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„Hope Joanna“ von Horst Evers

Buchcover „Hope Joanna“ von Horst Evers

Wenn Kabarettist Horst Evers einen Krimi schreibt, wirkt selbst ein abstruser Plot plausibel – und „Hope Joanna“ bietet mehr als nur die gewohnten Sprach-Pointen.

„Hope Joanna“ von Horst Evers ist unser Krimitipp der Woche

Riesige Zwerge, füllige Elben und sexy Orks sind in Berlin häufiger anzutreffen als freundliche Busfahrer. Das ist ja mal Fakt. Gerade, wenn sich unter die üblichen Freaks auf den Straßen vermehrt Cosplay-Fans mischen, die sich für die FantasyCon verkleidet haben. Der deutsche Autor und Kabarettist Horst Evers versteht es, solche alltäglichen Beo­bach­tungen zu abstrusen Geschichten weiterzuspinnen und schafft somit leicht bis schwer verrückte Parallelwelten. Da lässt er es dann humorvoll eskalieren und auch schon mal ein Zwergen­heer zur Schlacht ins Fußballstadion anrücken. Die Romanheldin in Evers’ neuestem Krimi ist – Achtung: Ohrwurmgefahr! – Hope Joanna Marlow, eine Berliner Haupt­kommissarin, geboren am Tag des Mauerfalls und benannt nach dem Song, der dabei gerade im Radio lief. Zusammen mit Kommissar Neuen­dorf und Kommissaranwärterin Yüzel ermittelt sie in dem seltsamen Mord an Archäologe Dr. Rainer Jens, genannt Indiana Jens. Todesursache: Schlangen­stab.

Wurde er etwa mit dieser seltsamen Waffe hingerichtet, weil er des Führers Elixier entdeckt hat, das alle Nationa­listen, Libertäre und Faschisten dieser Welt als den Heiligen Gral verehren? Zumindest ist Freiherr von der Kratten sehr an dessen Verkostung interessiert. Bei okkulten Todesursachen empfiehlt es sich, verdeckt zu ermitteln und der Irrsinn nimmt seinen Lauf: Gandalf und Waldelbin überlisten mit der Alarmanlage eines Elektro-Maserati und Taekwondo-Moves einen bierbrauenden Baron. Und eine Rentnerin, die zwei Diktaturen und die Ausrichtung von rund 40 Kindergeburtstagen überlebt hat, wird mit heiligen Pistolen beschossen. Was Horst Evers da an Pointen und ins Leere führenden Dialogen hervorzaubert, sucht seinesgleichen. Vor allem aber funktioniert die ganze Chose trotzdem als Berlin-Krimi, der nicht im Klamauk untergeht. Im Gegenteil: Zum Showdown geht es dramatisch hoch hinauf auf das Dach des Europa-Centers. Na, zum Glück ist der Himmel über Berlin ja immer für eine Über­raschung gut. Wer nach diesem Roman voller geballtem Irrwitz noch nicht genug hat, sollte einfach mal wieder die Hauptstadt besuchen und dort wie Horst Evers leicht an der Realität vorbeiblicken.

Mit „Hope Joanna“ hat es Horst Evers auf unsere Liste der besten Krimis im Juni 2026 geschafft.

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