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Im Kopf gegenüber: Bedroom-Pop-Künstlerin Hannah Jadagu im Interview

Hannah Jadagu
Hannah Jadagu (Foto: Sam Wilbert)

Ob New York oder Kalifornien: Wenn Hannah Jadagu ein Album aufnimmt, hinterlassen vor allem drei europäische Superstars ihre musikalischen Fußabdrücke.

Hannah, „Describe“ erscheint nun vier Jahre nach deiner ersten EP, die du mit 18 Jahren noch alleine auf deinem iPhone produziert hast, und zwei Jahre nach deinem gefeierten Debüt „Aperture“. Verstehst du jetzt, wieso es oft heißt, das zweite Album sei das schwierigste?

Hannah Jadagu: Ich wollte auf keinen Fall einen Nachfolger meines Debüts machen. Deshalb hat es länger gedauert als erwartet. Als ich 18 Jahre alt war, hab ich einfach gemacht, was ich wollte. Alleine in meinem Zimmer. Ich hätte locker ein A&R sein können zu der Zeit. Ich hab nur nach neuen Dingen und Sounds gesucht, war so jugendlich optimistisch. Wow, irgendwie bin ich echt stolz auf mein 18-jähriges Ich. (lacht) Sie ist toll!

Für dieses Album bist du aus New York zu deinem Co-Produzenten Sora Lopez nach Kalifornien gezogen. Ein großer Schritt als Bedroom-Pop-Künstlerin.

Jadagu: New York ist eine ÖPNV-Stadt, ich liebe es allerdings, im Auto herumzufahren. So gesehen war Altadena der perfekte Ort. Wir sind bei bestem Wetter und schönstem Licht ins Auto gesprungen, haben uns irgendwo einen Smoothie geholt und dann die noch rohen Songs gehört. Ein bisschen wie in Disney World. (lacht) Wenn du in New York nicht genug Ressourcen hast, wird es schnell trostlos.

Distanz und Sehnsucht spielen eine große Rolle auf deinem Album. Musstest du einfach raus aus New York?

Jadagu: Nee, das waren ja nur ein paar Wochen. Dieses Album ist eher der Versuch, sich durch ungewohntes Terrain zu navigieren. Sich das eigene Unbehagen bewusst zu machen. Es geht viel um Schuld, Reue und Zweifel. Aber sich dort durchzukämpfen, Unsicherheiten abzulegen, ist fantastisch – vor allem in der Liebe. Dieses Album dreht sich im Prinzip um die Arbeit, die es für die Liebe braucht.

Das klingt viel erwachsener als noch bei deinem Coming-of-Age-Debütalbum. Du wechselst in den neuen Songs ständig die Perspektive.

Jadagu: Du hörst auf diesem Album extrem oft das Wort „You“. Es ist der Versuch, in den Kopf des Gegenübers zu gelangen. Erst so versteht man, dass es okay ist, falsch zu liegen, dass es okay ist, selbst das Problem zu sein. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es überhaupt erst möglich, sich selbst zu verzeihen. Songs wie „Gimme Time“ sind Manifeste dieses persönlichen Wachstums.

Auch der Sound dieses Albums hat sich extrem weiterentwickelt. Es tauchen verzerrte Gitarren und Streicher auf. Elektronische und organische Sounds. Chor und Autotune. Trotzdem wirkt es nie pompös.

Jadagu: Mein Ziel war es, einen zeitlosen Sound zu schaffen, der gleichzeitig in die Zukunft weist. Das Analoge mit dem Modernen zu verbinden. Was für mich auch bedeutet, meine musikalische Identität noch stärker zu präsentieren. Noch nie habe ich so sehr meine Einflüsse in die eigene Musik integriert. Björk, Rosalía und FKA Twigs haben ihre Fußabdrücke hinterlassen.

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