„Hinter dem Nebel“ von Christoffer Carlsson
Christoffer Carlsson blickt mit „Hinter dem Nebel“ ein weiteres Mal durch die Gardinen der schwedischen Provinz – und entdeckt ein Netz aus Verwicklungen und Verrat.
„Hinter dem Nebel“ von Christoffer Carlsson ist unser Krimitipp der Woche
Wer hängt sich schon inmitten eines erfolgsversprechenden Buchprojekts auf? So glaubt der namenlose Ich-Erzähler keine Sekunde an den vermeintlichen Selbstmord seines Autorenfreundes Johan Oskarsson. Zumal dieser ihn kurz zuvor noch mit einer SMS um ein Treffen gebeten hat, obwohl sich die beiden Schriftsteller schon länger nicht mehr gesehen haben. Ermittler Vidar Jörgensson sieht zwar keine Hinweise auf Fremdverschulden, doch die Brisanz von Oskarssons Arbeit ist offensichtlich: Der saß gerade an einer Biografie über die umstrittende schwedische Autorin Ingrid Klinga. Deren schillerndes Leben birgt auch nach Jahrzehnten noch Geheimnisse. In den späten 1950er Jahren steht Klinga wegen ihrer Nähe zu einer kommunistischen Studentengruppe unter Beobachtung, da die staatliche Paranoia im Kalten Krieg groß ist. Enthüllungen aus dieser Zeit könnten das Wirken von Diensten beleuchten, welche auch heute noch lieber im Schatten agieren.
Christoffer Carlsson lüftet den Schleier um alte und neue Verbrechen erst nach und nach auf zwei Zeitebenen. Dabei wirft der schwedische Autor zuweilen Nebelkerzen, spielt souverän und tückenreich mit Erwartungen an die Wahrhaftigkeit von Erzählungen. Carlssons ist ein Garant für beste schwedische Kriminalliteratur mit Tiefgang und Raffinesse. Seine Halland-Krimireihe blickt hinter die Gardinen in der westschwedischen Provinz und konfrontiert mit moralischen Fallstricken bei der Vergangenheitsbewältigung durch Sühne und Ahndung von Verbrechen. Polizist Vidar Jörgensson ist da trotz des landschaftlich reizvollen Einsatzgebietes nicht zu beneiden.
Mit „Hinter dem Nebel“ hat es Christoffer Carlsson auf unsere Liste der besten Krimis im Juli 2026 geschafft.