen zu machen. Sie dachte, sie wäre besser als ihre Konkurrenten, und sie hatte wahrscheinlich recht. Aber sie war im Nachteil, weil die anderen Männer waren und sie eine Frau. Das hat ihr eine enorme Bitterkeit verliehen.

Wie haben Sie zu der Figur gefunden?

Mirren: Das Aussehen und die Frisur sind extrem wichtig. Ich konnte mich damit nicht im Spiegel ansehen. (lacht) Aber es hat mir alles gegeben, was ich brauchte, vor allem das Haar. Man braucht nicht unbedingt viel Make-up, um sich zu verändern. Vieles passiert im Inneren –als ich etwa die Queen gespielt habe, haben wir kaum etwas an meinem Äußeren gemacht. Als ich Golda Meir verkörpert habe, musste ich natürlich Prosthetik im Gesicht tragen, weil sie so anders aussah als ich.

Konnten Sie im Vorfeld viel über die echte Highsmith recherchieren?

Mirren: Ich habe eine wunderbare Biografie über sie gelesen. Und dank sei YouTube für Schauspieler:innen wie mich! Vorher war es unmöglich, so viel Material zu finden. Highsmith hat dem britischen Fernsehen ein paar Interviews gegeben, auch wenn sie damals jünger war als im Film. Einmal sitzt sie in einer Sendung neben einem Mann, dessen Tochter getötet wurde. Und sie zeigt ein sehr ungesundes Interesse an der Art ihres Todes, während er davon erzählt, wie schwierig es war, dass sie die Flecken am Tatort selbst saubermachen mussten. Sie fragt ihn, mit diesem gruseligen Gesichtsausdruck: Was für Flecken waren das? (lacht)

Highsmiths Figur Tom Ripley ist, wie im Film betont wird, einer der ersten bösen Protagonisten – ein Trend, der heutzutage allgegenwärtig ist. Was fasziniert uns so an diesen Figuren, die wir ja eigentlich ablehnen müssten?

Mirren: Ich glaube, gerade bei Ripley ist das Wunderbare, dass er davonkommt. Wir sind es gewohnt, dass die Person, die etwas Falsches tut, dafür bestraft wird. Und sie hat das einfach umgeschmissen. Ripley kommt nicht nur einmal davon, sondern noch einmal und noch einmal. (lacht) Bis heute ist niemand so radikal gewesen wie Patricia Highsmith: Normalerweise leistet sich der Antiheld ein paar böse Taten, aber ist in Wahrheit ein guter Mensch. Tom Ripley ist absolut kein guter Mensch, aber man will ihm trotzdem folgen. Das ist der Zaubertrick, den Highsmith geschafft hat.

kulturnews.letterDein Schlüssel zur Szene

Jetzt Zugang sichern

Exklusive Vorteile, Tickets, Events, News und Gewinnaktionen

Film

Sehenswert

kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.