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„I love you Jennifer B“ von Jockstrap: Beats aus dem Schlafzimmer

Portraitfoto Jockstrap
Foto: Eddie Whelan

Wie das Londoner Duo Jockstrap den Avantgarde-Sound von „I love you Jennifer B“ gefunden hat.

Taylor, Georgia, ihr habt euch an der Guildhall School of Music and Drama in London kennengelernt. Ist Jockstrap und das Debütalbum „I love you Jennifer B“ aus dem Kunstschul-Kontext heraus entstanden?

Taylor Skye: Nein, nicht wirklich.

Georgia Ellery: Wir haben immer versucht, Jockstrap und Guildhall zu trennen.

Können solche Schulen den Künstler:innen überhaupt einen Mehrwert bieten?

Skye: Irgendwie schon. Dadurch, dass uns wirklich sehr viel Freiraum gegeben wurde, konnten wir experimentieren und uns persönlich weiterentwickeln.

Euer Video zu „Concrete over Water“ erinnert an ein kleines Theaterstück, und die Guildhall School ist ja bekannt für Theater und Dramaturgie. Ist euch die Ganzheitlichkeit eurer Kunst wichtig?

Ellery: Ja, total. Der Austausch mit Künstler:innen aus anderen Disziplinen ist uns sehr wichtig. Wir beide lieben eben nicht nur Musik, sondern auch Film, Kunst und Tanz. Wenn wir die Möglichkeit haben, ein Musikvideo zu machen, wollen wir das alles auch unterbringen. Ich denke, dass es heute als Musiker:in sowieso notwendig ist, sich nicht ausschließlich über die Musik auszudrücken.

Ihr habt euch in London kennengelernt, und das Stadt-Thema taucht in eurer Musik immer wieder auf. Wie wichtig ist euch London?

Ellery: Für mich war es eine sehr prägende Erfahrung, nach London zu kommen. Jede neue Stadt gibt immer auch neue Energie.

Aber London ist aktuell nicht gerade dafür bekannt, Räume für junge Kreative und Künstler:innen zu schaffen. Selbst größere Bands finden oft nichtmal einen bezahlbaren Proberaum.

Skye: Naja, wir brauchen solche Räume nicht. Ich produziere unsere Musik aus meinem Schlafzimmer heraus. Natürlich kann es für andere durchaus schwer hier sein, aber wir machen alles selbst und sind daher komplett unabhängig von irgendwelchen Infrastrukturen.

Ellery: Und London ist einfach immer noch ein totaler Kultur-Hotspot und Schmelztiegel. Hier passiert so viel, dass es dich auch antreibt. Es ist ein toller Ort, um Musik zu machen.

„Obwohl ich lange auf dem Land gelebt habe, mag ich es im Ländlichen nicht besonders – man fühlt sich da irgendwie gefangen.“ Taylor Skye von Jockstrap im Interview zum Album „I love you Jennifer B“

Könnte eurer bizarrer Sound zwischen Indie und Trap auch auf dem Land entstehen?

Skye: Obwohl ich lange auf dem Land gelebt habe, mag ich es im Ländlichen nicht besonders – man fühlt sich da irgendwie gefangen. Am Ende kannst du aber tatsächlich überall Musik machen, es kommen dann bloß andere Dinge zum Vorschein.

Ihr habt einen Song auf eurem neuen Album, der „Glasgow“ heißt. Georgia hat mal gesagt, dass Glasgow vielleicht sogar ihre Lieblingsstadt in Großbritannien ist. Wenn ihr euch entscheiden müsstet: Glasgow oder London?

Ellery: Puh, Ich finde die Leute in Glasgow sind ein bisschen entspannter, und ich liebe die Architektur dort. (schmunzelt) Aber ich muss mich trotzdem für London entscheiden, weil Glasgow einfach viel zu kalt ist.

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