FILM

„Herzogpark“ auf RTL+: Die Rache der Bogenhausener Frauen

Maria Schreiber (Heike Makatsch) wird nach zwei Jahren Haft in München aus dem Gefängnis entlassen. Man hatte bei ihr eine größere Menge Drogen gefunden. Schon in den ersten Minuten wird klar, mit wem sie eine Rechnung offen hat: Nikolaus van der Bruck (Heiner Lauterbach), der angesagte Baulöwe der Stadt, der gerade im Bonzenviertel Herzogpark den wuchtigen Herzogtower hochziehen will. Doch was verband die beiden mal? Das wird man in Herzogpark, der neuen Serie auf RTL+, erst viel später erfahren. Zunächst macht die Revenge-Serie einen Zeitsprung von zwei Jahren. Maria hat ein Caterin-Unternehmen aufgebaut und beschäftigt zwei Mitarbeiterinnen. Für eine große Gartenparty bei Nikolaus van der Bruck liefert sie das Essen; Nikolaus’ Gattin Helene (Jeanette Hain) hatte sie engagiert. Dann passiert was ganz Überraschendes, und Maria wird klar: Auch andere Frauen wollen Nikolaus ans Leben.

Die Serie Herzogpark leistet sich mehrere Zeitsprünge, um Motive und überraschende Wendungen zu verdecken. Was jedoch schnell klar ist: Fast alle in der Serie agierenden Frauen aus der High Society Münchens und vor allem aus Filetstück des Bonzenviertels Bogenhausen rund um den Herzogpark haben eine Rechnung mit Nikolaus van der Bruck offen. Nikolaus wird gespielt von Heiner Lauterbach, der für diese Rolle eine Jürgen-Klopp-Frisur verpasst bekam und auch noch dessen Sieben-Tage-Bart. Nicht im Ansatz kommt die kriminelle Veranlagung dieses früheren Trickbetrügers und dem Geld hinterherjagenden Emporkömmlings so richtig ans Tageslicht, sie ist lediglich Behauptung. Auch die starken Frauenfiguren, gespielt von Lisa Maria Potthoff, Antje Traue, Felicitas Woll haben mal ganz schwache und dann wieder ganz starke Szenen – sowohl in den Dialogen als auch in der Handlung. Stark sind die im leichten Dialekt sprechenden Rollen wie die von Lisa Maria Potthoff gespielte Juristin Hannah und Jeanette Hain in der Rolle der Helene: kein Wunder, sind beide Schauspielerinnen doch geborene Münchnerinnen und haben den hochnäsigen Sound mit den fiesen Spitzen in nachgeschobenen Nebensätzen bestens drauf.

Überhaupt, das macht Herzogpark dann wirklich stark: Erst im Lauf der Serie merken die Frauen, was van der Bruck so treibt: Die eine war mal Callgirl, die andere vögelt ihren Untergebenen mit einem umgeschnallten Dildo von hinten, beide werden von Baulöwen erpresst. Die Dritte steht kurz vor dem Offenbarungseid und macht mit, weil sonst nur Selbstmord bleibt: Ihre drei Kinder wurden schon wegen Zahlungsrückständen aus dem Luxusinternat geworfen. Also: Rache! Aber: Wie? Auftragskiller oder Handarbeit? Pistole oder Gift? Erstaunlich auch die Nebenrollen der Männer: Einer ist Personal Trainer und darf ab und an mal ein paar Sätze sagen, der andere ist Ehemann und liegt schon bald im Koma – was nicht weiter schlimm ist, war die schaupsielerische Leistung doch einfach unterirdisch und die Figur nicht von Belang. Und Heiner Lauterbach – ach, lieber nicht …

Herzogpark leidet darunter, dass bei einer München-Satire alle sofort an Helmut Dietl denken. Dabei ist gerade die Satire an der Serie deren Schwäche. Nebenrollen sind zum Teil unglaublich schlecht besetzt, das Drehbuch hat Durchhänger, der Score wirkt wie billig hingeklatscht. Und doch hat die Serie einen Charme, der erst von Folge zu Folge ganz langsam wächst: Die Charktere der rachelüsternen Frauen werden deutlich, die Gründe für ihr Handeln gewinnen Kontur. Und wenn die frühere Boulevard-Chefredakteurin Patricia Riekel in den noch nicht gesehenen letzten eineinhalb Folgen sicher nicht mehr durchs Bild laufen sollte, kann auch das Finale der Frauen-Revenge-Serie nicht so ganz schiefgehen. jw

Nichts verpassen! Einfach unseren Film-Newsletter abonnieren! Anmelden