Kapelle Petra: 30 Jahre Schnapslaune
Kapelle Petra feiern ihr 30. Jubiläum – und haben endlich ihren ersten Nummer-Eins-Hit. Zumindest auf dem Papier.

Guido, wie geht’s?
Guido Scholz: Alles gut! Gleich haben wir noch Bandtreffen, Themenbereich Steuern. Etwas trocken, aber dafür gibt es Bier, das gleicht das wieder aus. (lacht)
Damit sind wir direkt beim Thema: Hättet ihr euch früher vorstellen können, dass Kapelle Petra mal Steuern zahlt?
Scholz: Als wir uns gegründet haben, war das ja eher aus einer Schnapslaune raus, wir hatten halt Bock, Musik zu machen. Sonst hätten wir uns auch echt mehr Mühe mit dem Bandnamen gegeben. Aber es hat so viel Spaß gemacht, dass wir irgendwann beschlossen haben, das hauptberuflich zu machen – und dann muss man eben auch Steuern zahlen.
Mit „Lübbe.“ feiert ihr jetzt euer 30-jähriges Jubiläum. Auf dem Best-of-Album sind neben zwei neuen Songs 16 Tracks aus eurer ganzen Laufbahn zu finden. Ist die Auswahl schwergefallen?
Scholz: Es war lustigerweise relativ einfach. Unsere Hits mussten irgendwie drauf, weil wir die immer wieder spielen und mit ihnen leben. Dazu konnte jeder sich noch seine Lieblingssongs aussuchen. Nicht ganz so einfach war, die Songs in die richtige Reihenfolge zu bringen. Da sind ja Sounds von 1998 und von 2025 dabei. Aber wir haben es geschafft, dass es trotzdem homogen ist. Unsere größte Angst war ein Album, das man nicht am Stück durchhören kann, aber es hat am Ende gut geklappt.
Gab es Dinge, die euch überrascht haben – nach dem Motto: So haben wir mal geklungen?
Scholz: Bei den Songs war es eigentlich relativ klar, weil wir sie immer irgendwie präsent haben. Aber wir sind beim Fräsen durch unsere Geschichte auch auf Fotos und Videos von früher gestoßen. Da gibt es schon ein paar Fremdscham-Momente. (lacht) Und man merkt auch, dass man echt alt geworden ist. Die Band ist halt schon ein Lebensprojekt. Was wir alles so erlebt haben, das ist schon krass!
Eine der neuen Singles, „Nr. 1 Hit“, thematisiert auch die Unterschiede zu früher: Heute entscheidet der Algorithmus mit, was in die Charts kommt. Wäre so eine Geschichte wie eure heute überhaupt noch möglich?
Scholz: Ich glaube, das ist einfach Evolution. Natürlich gibt es heute vieles, was anstrengend und ätzend ist. Andererseits: Als wir angefangen haben, gab es noch Bandmaschinen, da wusstest du, es kostet jetzt 16 Mark, wenn du dich einmal verspielst. Dass ich heute bei mir zu Hause kostenlos aufnehmen kann, ist ein absoluter Segen – aber natürlich gibt es auch eine Menge Fluch. Der Song ist gar nicht kritisch gemeint: Mir ist total egal, ob ich einen Hit habe oder nicht. Für mich bedeutet Erfolg, dass das, was man macht, eine Selbstwirksamkeit hat und sich richtig anfühlt.
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