Jan Delay: „Es kann alles passieren”
Schluss mit Retro und Revival: Jan Delay hört sich jetzt für sein neues Album „Earth, Wind & Feiern“ in der Gegenwart um.

Jan Delay, im Intro deines neuen Albums gibt es die schöne Zeile: „Nach der Rockplatte, auf die keiner Bock hatte.“ Hast du dich also nach der Mehrheit gerichtet, weil es jetzt wieder um Bässe und Beats geht?
Jan Delay: Nee, ich hatte auch selbst Bock auf was Neues, so wie ich immer etwas anderes machen will als vorher. Die Zeile ist einfach geil und eine super Verarbeitung der Ereignisse. Sie zaubert jedem ein Lächeln aufs Gesicht, und das sollen Zeilen ja tun. Es hat ja jeder mitgekriegt, dass die letzte Platte „Hammer & Michel“ tierisch verrissen wurde. Das hat mir natürlich wehgetan, vor allem, weil so viele auf diesen Zug aufgesprungen sind, ohne die Platte überhaupt gehört zu haben. Aber die Tour dazu war die größte Tour meiner Karriere, da war alles wieder okay.
„Earth, Wind & Feiern“ geht auf die Tanzfläche. Hast du es auch als Reaktion auf die Pandemie geschrieben?
Delay: Eigentlich war das alles schon fertig, bevor es losging. Mir haben noch ein, zwei Features gefehlt, aber ich sollte schon nach Berlin fahren, die Plattenfirma und den Videoregisseur treffen, den Tourvorverkauf starten – alles in der Woche, als der Lockdown kam. Zuerst habe ich noch überlegt, das Album trotzdem rauszuhauen. Aber nach einigen Schwierigkeiten war es schon Spätsommer, und diese Platte muss auf jeden Fall im Sommer rauskommen. Also haben wir ein Dreivierteljahr drangehängt.
Die Platte vereint viele Richtungen, auch hochaktuelle Sachen wie Reggaeton. Wie entscheidest du, welche Genres Platz finden und welche nicht?
Delay: Sonst haben wir immer eine Parole ausgegeben, uns ein Konzept überlegt. Erst kommt eine Reggaeplatte, dann eine Funkplatte, als letztes wollte ich eine Rockplatte. Dieses Mal haben wir nur gemacht, worauf wir Bock hatten. Und ich hatte nach langer Zeit mal wieder Bock auf Reggae – aber auch auf Funk und Ska. Ich wollte zudem unbedingt etwas mit den ganzen tollen Sounds machen, die es gerade im Afrobeat gibt. Jan Delay hat noch nie eine aktuelle Platte gemacht, es war immer ein Retrosound, den man aus Liebe wieder hervorholt. Jetzt wollte ich erstmals Musik, die von der Produktion auch im Klub bestehen kann. Das Konzept war: Es kann alles passieren, es muss nur fett klingen! (lacht)
Musik


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